Seoul als Kunstmetropole

Mehr als Popkultur: Hip wurde Südkorea durch Gangnam Style und Squid Game. Jetzt etabliert sich die Stadt als Kunstkapitale.
By Julie Belcove
Lehmann Maupin Seoul
Pionier: Lehmann Maupin eröffnete schon 2017 eine eigene Dependance in Seoul.
Oliver-Beer-Ausstellung beim Galeristen Thaddaeus Ropac
Oliver-Beer-Ausstellung beim Galeristen Thaddaeus Ropac.

„Kunstkenner der Welt, schaut auf diese Stadt!“ – Das war der Aufruf, den die Frieze Art Fair mit ihrer Seoul-Premiere machte. Für die erste Ausgabe der Kunstmesse auf asiatischem Boden folgte die internationale Kunstszene dem Ruf in den Gangnam-Bezirk. Im September waren 164 Galerien auf der Hauptmesse vertreten – und 73 in einer Extrasektion. Diese legten den Schwerpunkt auf neue Medienkunst und NFTs. 

Kimiyo Mishima Comic Book
Kimiyo Mishimas Comic Book 03 war in der Asien-Sektion der Frieze zu sehen.

Dass viele der Besucher wiederkehren dürften, scheint bereits heute festzustehen. Seoul versprüht eine Anziehungskraft für Kunstkenner – und hat alles, was eine Metropole braucht, um diese Rolle dauerhaft zu behalten. Nachdem lokale Festivals und Galerien die Vorarbeit geleistet haben, siedeln sich seit 2017 immer mehr westliche Galeristen in der Stadt an. Angefangen hat es mit Pace, Perrotin und Lehmann Maupin. Im vergangenen Jahr ist die Szene sprunghaft gewachsen.

„Seoul hat einen großen Schritt gemacht“, sagt der österreichische Galerist Thaddaeus Ropac, der seine asiatische Dependance eigentlich in Hongkong eröffnen wollte, aber doch Südkorea den Vorzug gab. Eine echte, pulsierende Kunstkapitale, so betont er, brauche eben mehr als Größe oder Kaufkraft. „Es braucht eine komplexe Infrastruktur, beginnend mit bezahlbaren Ateliers und reifen Künstlern über Kunsthochschulen, Museen, Kuratoren, Kritiker und Sammler bis hin zu spezialisierten Journalisten. Seoul hat alles.“

Patrick Lee, Direktor der Premieren-Frieze von Seoul, stimmt zu: „Südkorea ist kein temporärer Modetrend, sondern wird jetzt einen bleibenden Impact in der Kunstszene haben!“ Sein Arbeitgeber, die Frieze Art Fair, sieht das ganz ähnlich – und bereitet schon ihre 2023er-Ausgabe vor.