Eine Uhr für 4 Millionen Euro

Gemeinsam mit der Manufaktur De Bethune entwarf Louis Vuitton eine seltene Uhr aus Titan und unterstreicht damit Jean Arnaults ambitionierte Pläne für die Uhrensparte der Maison.
Text Thor Svaboe
Die LVDB-03 GMT Louis Varius vereint die gestalterischen Codes beider Marken.

Unter der Leitung von Jean Arnault hat sich der uhrmacherische Fokus in der Manufaktur „La Fabrique du Temps” spürbar gewandelt. Louis Vuitton orientiert sich heute stärker an der Haute Horlogerie und öffnet sich dabei bewusst für die kreative Freiheit unabhängiger Uhrmacher außerhalb des LVMH-Konzerns. Sichtbar wird dieses Engagement vor allem durch den „Louis Vuitton Watch Prize”, der unabhängige Kreative würdigt. In diesem Zuge initiierte Arnault eine Serie exklusiver Partnerschaften: Den Auftakt machte 2023 der gemeinsam mit Rexhep Rexhepi (Akrivia) entwickelte „LVRR-01 Chronographe à Sonnerie", gefolgt von der „LVKV-02 GMR”, die in Zusammenarbeit mit Kari Voutilainen entstand. Der jüngste Coup ist eine Kooperation mit De Bethune, die im Februar 2026 in Tokio enthüllt wurde.

Die Uhr ist auf zwölf Exemplare limitiert

Auf dem Zifferblatt verstecken sich die „LV“-Initialen in einem Sternenhimmel.

Das Louis Vuitton × De Bethune LVDB-03 Louis Varius Projekt zeigt, welche Synergien entstehen, wenn ein Luxuskonzern mit einer kleinen, hochspezialisierten Manufaktur zusammenarbeitet. Für beide Marken ist die Kooperation ein Gewinn: Louis Vuitton gewinnt bei ernsthaften Sammlern eine uhrmacherische Kredibilität, die einem primär als Modehaus wahrgenommenen Akteur sonst oft verwehrt bleibt. Im Gegenzug profitiert die unabhängige Manufaktur De Bethune von Ressourcen, die es erlauben, selbst kühnste Entwürfe ohne die üblichen Hürden der Serienproduktion umzusetzen. Jean Arnault beweist damit ein weiteres Mal sein Verständnis für die eher nischenhaften Bereiche des Uhrensammelns.

Die LVDB-03 GMT Louis Varius ist eine spielerische Neuinterpretation der „Starry Varius“-Kollektion von De Bethune und insgesamt auf zwölf Exemplare limitiert. Zwei der Armbanduhren werden in einem Set mit einer außergewöhnlichen, handgefertigten Tischuhr angeboten (aber dazu später mehr). Als Basis dient ein 45 x 14 Millimeter dickes Taiko-Gehäuse, das das Tambour-Design der Akrivia-Kollaboration aufgreift. Wie es für De Bethune typisch ist, wurde es aus gebläutem Titan gefertigt und verfügt über kunstvoll geschwungene Platin-Anstöße. Trotz seiner markanten Größe bietet das Gehäuse den perfekten Rahmen für das hochkomplexe Zifferblatt, auf dem die Markenidentitäten beider Häuser meisterhaft ineinandergreifen.

Das Gehäuse zitiert das Tambour-Design

Zwei der Armbanduhren werden in einem Set mit einer Tischuhr angeboten – zu einem Preis von 4 Millionen Euro.

Während der Zifferblattring mit seinem tiefblauen Muster und den modernen Ziffern die DNA der „Tambour“-Linie von Louis Vuitton zitiert, offenbart das Zentrum das fantastische Universum von De Bethune. Hier zeigt sich ein tiefblauer Nachthimmel mit Details aus Weiß- und Blattgold, in dessen Sternenbild sich bei genauem Hinsehen die „LV“-Initialen verbergen. Komplettiert wird dieses uhrmacherische Kunstwerk durch eine raffinierte 24-Stunden-GMT-Skala mit Tag-Nacht-Anzeige in Roségold und Blau sowie eine Kalenderkomplikation.

Im Inneren des markanten, trommelförmigen Gehäuses verbirgt sich eine Komplexität auf mehreren Ebenen. Herzstück der LVDB-03 ist das Handaufzugskaliber DB2507LV von De Bethune – ein mit 4 Hz schlagendes Meisterwerk aus 404 Einzelteilen. Die Ästhetik des Werks wird von den futuristischen, fast raumschiffartigen Brücken geprägt, die in spannendem Kontrast zu einem groß dimensionierten Unruhrad stehen. Technisch lässt das Werk keine Wünsche offen: Eine Gangreserve von satten fünf Tagen, eine Unruh aus Titan, ein Ankerrad aus Silizium sowie ein dreifaches Stoßsicherungssystem unterstreichen den avantgardistischen Anspruch.

Louis Vuitton baut erstmals Sympathique-Uhr

Käufer bekommen die Uhren in einem maßgefertigten Louis-Vuitton-Koffer aus Titan.

Das Besondere an dieser speziellen „LV“-Variante des Werks ist jedoch die Kopplung an die dazugehörige Tischuhr. Obwohl nur zwei Exemplare davon gefertigt werden, verfügen alle zwölf limitierten Armbanduhren über die sogenannte „Sympathique“-Funktion. Dieses Konzept geht auf eine Erfindung von Abraham-Louis Breguet aus dem Jahr 1795 zurück: Eine präzise Hauptuhr dient dabei als Basis, um eine tragbare Taschenuhr – in diesem Fall die Armbanduhr – automatisch zu synchronisieren und zu regulieren, sobald sie in eine spezielle Halterung eingesetzt wird. Die LVDB-003 Sympathique Louis Varius besteht aus Titan, Meteoritengestein und Roségold. Mit einem Gewicht von rund zehn Kilogramm und stattlichen Maßen ist sie gleichermaßen mechanisches Wunderwerk wie skulpturale Kunst. Besonders faszinierend ist der Mittelteil der Uhr, der als animiertes Kunstwerk des belgischen Künstlers François Schuiten gestaltet wurde.

Inspiriert von den Dioramen des frühen 19. Jahrhunderts erschuf Schuiten drei Miniaturlandschaften, die den Entdeckergeist von Louis Vuitton zum Ausdruck bringen: Ein Dampfzug, Heißluftballons über der afrikanischen Savanne und Sherpas, die steile Gipfel erklimmen. Diese handgravierten Szenen, kunstvoll umgesetzt vom Graveur Rothen, umschließen das Uhrwerk und rotieren langsam auf Ringen aus 5N-Roségold. Unter der gläsernen Kuppel der Tischuhr befindet sich die eigentliche Bühne für die LVDB-03 GMT: Eine spezielle Halterung dient als mechanische Schnittstelle für die „Sympathique“-Funktion. Wie von Geisterhand wird die Armbanduhr hier nicht nur aufgezogen, sondern auch präzise eingestellt. Dabei gleicht die Tischuhr Abweichungen der Krone von bis zu +/- 7 Minuten aus – ein Verweis auf die jahrhundertealte Handwerkskunst der Chronometrie.

Alle Uhren werden im Titankoffer geliefert

Die Tischuhr selbst ist ein technisches Schwergewicht aus 760 Einzelteilen. Mit einer gemächlichen Frequenz von 2,5 Hz und einer beeindruckenden Gangreserve von elf Tagen verkörpert sie mechanische Beständigkeit. Aufgezogen wird sie mit einem Titanschlüssel; für eine absolut gleichmäßige Kraftübertragung sorgt dabei ein Remontoir d’égalité, ein klassischer Konstantkraft-Mechanismus. Zehn Exemplare der LVDB-03 GMT Louis Varius werden zu einem Einzelpreis von 375.000 Euro angeboten. Die verbleibenden zwei Zeitmesser bilden zusammen mit der LVDB-003 Sympathique jeweils ein streng limitiertes Set zum Preis von 4 Millionen Euro. Ausgeliefert werden die Uhren in maßgefertigten Louis-Vuitton-Koffern aus Titan, deren Ecken im charakteristischen Blau von De Bethune gehalten sind.