Das sind die besten Designer für Ihre Yacht

Was ist das Teuerste an einer Yacht? Natürlich das Interior — vorausgesetzt, es kommt nicht von der Stange. Wer seinem eigenen Stil folgen möchte, engagiert dafür eines dieser vier Büros.
Text Marcus Krall

Böse Zungen behaupten, dass fast alle großen Yachten von außen gleich aussehen. Drei oder vier Decks, achtern ein Pool und im Bug ein Helipad. Dazwischen, je nach Wunsch, sportliche oder voluminöse Linien. Das stimmt so natürlich nicht. Experten erkennen schon am Verlauf des Schanzkleids, welcher Designer am Werk war. Doch unverwechselbar werden die meisten Yachten tatsächlich erst innen. Dort offenbart sich die ganze Palette des Geschmacks. Gut oder schlecht gibt es hier nicht, denn er spiegelt schließlich die Bedürfnisse, die Herkunft und auch das Budget des Auftraggebers wider. Arabische Kunden mögen es oft opulent, viele Europäer eher minimalistisch. Wer hier ganz tief in die Materialkiste greifen lässt, gibt locker über 30.000 Euro pro Quadratmeter aus.

Gestaltet werden diese Interiors von spezialisierten Designbüros. Denn Yachtbau hat mit Hochbau relativ wenig gemein. Vorgaben machen viele Eigner oft mit Bezug auf ihre Residenzen an Land, mit dem Verweis auf Hotels, in denen sie sich gern aufhalten, oder mit Referenzen von Yachten, die sie schon einmal gechartert haben. Auch das Interior Design einer Yacht startet oft mit einem weißen Blatt Papier oder einem leeren Bildschirm, auf dem in monatelanger Abstimmung ein Gesamtbild entsteht, in dem der Eigner sich dann für zwei oder drei Wochen pro Jahr wohlfühlt. Länger werden die meisten Yachten schließlich nicht genutzt. Welchen Designer man für seine Yacht engagiert, hängt immer ein bisschen davon ab, ob die Chemie stimmt. Mit den folgenden vier Büros sind jedoch schon die unterschiedlichsten Eigner zufrieden gewesen. Sie gehören zu den besten der Welt.

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Carla Guilhem Design

Carla Guilhem ist mit ihrem gleichnamigen Design-Studio in Miami ansässig.

Carla Guilhem hat sich mit ihrem gleichnamigen Studio in recht kurzer Zeit einen Namen gemacht. Die Brasilianerin wurde in ihrer Heimat schon früh an das Thema Design herangeführt: „Ich verbrachte die Nachmittage im Tischlereibetrieb meiner Familie in São Paulo und war vom kreativen Prozess völlig fasziniert.“ Heute, in Miami, definiert sie ihre Mission wie folgt: „Meine Aufgabe ist es, der Vision meiner Kunden zu folgen und meine Expertise zu nutzen, um ihre Ideen auf kohärente und harmonische Weise zum Leben zu erwecken.“ 

Ihr bekanntestes Werk: die 34-Meter-Explorer-Yacht „Lady Lene“, gebaut bei Van der Valk in den Niederlanden. Hier kombinierte Guilhem eine reduzierte Art-déco-Ästhetik mit einer Praxisnähe, die selten bei Explorer-Yachten zu finden ist: Barrierefreiheit über alle Decks, elegante Linienführung, warme Materialien – mit dem klaren Ziel, ein „home at sea“ für mehrere Generationen der Familie zu schaffen. Eines ihrer jüngsten Projekte, die 34 Meter lange Motoryacht „One“, ebenfalls von Van der Valk, zeigt, wohin der Weg führt: ein futuristisches, gleichzeitig wohnliches Interieur, bedacht geplant, klar in Linien und Materialien. Guilhem: „Auf Yachten muss alles technisch und funktional sein. Aber wir machen es dennoch schön und stylish. Das ist die Kunst.“

Getreu ihrem Motto „Funktional, aber stylish“ entwarf Carla Guilhem auch die Treppe der „70M“.
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Zuretti Interior

Sebastien Gey übernimmt zukünftig das Yacht-Team von Zuretti Interior.

Mit über 50 realisierten Yachten zwischen 50 und 140 Metern gilt Zuretti als Grandseigneur der Branche. 1975 begann François Zuretti, der sich nun sukzessive aus dem Geschäft zurückzieht und an die nächste Generation übergibt, mit dem Design von Palästen im Nahen und Mittleren Osten. 1987 entdeckte er das Yachting, 2001 siedelte er von Genf nach Nizza um. Neben unzähligen Benettis stammen aus den Zuretti-Rechnern auch die noch nie öffentlich gezeigten Interiors der 101 Meter langen „Symphony“ von Bernard Arnault, der 145 Meter langen „Luminance“ und der 140 Meter langen „Scheherazade“. Die Letzteren gehören osteuropäischen Eignern. 

François Zuretti kommentiert seine Aufträge ganz pragmatisch: „Früher hatten Kunden eine stärkere Verbindung zum Meer, die Boote waren kleiner und die Menschen näher am Wasser. Das Leben an Bord einer 45-Meter-Yacht dreht sich um das Meer, aber auf einer 150-Meter-Superyacht benötigt man anderes – etwa ein Spa und ein Kino.“ Zurettis Stärke liegt in der Fähigkeit, palastähnliche Räume zu schaffen, ohne Kitsch. Dafür brillieren sie mit subtilem Luxus: edle Hölzer, harmonische Materialauswahl, raffinierte Raumproportionen. Die Interiors wirken opulent, aber trotzdem wohnlich und verstecken nicht, dass man für eine Superyacht x-facher Millionär, besser noch Milliardär sein muss.

Das Team von Zuretti liebt es üppiger, das zeigt auch das Bad auf der „M/Y Energy“.
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Winch Design

Bei Winch Design zeichnet Jim Dixon für das Yacht-Team verantwortlich.

Seit Jahrzehnten zählt Winch Design mit 150 Mitarbeitern zu den weltweiten Trendsettern für Yacht-Interios – innovativ, klassisch und stets stark auf den Eigner zugeschnitten. Gründer Andrew Winch gehörte mit seiner Frau Jane zu den ersten Designern, die 1986 das Yachting für sich entdeckten. Er startete mit Segelyachten, spezialisierte sich dann aber schnell auf Motoryachten. Laut eigener Darstellung verstehen sich die Londoner als Studio für Kunden, „die nicht nur die höchsten Standards im Design erwarten, sondern auch einen vollständig integrierten und völlig maßgeschneiderten Ansatz“. Ganz gleich, ob für Yacht, Privatjet oder Architekturprojekt. 

Das Yacht-Team von Winch, inzwischen geleitet von Jim Dixon, hat einige der ikonischsten Superyachten der letzten Jahrzehnte gestaltet: „Dilbar“ (156 Meter), „Al Mirqab“ (133 Meter), „Madame Gu“ (99 Meter) oder „Excellence“ (80 Meter). Die Interiors von Winch wirken oft so glamourös wie ein Herrenhaus, das sanft über die Wellen gleitet: edle Hölzer, maßgefertigte Möbel auf dem Teppich oder Parkett, filigrane Details überall an Bord. Die Ausarbeitung hat ihren Preis. Doch wie sagte Andrew Winch einmal so schön: „Zum Glück hat jeder einen Traum. Wie traurig wäre die Welt, wenn dem nicht so wäre.“

Very british: Winch Design entwarf den Salon des Eigners auf der „Excellence“.
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Studio Liaigre

Guillaume Rolland leitet bei Studio Liagire die Abteilung für Yacht-Design.

Wenngleich das Studio Liaigre im Bereich Yachtdesign weniger präsent ist als manche der anderen Designer, besitzt es doch eine Aura, die besonders von Kennern geschätzt wird. Es überzeugt mit Ruhe, Eleganz, Materialtreue und einem kompromisslos reduzierten Stil, platziert zwischen Luxusresidenz und Galerie. Für Yachten ist Guillaume Rolland verantwortlich. Unter anderem betreute er die 73 Meter lange „Cloudbreak“ für einen jungen, abenteuerlustigen Eigner. Für den Besitzer der 70 Meter langen „Vertigo“ schuf er ein loftartiges Interior, das er selbst als „urban at sea“ bezeichnet. 

In Liaigres Designphilosophie geht es nicht um Auffälligkeit. Es geht um Proportion, Material, Atmosphäre. Für jene, die einen zurückhaltenden Stil mit hoher Qualität bevorzugen, kann das Studio die perfekte Wahl sein. Die Stärke liegt in minimalistischer Klarheit, edler Materialwahl und einem architektonischen Feingefühl. Letzteres hat das Studio durch seine Erfahrung mit Projekten an Land entwickelt und überträgt es nun auch auf die See.

Der reduzierte Stil der „SL 44“ ist typisch für die Entwürfe des Studio Liaigre.