Designer-Interview Armani Hotel Dubai

Giorgio Armani

Dem Imperium geht es so gut wie dem Teint des Maestro. Von Altersmüdigkeit ist nichts zu spüren, im Gegenteil: In einer wahrhaft großen italienischen Familie mit einem guten Dutzend Markenlinien steht auch Armani/Casa mittlerweile wie ein Monolith des verlässlichen Stils in einer immer unverlässlicheren Welt. Für Giorgio Ar- mani ist ein Zuhause ein perfekter Schutzraum, eine Enklave der Entspannung, umgeben von harmonischen Formen und Farben, um so die eigene innere Ruhe zu nähren. Projekte von Armani/Casa sind gerade in Tel Aviv und London fertiggestellt worden, 2018 folgen Luxusresidenzen in Peking. Armani/Casa ist in mehr als 40 Ländern vertreten. Und der Padrone zeichnet immer noch wie ein Derwisch. 

Signore Armani, Sie sind ja ein wahrhafter Meister im Zeichnen. Wo haben Sie das gelernt?

Tatsächlich ging ich nie auf eine Kunsthochschule oder so, wie man das heutzutage macht. Und ich wusste auch nicht, wie man zeichnet. Nur die üblichen Kunst- und Zeichenstunden am Gymnasium. Ich musste lernen, wie man Kleider für männliche und weibliche Silhouetten zeichnet, und improvisierte mit einer Methode, die ich mir erst zu eigen machen musste. Ich übte an den Skizzen von Yves Saint Laurent, vor allem an jenen, die lebendig und originell waren. Ich lernte an YSL und seinen Modellen, wie man zeichnet.

Wie viel zeichnen Sie jeden Tag?

Meine Tage sind lang, und ganz oft mache ich schnell ein paar Skizzen zwischendurch, entweder geht es um Kleider oder um ein anderes Projekt. Es ist eine gute und einfache Methode, um sich Notizen zu machen. Es übermittelt meinen Mitarbeitern sehr e zient, wie ich die Dinge sehe, was ich will und wie ich es will.

Wie lange dauert es, bis Sie abgeben, bis Sie mit einer Ihrer Skizzen zufrieden sind?

Ich halte mich nicht stundenlang mit einer Zeichnung auf, es ist ein Mittel zum Zweck. Meine Skizzen sind oft nur eine Richtschnur, um meinen Standpunkt deutlich zu machen und zu zeigen, wie ich die Dinge erledigt haben möchte.

„Mit Einrichtungen ist es wie mit allen anderen Dingen – weniger ist meistens mehr.“

- Giorgio Armani

Was für ein Papier und welche Stifte benutzen Sie?

Ein weißes Papier und einen weichen Stift.

Welchen Architekten bewundern Sie und warum?

Ich bewundere eine ganze Reihe von Architekten und alle eint: Sie haben stets eine starke Vision. Tadao Ando zum Beispiel, der unsere Mailänder Firmenzentrale, das Armani/Teatro, entwarf, ist einzigartig in seiner Fähigkeit, schwere Materialien wie Stahl oder Zement in etwas Aufregendes und Poetisches zu übersetzen. Oder Daniel Libeskind, mit dem ich für den Century Spire (ein 60-Stockwerke-Hochhaus im philippinischen Makati) zusammenarbeitete. Meine anderen großen Referenzpunkte sind: Frank Lloyd Wright, aufgrund seiner Genialität, mit der er seine Projekte in die Landschaft und in ihre natürliche Umgebung einfügte. Le Corbusier natürlich, der mich mit seiner puristischen Architektur und der Symbolkraft seiner Gebäude noch immer fasziniert. Und natürlich der Möbeldesigner Jean-Michel Frank, dessen Stil auch das Dekor meines Zuhauses in Mailand reflektiert.

Sie stellen gerade ein Projekt in Peking fertig. Es gibt den chinesischen Ansatz einer Harmonie zwischen menschlichem Sein und der Erde. Wie haben Sie das bei den Smart-Hero-Luxusresidenzen umgesetzt?

Ich fühlte, dass es wichtig für mich war, zur Entwicklung Pekings beizutragen, eine der dynamischsten, sich stetig verändernden Metropolen. Das chinesische Konzept einer Harmonie zwischen Mensch und Erde ähnelt sehr dem, was ich als ästhetische Philosophie für Armani/Casa entwickelt habe, denn ich suche dafür immer nach einer Balance in den Lebensräumen, die ich kreiere und die auch die natürliche Umgebung zu respektieren haben. Das Smart-Hero-Projekt in Peking erlaubte mir, meine Ästhetik mit natürlichen Formen und Materialien zu kombinieren.

Das neue Gebäude von Armani/Casa am Corso Venezia in Mailand wirkt wie ein Monolith mit sehr großen Galeriefenstern, ein Monument Ihres Stils.

Mit dem Armani/Casa-Palazzo wollte ich ein Gefühl des Zu-Hause-Seins vermitteln, das nicht nur auf Ratio- nalität und Design basiert, sondern vor allem auf Emotionen. Aber es soll auch ein Gefühl des Komforts und der Gelassenheit demonstrieren, das aus dem Zusammentreffen verschiedener Kulturen entsteht. Licht ist auch ein fundamentales Stilmittel, da es einem Raum seine Seele und Leichtigkeit gibt. In der Boutique von Armani/Casa befördert natürliches Licht die Materialien und schafft so eine warme Umgebung.

Gibt es einen Prototyp eines Armani/Casa-Hauses, und wenn ja, welchen Regeln folgt er?

Es gibt keinen Prototyp, nur ein paar Regeln, die sich an meiner Lebensphilosophie orientieren. Ein gutes Gefühl für Raum, eine harmonische Farbpalette und ein sanftes Licht, das Ruhe und Entspannung befördert.

Was würden Sie empfehlen, wenn ein Paar gegensätzliche Vorstellungen von der gemeinsamen Einrichtung hat?

Am besten ndet man etwas, auf das sich beide einigen können. Also würde ich vorschlagen, dass beide ihre Ideen auf den Tischen legen: Bei Einrichtungen – wie bei allen Dingen – ist weniger meistens mehr. 

„Luxus ist immer ein Fußabdruck verschiedener Kulturen.“

- Giorgio Armani

Stoffe, aus dem Träume sind: Welche Rolle spielen Stoffe in Ihren Interior-Designs?

Jedes einzelne Element spielt seine gewichtige Rolle. Wenn nur eines nicht stimmt, dann kippt die Balance, und der ästhetische E ekt wirkt erschütternd. Genau deshalb habe ich Sto en in der Armani/Casa-Kollektion viel Platz eingeräumt, aber immer mit dem Ziel, eine feine Balance zwischen Natürlichkeit und Ra nesse zu halten. Um dieses Ergebnis zu bekommen, habe ich sehr eng mit Experten zusammengearbeitet, und über die letzten Jahre hatte ich auch die Möglichkeit, alte Hand- arbeitstechniken, ob für Sto e oder Teppiche, neu für mich zu entdecken.

Das Weiße Haus könnte eine Neudekoration gebrauchen – wie würden Sie es ausstatten?

Ich würde keine Armani-Neuausstattung vorschlagen, da ich es unangebracht fände. Das Weiße Haus ist ein Zuhause, ja, aber vor allem anderen ist es ein Symbol und das politische Epizentrum einer ganzen Nation. Warum also sein Wesen ändern?

Was bedeutet Luxus für Sie?

Für mich ist Luxus die harmonievolle Kombination von Eleganz, Einzigartigkeit und Echos aus unterschiedlichen Welten – ein Fußabdruck aller Kulturen. Er sollte eine gewisse Nüchternheit ausdrücken, die nie die Geschmacklichkeit der feinsten Materialien aufgibt und sie durch die Reinheit der Linien unterstreicht.

Wo findet man diese „harmonievolle Kombination“ am eindrücklichsten auf der Welt?

Ich werde nie müde von der ruhigen Atmosphäre Asiens und auch nicht von den sich rasant ausbreitenden Metropolen, die voller Dynamik und Energie sind.

Nennen Sie uns doch drei Orte, an denen Sie sich wohlfühlen.

Unter der Sonne auf der Insel Pantelleria vor Sizilien, auf Antigua und natürlich in Mailand.

Wo fühlt sich Giorgio Armani zu Hause?

In meinen Häusern – und nicht nur in dem in Mailand. Denn für mich bedeutet „sich heimisch zu fühlen“, eine Empfindung aus Wärme und Ruhe zu spüren, das Gefühl, dass sowohl der Körper wie der Geist ein Obdach haben.

Was würden wir sehen, wenn wir Sie bäten, Ihre heutige Stimmung aufzuzeichnen?

Ich würde einen Schubkasten mit vielen Fächern zeichnen, in denen all die Projekte und Ideen ruhen, die ich noch zum Leben erwecken möchte.

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Autor:
Ralf Eibl