Janu Tokyo: In bester Gesellschaft

Wer zum ersten Mal die Lobby des Janu in Tokio betritt, könnte für einen kurzen Moment meinen, in einem Aman-Hotel gelandet zu sein. Die langen Gänge, der massive Tresen aus schwarzem Granit und die reduzierte, fast schon meditative Ästhetik tragen eine vertraute Handschrift. Dass einem das minimalistische Design bekannt vorkommt, ist kein Zufall – es stammt von Jean-Michel Gathy, der bereits das Aman in Bangkok und das Aman in New York verantwortet hat. Doch eine Sache ist anders.
Janu ist die Schwestermarke von Aman
Während Aman-Hotels so gestaltet sind, dass man anderen Gästen kaum begegnet, fördert Janu die Geselligkeit. Die Hotelmarke, die als kleine Schwester der Aman-Gruppe positioniert wird, richtet sich an eine neue Generation von Reisenden, die eine Unterkunft nicht als Rückzugsort, sondern als sozialen Treffpunkt versteht. Das erste Hotel wurde 2024 in Tokio eröffnet, weitere Häuser sind in Dubai, Saudi-Arabien und Südkorea geplant. Für den ersten Standort der Marke hat man die Azabudai Hills im Zentrum von Tokio gewählt. Das neu geschaffene Luxus-Viertel wurde als „Stadt in der Stadt“ konzipiert und ist von zahlreichen Galerien, Grünflächen und Boutiquen gesäumt.
Mittags tragen die Japanerinnen ihre Einkaufstüten in den „Janu Mercato“, wo die lebhafte Atmosphäre eines italienischen Marktplatzes herrscht. An drei in Calacatta-Marmor gefassten Showküchen werden Antipasti, Fisch und Pasta zubereitet. Das Restaurant ist eines von insgesamt acht gastronomischen Angeboten des Hotels. Ein paar Stockwerke höher sitzen Gäste und Locals im „Hu Jing“ bei Dim Sum und Pekingente zusammen oder treffen sich nachmittags zum Afternoon-Tea in der „Janu Lounge”. Abends reserviert man am besten einen der 13 Plätze am Tresen des „Sumi“ Restaurants und beobachtet Chefkoch Hisaki Otsuka am traditionellen Sumibiyaki-Grill.



Wellnessbereich misst 4000 Quadratmeter

Neben den vielen Restaurants mit offener Küche gibt es weitere Angebote, die den Austausch zwischen den Gästen fördern, zum Beispiel Sake-Tastings und tägliche Sportkurse. Die ersten vier Stockwerke des Hotels „Spa“ zu nennen, käme einer Beleidigung gleich, handelt es sich doch um den größten Wellnessbereich der Stadt. Dass externe Gäste Mitgliedschaft zahlen, um ihn nutzen zu können, liegt nicht etwa an dem 25 Meter langen Pool oder den japanischen Badebereichen. Auf den 4000 Quadratmetern gibt es nicht nur ein Gym, sondern auch ein Yogastudio, ein Cycling-Studio, einen Boxring und einen Golfsimulator. Wer es privater mag, bucht eines der beiden Spa-Häuser, die mit einem Hamam und einer russischen Banja, sowie Behandlungsräumen für bis zu vier Personen ausgestattet sind.
Empfehlenswert ist etwa die „Janu Signature“-Behandlung, die Kupferstabstherapie, Lymphdrainage und Kopfhautmassage miteinander vereint. Das 90-minütige Treatment beginnt mit einem beruhigenden Shubatsu-Ritual, bei dem die Hände mit Sake und Salz gereinigt werden. Auch an anderen Stellen werden die japanischen Einflüsse spürbar: In der Lobby erinnert eine Installation aus Seilen an Shimenawa-Knoten, die heilige Orte markieren und sie vor Unglück schützen sollen. Die Sandsteinwände sind nach der kunstvollen Sakan-Technik verputzt und in den 122 Zimmern grenzen Shoji-Raumteiler aus handgeschöpftem Papier Schlafbereich und Bad voneinander ab.
Von der Suite blickt man auf den Tokyo Tower
Sehnt man sich zwischen all den Aktivitäten, Begegnungen und Erlebnissen doch nach Rückzug, ist man in der Janu Suite (ab 22.300 Euro pro Nacht) bestens aufgehoben. Die größte Suite der Stadt erstreckt sich über 284 Quadratmeter und bietet neben einem separaten Wohn-, Schlaf- und Arbeitsbereich auch zwei großzügige Balkone. Blickt man beim Einschlafen auf den leuchtend roten Tokyo Tower, wird einem klar, dass Luxus nicht immer leise sein muss. Manchmal kann er auch ausgelassen, mitreißend und überraschend sein – wie ein Gespräch zwischen zwei Fremden, die sich gerade erst an der Hotelbar kennengelernt haben.



