Diese Innovationen verändern den Luxusmarkt

Autonomes Fahren, nachhaltige Materialien und digitale Erlebnisse: Welche Trends den Erfolg von Luxusmarken in Zukunft prägen werden. 
Text Lukas Krombholz

Luxus bedeutet zeitlose Eleganz. Angefangen beim klassischen Chronometer am Handgelenk über Stoffe und Materialien, an denen sich schon Könige erfreuten, bis hin zu Sportwagen, deren voller Charme sich am Ende auch über ein fast schon vulgäres Leistungsangebot auszeichnet. Es ist das Gefühl, etwas Besonderes, etwas Rares eine kurze Zeit vom Leben geliehen zu haben, weil es möglicherweise einen selbst überlebt. Ein Uhrenhersteller wirbt sogar damit, man würde den Zeitmesser nie ganz besitzen, sondern bereits „für die kommende Generation bewahren.” Und doch steht die Zeit auch im Luxussegment nicht still – ganz im Gegenteil. 

Während einerseits technische Innovationen weiterhin ein „höher, schneller, besser” versprechen, treibt ein „so wie es ist, kann es nicht bleiben” den Diskurs aus der gesellschaftlichen Perspektive voran. Eine Definition von Luxus, die auf Kosten anderer basiert, kann sich keine Marke mehr leisten. Und das ist vor allem eines: spannend. Denn plötzlich bröckelt die Vormachtstellung etlicher Branchenriesen unter der globalen Konkurrenz – vom Auto bis zum Tech-Konzern. Neue Innovationstreiber finden da ihren Platz. Die Zeit steht nicht still. Im Gegenteil, der Wettlauf um ein besseres Höher und Schneller hat gerade erst begonnen.

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Neue Denkweisen

Der Genesis G90 ist an vielen Stellen anders gedacht: von der Fußmassage bis zur Aromatherapie, einem eingebauten Desinfektionsfach für beispiels­weise Handys bis zum eigens von Bang & Olufsen für das Modell entwickelten Soundsystem. Und dank eines 415 PS starken V6­-Motors kommt man auch zügig ans Ziel. Preis: ab 116.000 Euro.

Was bedeutet Luxus in der Bewegung? Bis zum autonomen Flugtaxi mag es weiterhin noch dauern, futuristisches Reisegefühl versprechen etliche Hersteller dennoch. Denn kaum ein Feld scheint so innovationsgetrieben wie die Mobilität. Wohl auch, weil sich über nichts so großartig träumen lässt wie über die Frage, wie man am schnellsten und bequemsten von A nach B kommt. Das Kopfkino beginnt beim autonomen Fahren und dann: fliegende Autos? Bemannte Marsmission? Beamen? Da scheint der Status quo doch nahezu langweilig, hieß es doch schon in den 1960er-Jahren, dass mit der Jahrtausendwende der Individualverkehr vornehmlich in der Luft stattfindet. Stattdessen warten viele noch immer vergebens auf einen Concorde-Nachfolger. Und dennoch, dank der sich weiterentwickelnden Elektromobilität entstehen immer neue Formen und Fahrzeuge. So sorgt die koreanische Automarke Genesis für Aufsehen, und ein Helikopter aus Großbritannien verspricht zwar kein elektrisches, dafür aber kinderleichtes und elegantes Fliegen. Denn wo Elektronik noch nicht im Antrieb zum Einsatz kommt, dient sie umso mehr der Vereinfachung. Simplifizierung und keine Denkverbote fördern kreative Produkte zutage. Also: Fasten your seatbelt!

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Neue Materialien

Wastea, das steht für waste from tea und ist eine innovative tierfreie Lederalternative. Als Rohstoff werden Produktionsabfälle verwendet, die beim Teeanbau in der Türkei anfallen. 

Noch immer machen Produktion und Verarbeitung einen großen Teil der Emissionen aus. Wer nachhaltige Alternativen bieten kann, trifft den Zeitgeist – die Luxusbranche hat hier ihre Verantwortung erkannt. Galt einst noch Ozeanplastik, aus dem Turnschuhe und Rucksäcke gleichermaßen gewebt wurden, als Rohstoff-Revolution, so ist man inzwischen weiter. Wo lange Zeit Upcycling anstelle von Recycling betrieben wurde, arbeiten Marken wie Stella McCartney inzwischen mit gänzlich neuen Materialien. Mylo, wie das von McCartney verwendete Nicht-Leder heißt, wird aus Pilzwurzeln hergestellt, Wastea verwendet hingegen Tee, und im neuen BMW i5 wird serienmäßig veganes Leder eingesetzt. Es gibt sogar Projekte, bei denen an echtem Schlangen- oder Krokodilleder aus dem Reagenzglas gearbeitet wird. Und auch im Bereich Wohnen sitzt, liegt und isst es sich immer häufiger gewohnt ungewohnt. Schöne neue Material-Welt.

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Digitale Prozesse

Im Gucci-Metaversum können NFTs und andere Web3-basierte Spielereien in einem multidirektionalen Erlebnis erkundet oder gekauft werden. 

Funktioniert Luxus auch digital oder doch nur haptisch? Diese Frage stellen sich inzwischen auch immer mehr Modemarken, allen voran Gucci, die ins Metaverse eingezogen ist. Dabei ist der Trend die konsequente Fortführung einer Entwicklung, in der besonders online kommuniziert und selbst Kunst in Form von NFTs gekauft und gesammelt wird. Gleichzeitig sehnen sich die Menschen nach mehr Einfachheit und einer Rückbesinnung aufs Wesentliche. Innovation bedeutet eben nicht immer noch mehr Komplexität. Etliche Marken, wie zum Beispiel Loro Piana – die mit ihren extrem dezenten wie hochwertigen Stücken gleich doppelt zeitgemäß ist – oder der Uhrenhersteller Panerai, nutzen die Blockchain-Technologie, um über den Herstellungsprozess zu informieren oder die Produktvergangenheit digital nachvollziehbar zu machen. Die Uhren bleiben in ihrem Kern dabei analog. Und das zeigt, dass es bei Luxus eben doch nie nur um Funktionalität geht, sondern darum, dass das Beste aus allen Welten zusammenkommt.