Der Mann, der Audemars Piguet erfolgreich macht

François-Henry Bennahmias hat es geschafft, aus Audemars Piguet eine der begehrtesten Uhrenmarken der Welt zu machen. Unter seiner Leitung hat sich der Umsatz der Uhrenfirma vervierfacht. Wie erklärt sich sein Erfolg?
By Percy C. Schoeler
François-Henry Bennahmias
François-Henry Bennahmias

Die Modelle von Audemars Piguet, allen voran die klassische Royal Oak, deren 50-jähriges Jubiläum man letztes Jahr mit einer ganzen Geburtstagskollektion zelebrierte, sind extrem gesucht, die Sekundärmarktpreise übertreffen die Katalogpreise teils um ein Vielfaches. Dabei baut man die Produktion immer weiter aus. Wo einst 30.000 Uhren pro Jahr gefertigt wurden, liegt man 2022 bei 50.000 Uhren. 

Ein Erweiterungsgebäude, das 2025 in Dienst gestellt werden soll, wird die Kapazität sogar auf theoretische 80.000 Uhren erhöhen. Ein nicht unerheblicher Teil ist dabei für die 2019 vorgestellte Uhrenlinie Code 11.59 reserviert. Schon im Jahr 2023 sollen deren Stückzahlen jene aller jemals gefertigten anderen klassischen Linien übertreffen. Kernprodukt bleibt jedoch auch in den kommenden Jahren die Royal Oak.

Bennahmias setzt auf neues Store-Konzept

Bennahmias aber geht behutsam vor, überwacht den schmalen Grat zwischen Angebot und Nachfrage sorgfältig. So sollen die Stückzahlen lediglich um drei bis fünf Prozent pro Jahr gesteigert werden. Trotz geringer Stückzahlen vervierfachte Bennahmias in den zehn Jahren seiner Amtszeit den Umsatz. 2021 lag dieser laut der Studie von Luxe-Consult und Morgan Stanley bei 1,58 Mrd. Euro und war damit, bei 45.000 verkauften Einheiten, der viertgrößte aller Schweizer Uhrenmarken. Maßgeblichen Anteil daran haben die radikale Straffung des Händlernetzes und die Fokussierung auf eigene AP-Verkaufspunkte, wodurch die Händlermarge im Unternehmen verbleibt.

Neben klassischen Boutique-Konzepten setzt Bennahmias auf sogenannte AP Houses, Verkaufspunkte, die Privatclubs ähneln und in denen Freunde des Hauses zusammenkommen. Der einstigen Vision der Firmengründer, die Endkunden ihrer Produkte zu kennen, kam die Manufaktur jedenfalls noch nie so nahe wie unter der Leitung von François-Henry Bennahmias. Ende 2023 wird der 58-Jährige AP nach über 30 Jahren verlassen. Man darf gespannt sein, wo seine nächste Herausforderung liegen wird.