Gemballa Marsien: Von einem anderen Stern

Der Name Gemballa ist eng verknüpft mit der deutschen High-End-Tuning-Szene. Uwe Gemballa prägte das Bild veredelter Porsches von den 1980er- bis in die frühen 2000er-Jahre. Sein Sohn Marc Philipp geht nun eigene Wege und setzt mit dem Marsien (Französisch für „Marsianer“) ein Statement, das laut genug ist, um auch abseits profaner Tuning-Pfade gehört zu werden. Sein Ziel: nicht bloße Modifikation, sondern ein „holistisches Meisterwerk“ zu kreieren, das Design, Technik, Alltagstauglichkeit und Extremeinsatz in einem Fabrikat verbindet. Seine Premiere feierte die Studie des Marsien bereits 2021. In der Zwischenzeit brachte Porsche 2022 mit dem Dakar zwar selbst einen Offroad-Elfer auf den Markt, doch der Marsien spielt mit seinen Leistungsdaten nochmals in einer komplett anderen Liga.
Der Gemballa Marsien leistet 750 PS

Als Basismotorisierung dient ein 3,7-Liter-Boxer mit 650 PS aus dem Porsche Turbo S der Generation 992.1. Porsche-Tuner Ruf kalibrierte ihn neu: Die Standardvariante leistet nun 750 PS und 930 Newtonmeter Drehmoment. Optional existiert eine zweite Ausbaustufe mit bis zu 830 PS. In Tests wurde eine Beschleunigung im Basis-Trimm von 0–100 km/h in rund 2,6 Sekunden gemessen, mit einer Höchstgeschwindigkeit von ca. 335 km/h. Die Silhouette des Marsien bleibt klar und erkennbar ein Porsche 911. Gezeichnet hat ihn Exterieur-Designer Alan Derosier, der auch schon 2017 die Studie Porsche 908/04 Concept entwarf. Besonders das Heck mit dem durchgehenden Lichtband und dem charakteristischen Spoiler erinnert an den 959 Paris-Dakar von 1986. Groß dimensionierte Lufteinlässe an der Front und ein breiter Diffusor am Heck unterstreichen die Funktionalität. Die Vollcarbon-Karosserie wird von einem Spezialisten hergestellt, der auch für Formel-1-Teams tätig ist.
Auch technische Raffinessen der Königssportklasse finden im Marsien ihre Anwendung. So wird die heiße Luft des Kühlers mithilfe von sogenannten NACA-Kanälen und einer Hutze, die Teil der Motorhaube ist, über das Fahrzeug geführt. Der perlweiße Lack ist mit Metallflakes versetzt und zum Schutz mit einer Keramikschicht versiegelt. Auf Wunsch wird der Marsien auch blank ausgeliefert, sodass der Kunde das nackte Carbon als Teil der Ästhetik erleben kann. Das Fahrwerk wurde mit einer neu entwickelten Doppelquerlenker-Vorderachse mit intelligenter aktiver Dämpferregelung umfassend modifiziert.
Offroad-Supercar fährt über Sand und Felsen
Entscheidend ist das per Knopfdruck höhenverstellbare Fahrwerk: In der Standardkonfiguration beträgt die Bodenfreiheit etwa zwölf Zentimeter, im Offroad-Modus kann sie auf rund 25 Zentimeter angehoben werden. Damit ist der Marsien nicht nur ein Showobjekt, sondern kann tatsächlich im Gelände eingesetzt werden, von Sand über Felsen bis hin zu harten Offroad-Pisten. Ein Unterfahrschutz aus Aluminium ergänzt die Konstruktion. Der Marsien nutzt zwei Radsätze: einen Straßen-Satz für Asphaltbetrieb und einen Offroad-Satz mit grobstolligem Profil. Der Reifenluftdruck lässt sich über ein Bordkompressorsystem anpassen – wichtig etwa in der Wüste, wo niedriger Luftdruck die Traktion verbessert.
Dort rührt auch sein extravaganter Name her. „Marsien“ ist in Anlehnung an die arabische Al-Faya-Wüste gewählt, wo der Wagen erstmals getestet wurde. Sie erinnerte das Team an die Marsoberfläche. „Wir haben uns gefühlt, als wären wir in einem ganz anderen Universum“, sagt Marc Philipp Gemballa. Im Wüstensand entfaltet das „Projekt Sandbox“, so der vormalige Arbeitstitel des Autos, auch seine volle Magie. Mit herabgesetztem Luftdruck, angehobener Bodenfreiheit und mit Vollgas über die Dünen fährt sich der Wagen wie eine kinetische Skulptur, ein perfektes Zusammenspiel aus Kraft, Technik und Bodenhaftung. 495.000 Euro kostet der Über-Porsche für überall. Die gebauten 40 Exemplare sind allerdings bereits ausverkauft.
