Orient Express lanciert Segelyacht

Ab Juni 2026 kann man mit der Orient Express Corinthian die Segel setzen. Wieso die Luxusmarke damit die Kreuzfahrtbranche revolutioniert – und was Gäste an Bord erwartet.
Text Percy C. Schoeler
Großzügig: Als längste Segelyacht der Welt verfügt die Orient Express Corinthian über zwei Pools.

Manchmal sind es nicht die lauten Revolutionen, die unsere Vorstellungen vom Reisen verändern, sondern jene, die ganz leise daherkommen. Mit der „Orient Express Corinthian“, der ersten von zwei neuen Segelyachten der legendären Marke, kehrt ein Stück jener alten Grandezza zurück, die man längst verloren glaubte. Ab Juni 2026 ist der mit Spannung erwartete Neubau im Mittelmeer, besonders der Adria, unterwegs. Die Zahlen des Schiffes sind nicht bloß beeindruckend, sie sind ein Statement, ein Bekenntnis. Mit 220 Metern ist die „Corinthian“ die längste Segelyacht der Welt. 4500 Quadratmeter Segelfläche treiben das Schiff an, verteilt auf drei neigbare Carbon-Masten, die bis zu 100 Meter hoch über die Wasseroberfläche ragen. „SolidSail“ heißt das verwendete System, das die Bauwerft Chantiers de l’Atlantique für die „Corinthian“ und ihre im Sommer 2027 folgende Schwesteryacht „Olympian“ auserkoren hat. 

Die Segel sind aus Glasfaser statt aus Textil

Statt auf herkömmliche Textilsegel setzt es auf starre, mit Gelenken verbundene Flächen aus Glasfaser. Bis zu 17 Knoten Geschwindigkeit soll das Schiff unter Segelkraft erreichen, mehr noch als unter dem ebenfalls zur Verfügung stehenden LNG-Hybridantrieb. Die „Corinthian“ ist die vielleicht größte Innovation, die die Kreuzfahrt seit Langem gesehen hat. Ein ernst zu nehmender Entwurf, die Branche umweltfreundlicher zu machen und die Zukunft der Ozeane aktiv mitzugestalten. So soll ein KI-gestütztes Erkennungssystem vor Kollisionen mit Meeressäugern schützen, dynamische Positionierungstechnologie macht das Ankern überflüssig. Ein leiser Beitrag zum Schutz der Meeresböden.

Die Wege des Schiffes folgen den günstigsten Winden und wurden von Experten der Regattaszene kuratiert. Insgesamt 27 Routen, von zweitägigen Kurzreisen bis zu zweiwöchigen Fahrten, führen die „Corinthian“ während ihrer ersten Sommersaison zu 35 Häfen. Im Oktober steht eine 14-tägige Transatlantikpassage an, anschließend verbringt die Yacht den Winter bis März in der Karibik, wo Reisen zwischen zwei und neun Tagen auf dem Programm stehen.

Orient Express Corinthian hat 54 Suiten

Mit 54 Suiten, alle zwischen 45 und 230 Quadratmeter groß und manche gar zweigeschossig, darf man auch an Bord Superlative erwarten. Und doch verströmt das von Maxime d’Angeac entworfene Interieur eher eine behagliche Atmosphäre denn plumpe Übertreibung. Der französische Designer, der auch das erste neue Orient-Express-Hotel „La Minerva“ in Rom entwarf, das zweite folgt 2026 in Venedig, schafft Refugien, die mehr Salon als Suite sind. Orient Express, 1883 gegründet, gehört seit 2022 zu Accor. Seit 2024 steht man zudem in strategischer Partnerschaft mit LVMH. Parallelen zum legendären Orient Express auf der Schiene sind somit kein Zufall, wie schon allein der Name der großen „Agatha Christie Suite“ oder der „Le Wagon Bar“ am Bug des Schiffes vermuten lässt.

Neben zwei Pools, einer Marina, einem Cabaret sowie einem Tonstudio stehen den Gästen insgesamt acht Bars, darunter eine Flüsterkneipe im Stil der 1920er-Jahre, sowie fünf Restaurants zur Verfügung. Für die Kulinarik auf höchstem Niveau sorgt Yannick Alléno, an Land zweifach mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Das „La Table de l’Orient Express“ erweitert seine gastronomische Linie hin zur legendären Marke. Mit der „Corinthian“ schlägt Orient Express ein neues Kapitel auf. Sowohl was die eigene Geschichte betrifft als auch die der Kreuzfahrt. Es ist ein Kapitel, das uns Reisen auf See erneut anders denken, anders erleben lässt. Dem Wind folgend, verloren geglaubte Grandezza erlebend, ohne schlechtes Gewissen. Eben eine leise Revolution. Die 14-tägige Transatlantikfahrt in einer Suite von Lissabon nach Barbados kostet ab 60.200 Euro.