Amaala: So will sich Saudi-Arabien neu erfinden

Saudi-Arabien baut seine Küste massiv aus. Bis zum Jahr 2030 sollen 80 neue Luxus-Resorts entstehen. Yacht-Eigner können schon heute festmachen. Ein Blick in eine Region, die die Karibik ablösen will.
Text Marcus Krall
Bekannt für ihre Felsformationen: Die Hisma-Wüste ist Teil des Neom-Projekts im Nordwesten des Landes.

Die Saison vieler Yachteigner sieht seit vielen Jahren quasi identisch aus. Im Sommer wird das Mittelmeer bereist, im Winter geht es zum Refit in eine Werft oder über den Atlantik in die Karibik. Nicht ohne Grund sprechen die Charterbroker weltweit von der „Med Season“ und der „Caribbean Season“. Dort, wo das Wetter schön ist, wird gefahren. Allerdings schreiten derzeit gewaltige Entwicklungen voran, die dieses Raster aufbrechen werden – der Nahe Osten strengt sich an, zur neuen Karibik zu werden, um Eigner aus dem Mittel- ins Rote Meer locken. Dafür investiert insbesondere Saudi-Arabien erheblich – Schätzungen gehen von über 20 Milliarden Euro aus.

Rotes Meer als neue Luxusdestination

Der Naturschutz hat Prioriät – Korallenriffe sollen auch bei wachsendem Tourismus unangetastet bleiben.

Vor fünf Jahren öffnete das Land seine Grenzen erstmals offiziell für den internationalen Tourismus – ein historischer Schritt, der den Grundstein für eine tiefgreifende Transformation des Landes legen sollte. Seither fokussiert sich das Königreich auf drei zentrale Säulen in seiner Außenwirkung. Diese sind: ein stetig wachsendes Programm globaler Events, die Wiederentdeckung seiner kulturträchtigen Städte und außerdem – als jüngster und vielleicht ambitioniertester Schwerpunkt – die Erschließung des Roten Meeres als neue Luxusdestination. 

Während Mega-Events und UNESCO-Welterbestätten wie Al-’Ula oder Diriyah den Grundstein für den Tourismusboom legten, steht heute die Küstenregion am Roten Meer im Zentrum der Vision. Mit 1800 Kilometern Küste und über 90 Inseln bietet die saudische Küste ein nahezu unberührtes Naturparadies. Schon früh erkannte man dabei, dass der Naturschutz oberste Priorität haben musste. Der Kronprinz initiierte daher die National Red Sea Sustainability Strategy: Korallenriffe, Mangroven und die artenreichen Küstengewässer gelten als Naturerbe – und sollen auch bei wachsendem Tourismus unangetastet bleiben.

Yachteigner können ihre Saison verlängern

Der Yacht Club Sindalah wurde im Oktober 2024 eröffnet und lässt bei Eignern keine Wünsche offen.

Die globale Yachting-Industrie schaut aktuell ganz genau in das Königreich. Denn das Red Sea Project steht stellvertretend für eine anscheinend notwendige Erweiterung der bisherigen Reviere. Während das Mittelmeer von Mai bis Oktober floriert, sucht die Branche seit Jahren nach Destinationen, die die Saison verlängern können. Saudi-Arabien und die angeschlossenen Emirate bieten dafür ideale Bedingungen: geeignetes Klima, eine eher ruhige See, exzellente Infrastruktur – und politische Stabilität. „Wenn die Mittelmeersaison endet, beginnt unsere“, so heißt es aus Saudi-Arabien. 

Aktuell wird die saudische Vision einer ausgebauten Küstenregion so langsam sichtbar. Während es entlang der Küste zahlreiche Marina- und Resort-Baustellen gibt, sind einige wenige bereits in Betrieb. Als Erstes eröffnete der Yachtclub in Jeddah im Jahr 2022 behutsam seine Stege. Die Marina, die unmittelbar an der Formel-1-Rennstrecke liegt, bietet 91 Liegeplätze für Yachten bis 115 Meter Länge und alle Annehmlichkeiten, die Eigner und Crews von einem 5-Sterne-Hafen erwarten – Gym, Spa, Lounges, Restaurants. Bislang wurde Jeddah als Stop-over für Reisen zu den Malediven oder Seychellen genutzt, wird mit dem Ausbau der Infrastruktur am Roten Meer aber an Bedeutung gewinnen.

In Amaala Triple Bay entstehen 12 Resorts

Gute Aussichten: Das Six Senses gehört zu den ersten Luxusresorts, die in Amaala Triple Bay eröffnen.

Mit Sindalah Island in der Provinz Tabuk gibt es schließlich bereits ein zweites inländisches High-Class-Ziel. Die zum Giga-Projekt NEOM gehörende Insel wurde bereits von zahlreichen Yachten angesteuert, größte Besucherin war die 123 Meter lange „Golden Odyssey“, die dem saudischen Königshaus zugeordnet wird. Nicht minder imposant ist Sindalahs 1800 Quadratmeter großer Yachtclub, der von Stefano Ricci gestaltet wurde. Hier ist Platz für bis zu 180 Meter lange Yachten, also die größten der Welt. 

Der nächste größere Entwicklungsschritt wurde indes auf dem ersten Tourise-Summit in Riad verkündet. Amaala Triple Bay wurde dort als neues „Juwel der Küste“ bezeichnet. Das Projekt gilt als Herzstück der ehrgeizigen Tourismusstrategie Vision 2030 und soll bis zu 50.000 Arbeitsplätze schaffen sowie rund drei Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. Auf einer 68 Kilometer langen Küstenlinie entstehen insgesamt zwölf Resorts, die alle von Red Sea Global entwickelt werden. Die erste Phase von Triple Bay umfasst acht Hotels, die alle in diesem europäischen Winter eröffnet haben – darunter Clinique La Prairie, Jayasom Wellness Resort, Rosewood, Six Senses, Equinox, Four Seasons, The Ritz-Carlton und Nammos Resort.

Hafen wird mit erneuerbarer Energie betrieben

Oxagon wurde als Teil des Neom-Projekts geplant – die schwimmende Stadt befindet sich halb auf dem Land, halb auf dem Wasser.

Im Zentrum des maritimen Angebots steht die Triple Bay Marina mit dem Amaala Yacht Club. Die Anlage wurde erstmals auf der Monaco Yacht Show 2025 vorgestellt und bietet 116 Liegeplätze für Yachten bis zu 140 Meter Länge. Eigner und Gäste können sich vor Ort über ein intaktes Ökosystem mit zahlreichen seltenen Arten freuen. Um die Natur und die Artenvielfalt zu schützen, wird die Zahl der Besucher auf 500.000 pro Jahr begrenzt und die gesamte Anlage ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben. Ein zentraler Bestandteil des Nachhaltigkeitsansatzes ist auch das Corallium Marine Life Institute, das direkt neben dem Yachtclub entsteht und sich dem Schutz von Mangroven, Seegras, Korallenriffen und terrestrischen Lebensräumen widmet – mit dem Ziel, die Biodiversität des Roten Meeres bis 2040 um 30 Prozent zu steigern. 

Statt Konkurrenz zur europäischen Riviera zu sein, verstehen die saudischen Verantwortlichen das Rote Meer übrigens als natürliche Ergänzung. Yachten, die bisher für den Winter den langen Weg in die Karibik auf sich nahmen, sollen künftig das Rote Meer ansteuern. Durch den Aufbau von Servicehubs, Wartungseinrichtungen und Yachthäfen wird das Revier für Superyachten beziehungsweise deren Eigner und Crews dauerhaft attraktiv.

Gleichzeitig arbeitet Saudi-Arabien mit Nachbarstaaten und internationalen Partnern an einem einheitlichen regulatorischen Rahmen. Seit dem Start der Tourismusstrategie im Jahr 2020 hat sich der Erfolg messbar gezeigt: 116 Millionen Gäste kamen im Jahr 2024. Vereinfachte Einreiseverfahren, koordinierte Hafenzulassungen und gemeinsame Tourismusstrategien mit Ägypten und den Golfstaaten sollen die Region als zusammenhängendes Zielgebiet etablieren – ähnlich dem Erfolg des westlichen Mittelmeers.