Privatjets der Extraklasse

Jetzt kommen die Luxusjets, die das Reisen in der Luft zu einem angenehmen und komfortablen Wohn- und Arbeitsbereich gestalten.
By Mary Grady
Privatjet VIP Lounge
VIP Lounge im Privatjet

Luxus-Ausstattung im Privatjet

Der Job eines Flugzeugbauers erfordert eine hohe Vielfalt an Kreativität. Sie sind ständig bestrebt, Flugzeuge mit leistungsfähigeren Motoren zu entwickeln, damit immer größere Entfernungen zurückgelegt werden können. Die Firmen, die auf maßgeschneidertes Kabinendesign spezialisiert sind, stehen im stetigen Wettbewerb miteinander, die effizientesten, attraktivsten und bequemsten Kabinen für ihre Kunden zu konzipieren. Die Designer, Ingenieure und Spezialisten vom Kundenservice arbeiten mit ihnen zusammen, um alle ihre Anforderungen für einen Wohnbereich erfüllen zu können. Dies ermöglicht Ihnen während des Fluges, Geschäfte zu tätigen oder sich einfach nur zu entspannen.

Privatjet Boeing 787-9 Dreamliner
Privatjet Boeing 787-9 Dreamliner, VIP Master Suite

Die Anbieter können einen fabrikneuen Jet, ohne Innenausstattung, direkt von der Fertigung oder einen älteren Jet, der reif ist für eine neue Ausstattung aus- und umrüsten. Sie entwerfen ein Kabinendesign, dass die leichtesten Materialien beim Einbau verwendet und den begrenzten Kabinenraum bestmöglich nutzt. Dabei müssen die Anbieter den internationalen Luftfahrtstandards nachkommen, um sicher stellen zu können, dass ihre Konstruktionen und Materialien sicher und funktionsgerecht sind, selbst wenn der Jet Geschwindigkeiten von 885 km/h und eine Flughöhe von über 12.000 Meter erreicht.

Innenraum Boeing-787-Dreamliner
Innenausstattung der Boeing-787 Dreamliner

Jede freie Fläche im Privatjet wird genutzt

Eine Gewicht sparende Bauweise ist unerlässlich. Jeden Gramm, den man bei der Innenausstattung einsparen kann, erlaubt eine höhere Kraftstoffkapazität, welche die Reichweite des Flugzeugs erhöht. Die Gewichtseinsparung reduziert auch den Kraftstoffverbrauch, welcher wiederum die Betriebskosten reduziert. Laut einer Schätzung von Colin Sirett, Leiter der Forschung und Technologie für Airbus in Großbritannien, die er an die BBC abgab, kann ein zusätzliches Kilo ungefähr 900 Millionen Euro an zusätzlichen Betriebskosten im Laufe der gesamten Nutzungsdauer eines Flugzeuges erzeugen. Obwohl sich Colin Sirett bei seiner Aussage auf Passagierflugzeuge bezog, wissen die Anbieter für maßgeschneidertes Kabinendesign, dass jedes Pfund für einen Business-Jet von Wichtigkeit ist. „Wir haben festgestellt, dass wir eine bessere Schalldämmung erreichen können, wenn wir die Materialien besser schichten und staffeln“ berichtet Daron Dryer, der stellvertretende Direktor der Ingenieursabteilung von Comlux America, eine Firma mit Standort in Indianapolis, die VIP-Kabinen in großen Passagierflugzeugen von Boeing, Airbus und anderen Herstellern ausrüstet oder umbaut.

Die Anbieter des Kabinendesigns halten auch Schritt mit der neusten Technologie. Sie integrieren diese in den Kabinendesigns. Auf diese Weise können sie den Erwartungen der Besitzer von Luxusjets und Charterflugzeugen entgegenkommen, die einige der anfallenden Eigentumskosten ausgleichen können. „Wenn man zu seinem Flugzeug in einem modernen Auto gebracht wird, dann will man keinen Rückschritt machen, wenn man in sein Flugzeug steigt“ „Wir müssen die ganze moderne Technologie, all die benutzerfreundlichen Oberflächen, welche die Kunden in ihren Luxusfahrzeugen erwarten, einbauen und sogar noch übertreffen.“ 

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Innenraum des Boeing Dreamliner Privatjets

Multifunktionale Innenausstattung vor Privatjets

Weiterhin sagt er, dass neue Materialien und Produkte auch ganz neue Möglichkeiten für eine multifunktionale Innenausstattung im Privatjet eröffnen. „Die Bauteile der Bordküche, wie z.B. Kaffee- und Espressomaschinen und selbst Kochflächen werden immer leichter und zugleich ästhetisch ansprechender“ sagt Dryer. „Vorher mussten wir sie hinter Raumteilern und Trennwänden verstecken; jetzt sind wir in der Lage, sie in das Kabinendesign zu integrieren. Somit kann man denselben Raum zum Essen, Arbeiten oder für gesellschaftliche Zwecke nutzen. Diese neuen Einbauteile gestalten einen offenen und modernen Raum mit einigen größeren Flächen anstelle von vielen kleineren Räumen.

Comlux gehört zu den Firmen, die den Trend für den neuartigen Einsatz von Bildschirmen mit organischen Leuchtdioden (OLED), die z.B. bei Fernsehern verwendet wird, voraussehen. Kabinendesign-Anbieter sind in der Lage, große simulierte Fenster zu bauen, die einem den Eindruck vermitteln, dass man durch den Flugzeugrumpf in den Himmel schaut. Derzeit werden sie für weltliche Zwecke genutzt. „Die Bildschirme sind so dünn, dass man sie auf einer Oberfläche anwenden kann, um einen Touchscreen zu entwerfen oder ein Kunstwerk darauf zu projizieren“ so Dryer.

Kohlefaser und andere Verbundwerkstoffe ermöglichen es Ingenieuren, die an der Boeing 787 Dreamliner und dem Airbus A350 gearbeitet haben, das Flugzeuggewicht bei gleichzeitiger struktureller Stärkung zu minimieren. Diese Materialien werden jetzt immer begehrter für das Kabinendesign. Flying Colours Corp. ist eine Firma mit Hauptsitz in Ontario, die Flugzeuge und Kabinen instand hält, modernisiert, ausrüstet und umbaut. Letztes Jahr haben sie eine überwiegend aus Kohlefaser konstruierte Kabine für einen Kunden eines Bombardier Challenger 850 gebaut. Laut der Firma hat der Kunde die Materialien aus rein ästhetischen Gründen gewählt, um das Furnierholz der Tische, der Bordküche und der Trenn- und Seitenwände mit schwarzen und grauen Akzentfarben auszuwechseln.

„Wir haben viele Anfragen für leichtgewichtige Bodenbelege in vielfältigen Farben aus echtem Granit“ bestätigt Kate Ahrens, die stellvertretende Leiterin der Designabteilung bei Flying Colours. Andere Designtrends schließen die Verwendung von leuchtenden Farben für Lederpolster und Teppiche mit ein. Im Trend liegt hochglänzender Lederbezug, sagt Ahrens. „Kunden wollen bei ihrer Sitzgestaltung und Lederauswahl meistens etwas Neues wagen.“

Flying Colours hat sein erstes maßgeschneidertes Kabinendesign für einen Sikorsky S-92 Helikopter für neun Passagiere eingebaut. Das Kabinendesign verfügt über einen leichtgewichtigen Granit-Bodenbelag, weiße Ledersitze mit grellblauen Einsätzen aus Krokodilhaut und einer Verkleidung aus Holzfurnier mit hochglänzender Verarbeitung.

Privatjet-Design aus dem 3D-Drucker

Die dreidimensionale Drucktechnik hat die Grenzen des Kabinendesigns erweitert. Greenpoint Technologies, eine Firma mit Sitz in Kirkland, Washington, die sich auf das Design und die Anfertigung von Innenausstattungen für Boeing Business-Jets spezialisiert hat, übernahm diese Technologie.Für die Anfertigung diverser Teile entwerfen die Ingenieure von Greenpoint 3D-Modelle auf dem Computer und exportieren diese dann direkt zum 3D-Drucker. Dieser Vorgang ist besonders praktisch — und kostengünstig —, um maßgeschneiderte Kabinenteile mit komplexen Konstruktionen zu entwerfen. Die begehrtesten Komponenten von Greenpoint Kunden sind leichtgewichtige Steinfurniere, Hartholzböden, über elektrische Sensoren gesteuerte Türen und Wände, die aus digitalen OLED-Bildschirmen bestehen, ähnlich wie jene, die Comlux als virtuelle Panoramafenster in Kabinen vorsieht. "Im Grunde versuchen wir dem Kunden denselben Lebensstil im Flugzeug zu bieten, den sie auch am Boden hätten“ sagt Dryer von Comlux, “und sie sollten auf nichts verzichten, nur weil sie gerade in einem Jet unterwegs sind.“

Die Privatjets der Stars

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Innenraum des Boeing Dreamliner Privatjets

Luftfahrt mit Frank Sinatra

Am Anfang der Jetztzeit rechneten Bill Lear und andere Flugzeugbauer mit der Unterstützung von Prominenten — nicht nur für ihre Produkte, sondern auch für den Lebensstil, der mit dem Besitz eines Jets assoziiert wird. Frank Sinatra wurde vor 50 Jahren, 1965, zu einen der frühen Anwender, als ihm einer der ersten Exemplare des Learjets 23 geliefert wurde. Er benannte es nach seiner jüngsten Tochter, Christina II. Eine Woche nach dem Erhalt seines Flugzeugs flog Sinatra zum Newport Jazz Festival, wo er seine Karriere als Sänger wiederbelebte.

Nach heutigen Maßstäben hatte das Learjet 23 nicht viel Platz: es gab nur zwei Ledersitze im hinteren Bereich, einen Sitz an der Backbordseite in der Nähe der Türöffnung, einen Diwan für drei bis vier Personen auf der Steuerbordseite und in Sinatras Flugzeug einen ausklappbaren Spieltisch. Sein Learjet enthielt auch einen Spirituosenschrank, dessen Inhalt Sinatra zur Überwindung seiner Flugangst half. Sinatras Butler, ein ehemaliger Marineoffizier, musste vor jedem Flug jeden Flughafen auf der geplanten Strecke anrufen, um die Wettervorhersage noch einmal zu überprüfen.

Der eigentliche Reiz für Sinatra und seine Rat-Pack-Freunde bestand darin, dass sie schnell zwischen Los Angeles, Las Vegas und Sinatras Domizil in Palm Springs transportiert werden konnten. Mit Höchstgeschwindigkeiten von mehr als 800 km/h ermöglichte der Jet übereilte Abfahrten. Diese erwiesen sich als nützlich, vor allem als Sinatra und Dean Martin in Handgreiflichkeiten mit anderen Gästen der Polo Lounge in Beverly Hills verwickelt waren, während dort eine Geburtstagsfeier für Martin statt fand. Als das Flugzeug sie am nächsten Morgen auf einem naheliegenden Flughafen abholte, hatte Martin ein blaues Auge und Blut auf seinem Hemd und Sinatra trug eine provisorische Armschlinge. Ganz gleich. In nur wenigen Minuten waren sie auf und davon in Richtung eines anderen Bundesstaates, wo sie die neueste Nachrichtensendung abwarteten und ihre Verletzungen weitab vom Medienrummel ausheilen ließen.

Sinatra und Mia Farrow flogen in diesem Jet auf Hochzeitsreise nach Südfrankreich. Er lieh Elvis Presley den Jet, als er mit Priscilla durchbrannte. Marlon Brando und Sammy Davis Jr. flogen damit nach Mississippi, um am Protestmarsch der Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King Jr. teilzunehmen und Dean Martin liebte es, damit zu Filmkulissen zu fliegen. Sinatra verkaufte den Learjet 1967 und kaufte dann einen Gulfstream II-Jet.

Luxus-Privatjet von Elvis Presley

Elvis war vom Reisen im Privatjet so beeindruckt, dass er sich selbst zwei Jets zulegte. Als erstes kaufte er sich einen Corvair 880-Jet, ein Schmalrumpfflugzeug, welches er 1975, also vor über 40 Jahren, erwarb. Er bezahlte 225.000 Euro dafür und gab dann noch weitere 315.000 Euro aus, um das Interieur nach seinen Wünschen ausstatten zu lassen. Nach Beendigung der Ausstattung verfügte es über eine Lounge im vorderen Bereich mit Sitzgruppe und Diwan, einen Konferenzraum und Essbereich mit eigenem Erfrischungscenter, ein Schlafzimmer mit französischem Bett und Privatbad mit vergoldeten Wasserhähnen im Waschbecken. Die Videoanlage des Jets war mit vier Bildschirmen verbunden und die Audioanlage bestand aus 50 Lautsprechern. Wie Sinatra benannte Elvis sein Flugzeug nach seiner Tochter und taufte es Lisa Marie.

Kurz nach dem Kauf des Corvair-Jets erwarb er den Lockheed Jetstar für 812.000 Euro, den er benutzte, während er auf den Abschluss der Arbeiten an der Lisa Marie wartete. Die Innenausstattung des Flugzeugs mit dem Namen Hound Dog II war weitaus konservativer. Es stellte 10 Passagiersitzplätze bereit, die im vorderen Bereich in einer Vierersitzgruppe angeordnet waren. Im hinteren Bereich war es mit einem Diwan und zwei großen Sesseln ausgestattet.

Lisa Marie machte seinen letzten Passagierflug im August 1977, als der Schauspieler George Hamilton, Priscilla Presley und Presleys Tochter Lisa Marie von Kalifornien nach Memphis zur Beerdigung von Elvis flogen.

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