Die besten Yacht-Neuheiten 2026

Jedes Jahr verlassen Hunderte von neuen Yachten die Werfthallen dieser Welt. Wir haben die Top-Modelle der Monaco Yacht Show für Sie ausgewählt – manche davon kann man im Sommer sogar chartern.
Text Marcus Krall
1

Bestes Exterior

Wer bei Feadship in den Niederlanden bestellt, bekommt ein Unikat. Jede Yacht, die die Hallen verlässt, ist maßgeschneidert und bei „Valor“ ist das Konzept besonders deutlich ablesbar. Der amerikanische Eigner verlangte ein Äußeres, das seine Pläne nicht nur technisch, sondern auch optisch widerspiegelt: Expeditionen in eisbedeckte, abgelegene Gewässer bis zur Nordwestpassage. Das äußere Erscheinungsbild von „Valor“ ist dementsprechend markant: Ein Bug, der einem Zerstörer schmeicheln würde, militärisch anmutende Rumpfnummern und eine klare, fast aggressive Linienführung ersetzen die übliche „Torten“-Optik vieler Superyachten. Diese Gestaltung kommuniziert unmittelbar die Seetüchtigkeit und Robustheit, die der Eigner bei der Bestellung von Feadship einforderte. „Valor“ ist nach Bureau Veritas Young Ice 2 klassifiziert und besitzt einen verstärkten Eisgürtel über und unter der Wasserlinie. Die Diesel-Elektro-Antriebslösung mit enormen Batteriebänken und die Solarpaneele im Geräteträger ermöglichen lange, emissionsarme Ankerzeiten. Da Werften wie Feadship keine Preise veröffentlichen, wird er für „Valor“ auf 250 Millionen Euro geschätzt.

2

Beste Performance

In Zeiten, in den alles so nachhaltig wie möglich sein muss, haben es Werften wie AB Yachts aus dem italienischen Viareggio schwer. Schließlich steht der Name seit 30 Jahren für Performance, Adrenalin und für schnelle Yachten, die ebenso gut aussehen, wie sie fahren. Mit der neuen „AB 95“ pflegt die Werft dieses Image. Drei 2000­-PS­-Motoren plus Booster ermöglichen bis zu 50 Knoten Höchstgeschwindigkeit, wahlweise in Flybridge­ oder sportlicher „Racing Car“­-Version. Entwickelt von Archea Associati richtet sich das 28,50­-Meter­-Modell an Eigner, die nach dem Lunch in Miami den Aperitivo auf den Bahamas einnehmen und zur „Zeit ist Geld“­-Fraktion gehören. Das Interior verbindet Teak und italienisches Leder; abends sorgen integrierte LED­Lichtbänder für Atmosphäre. Eine schwarz verkleidete Bar im Salon dient zugleich als Pantry und schafft im Layout Platz für eine zusätzliche Gästekabine, sodass insgesamt fünf Kabinen inklusive Master­-Suite installiert werden konnten. Wer ablegen möchte, muss 11,65 Millionen Euro investieren.

3

Beste Charteryacht

Die 55 Meter lange „Loewe“ wurde vom Eigner primär bestellt, um sie in die Vercharterung zu geben. Die ersten Monate auf dem Wasser bestätigten seinen Plan, die Unterhaltskosten mit den Einnahmen zu minimieren. „Loewe“ ist die zweite Einheit aus der Sportiva­-55­-Serie von Tankoa Yachts, der sportlichen Linie der Italiener, mit einem eher geringen Volumen unter der berühmten 500­-GT-­Grenze, was jegliche Formalitäten einfacher macht. Besonders charterfreundlich ist der großzügige Beach Club an Bord: Er verfügt über ein Spa, einen Infinitypool und das halb unter Wasser liegende „Sealine Window“. Das Interior setzt auf einen modernen, neutralen Look, der viele Geschmäcker trifft: Creme­ und Grautöne, niedrige Möbel und gehämmerte Metalloberflächen. „Loewe“ bietet sechs Kabinen, darunter eine Master­-Suite auf dem Hauptdeck mit Terrasse und Jacuzzi. Weitere Highlights sind das weitläufige Sonnendeck mit Pool, Bar und Sonnenliegen sowie der geschützte Bugbereich mit seinem großen Sunpad. Wer eine Woche „Loewe“ genießen möchte, muss 400.000 Euro investieren, plus APA, Steuer und Trinkgeld.

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Bester Newcomer

Sosehr viele Eigner auch ein modernes, sportliches Design schätzen, ein gar nicht so kleiner Teil der Kundschaft kann dem Charme klassischer Linien nicht widerstehen. Das weiß auch der erfahrene Designer Luca Dini. Er entwarf für die Marke Picchiotti die „Gentleman 24“: „Meiner Meinung nach fehlte genau dieses Marktsegment“, sagt er und mag durchaus recht haben. Die 24 Meter lange Motoryacht, deren Ästhetik unverkennbar an vergangene Zeiten erinnert, ist auf einen selbst fahrenden Eigner ausgelegt, der aktiv am Bordleben teilnimmt. „Die Inspiration kommt aus den 1950er- und 1960er-Jahren“, sagt Dini. Viele moderne Yachten seien zwar schön, vermittelten aber das Gefühl, in einem Apartment oder Hotelzimmer zu wohnen. Möbel und Ausstattung könnten „von überall stammen“. Die „Gentleman 24“ hingegen kennzeichnet fast verschwundenes Handwerk: Alles sei speziell für dieses Boot entworfen – reine Form, reine Funktion. Damit setzt das Modell auch die Tradition von Picchiotti Yachts fort. Die Werfthistorie reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Heute gehört man zur Italian Sea Group aus Carrara. Die Baunummer 1 der „Gentleman 24“ kann aktuell für 8,9 Millionen Euro den Besitzer wechseln.

5

Beste Segelyacht

Trotz aller Diskussionen, dass Yachten weniger verbrauchen und nachhaltiger unterwegs sein sollten, kommt der Segelmarkt unter Superyacht-Eignern nicht so richtig in Schwung. Nur rund sieben Prozent aller verkauften Superyachten tragen einen Mast. Dabei kann man mit ihnen genauso komfortabel unterwegs sein wie mit einer veritablen Motoryacht. „Magic“, eine moderne und 44 Meter lange Cruising-Slup, ist ein hervorragendes Beispiel. Abgeliefert von Vitters in den Niederlanden ist sie qualitativ am obersten Ende einzuordnen. „Magic“ bietet mit 9,66 Meter Breite und einem festen Kiel mit 4,80 Meter Tiefgang Stabilität und souveräne Segeleigenschaften. Die Aufbauten sind markant und mit großflächigen Glaspaneelen belegt, wie sie Vitters schon 2005 auf der preisgekrönten „Ghost“ verwandt hat. Diese Scheiben sorgen für einen nahezu durchgängigen Panoramablick und ein außergewöhnlich großzügiges Raumgefühl. Das überdachte Hauptcockpit bietet Schutz und Komfort bei jedem Wetter, während das weitläufige Achterdeck ideale Voraussetzungen für entspanntes Segeln schafft. Die Heckklappe verwandelt sich bei Bedarf in einen stilvollen Beach Club. Angetrieben wird die „Magic“ konventionell mit CPP-Propeller. Eine leistungsstarke Batterieeinheit ermöglicht bis zu acht Stunden lautlosen Betrieb. Die Tischlerarbeiten erledigte List aus Österreich: ein weiteres Qualitätsmerkmal und vielleicht zusätzliche Motivation für einen neuen Eigner. Die „Magic“ steht für 45 Millionen Euro zum Verkauf.

6

Bester Klassiker

Die Geschichte von „Marala“ reicht bis ins Jahr 1930 zurück. Montague S. Napier gab die Yacht damals bei Camper & Nicholsons in Auftrag. Sie war einer der größten Neubauten ihrer Zeit. Während des Zweiten Weltkriegs diente sie der Royal Navy als „HMS Evadne“, bevor sie in den Jahrzehnten danach mehrfach den Besitzer wechselte. Schließlich erhielt sie unter Robert de Balkany, Gatte der Tochter des letzten Königs von Italien, ihren Namen „Marala“. 2017 wurde sie von ihrem heutigen sehr erfahrenen Eigner übernommen, der sich nach einer ersten Reise für einen umfassenden Refit entschied. Erste Stahlarbeiten erfolgten in Malta, anschließend wurde „Marala“ zur Pendennis-Werft nach Falmouth überführt und mehrere Jahre restauriert. Unter Leitung des Londoner Studios Muza Lab wurde das Interior vollständig neu gestaltet – mit originalgetreuen Details im Stil der 1930er bis hin zu historischen Telefonen. Die Hauptmaschinen sind original, was beim Manövrieren den Einsatz von vier Crewmitgliedern im Maschinenraum erfordert. Die 59-Meter-Yacht bietet sechs Kabinen für zwölf Gäste. Ab 220.000 Euro pro Woche legt die „Marala“ im Mittelmeer ab.