Range Rover Electric: Das kann der Elektro-SUV

Dieses Auto geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich bin kein „Petrol Head“, kein „Car Guy“, keiner, dem Autos die Welt bedeuten. Dabei habe ich viele besondere Autos gefahren, bin in Luxuslimousinen und Supersportwagen gesessen, habe mich mit Prototypen und Concept Cars beschäftigt, habe selber ein paar spezielle Autos besessen, habe den Glanz in den Augen der Entwickler und Designer gesehen, wenn sie von ihrem „Baby“ gesprochen haben. Manches Modell hat mich fasziniert, manches enttäuscht, viele haben mich gelangweilt. Ich mag Autos und bin immer ein bisschen aufgeregt, wenn ich in eines steigen kann, das ich noch nicht kenne. Ob klein oder groß, ob teuer oder günstig: ich bin immer neugierig darauf, was mich erwartet. Aber nie mit der Haltung übersättigter Vielreisender, denen nie ein Strand schön genug ist, weil sie doch „damals an jenem noch aufregenderen Strand mit dem wirklich allerallerallerfeinsten weißen Sand“ waren.
Eine Testfahrt im ersten Range Rover von 1970

Wenige, ganz wenige Autos haben sich auf dieser langen Reise nicht nur in meinen Kopf geschlichen, sondern darin auch ein Eckchen gefunden, in dem sie für immer bleiben konnten. So ein Erinnerungs-Eckchen besetzt der Moment, als ich das erste Mal einen Range Rover sah: diese nie zuvor gesehene, schnurgerade, flache Motorhaube. Eine Verheißung der Zukunft, konsequent, grafisch, schnörkellos. Eine Skulptur. Ein Statement. Leider für mich damals unbezahlbar. Aber eines Tages …
Jetzt steht er da, in seinem extravaganten Siebzigerjahre-Blau. Und ich hinterm Steuer. Der erste Range Rover aller Zeiten. Das Fahrzeug, das damals Held des Promotion-Videos war. Range Rover hat es aus dem Museum geholt. Wieder zum Fahren gebracht. Nicht museal totrestauriert. Ein Auto, das vieles gesehen und erlebt hat. Ich drehe eine Runde auf einer Schotterstraße. Nicht wirklich offroad, aber immerhin. Es ist ein Genuss. Handschaltung, natürlich. Ein Rechtslenker. Vorsichtig schalte ich hoch, gar nicht so einfach, den nächsten Gang zu finden, wenn man es gewohnt ist, das mit der rechten Hand oder gar nicht mehr zu tun. Zweiter, dritter, vierter Gang. Eine Linkskurve, eine Steigung, eine Rechtskurve. Keine wirkliche Herausforderung, aber ich will diesem Museumsstück auch nicht wehtun. Alles geht so easy. So selbstverständlich. Dann rollt der Wagen aus. Ein Traum hat sich erfüllt.
Range Rover Electric kommt auf den Markt

Und wird von einem neuen, sehr realen Traum abgelöst. 55 Jahre und mindestens einen Quantensprung weiter. Da steht der Range Rover Electric. Das erste vollelektrische Fahrzeug der britischen Nobelmarke. Die Verwandtschaft ist unverkennbar. Die lange, flache Motorhaube, die leicht angeschrägte Heckscheibe. Absolut zeitgemäß. Erst da erkennt man wirklich, wie modern der Range Rover von 1970 designt ist. Eine Form, die fünfeinhalb Jahrzehnte überdauert hat und immer noch frisch ist. Wo gibt’s das sonst noch? Vielleicht bei einer 0,2er-Colaflasche.
2026 soll der Electric auf den Markt kommen. Heiß ersehnt von allen, die Tradition einerseits und Innovation andererseits schätzen. Und die faule Kompromisse scheuen. Der Range Rover Electric ist kein Zwitter, kein Versuch, es allen recht zu machen. Kein „Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass“. Der Electric macht keine Zugeständnisse. 800-Volt-Technologie, bis zu 350 kW Ladeleistung, 550 PS Antriebsleistung, 850 Nm Drehmoment – das ist oberste elektrische Luxusliga. Damit kann man schnell laden und ebenso mühelos wie leise weit fahren. Der Range Rover Electric ist einfach ein konsequent gedachtes Fahrzeug, das sich von der ersten Minute an seinen Platz in meinem Kopf erobert. Gleich neben seinem legendären Vorfahren.
Im Innenraum ist kein Geräusch zu hören

Vielleicht hat es wegen dieser Konsequenz ein bisschen länger als geplant gedauert, bis der Range Rover Electric die Serienreife erreicht hat. Bis alle Tests Martin Limpert, den Global Managing Director von Range Rover, und sein Team wirklich zufriedengestellt haben. Im Range Rover Electric fühle ich mich auf Anhieb zu Hause. Kein Fremdeln, kein Auf-dem-Sitz-Herumrutschen, bis ich eine passende Position für meine 1,90 Meter Länge gefunden habe, kein „Wo ist denn …???“. Das Auto passt wie ein Maßschuh und strahlt eine Atmosphäre luxuriöser Gelassenheit aus. Es ist ein „Calm Sanctuary“, wie Martin Limpert es nennt und wie es für Kunden, die sich von einem Chauffeur fahren lassen, besonders wichtig ist. Das Auto als komfortabler Rückzugsraum.
Der Motor müsste laufen, zumindest behauptet das die Digitalanzeige. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich an meinen fünf Sinnen zweifeln, zumindest an zweien davon. Ich sitze in einem 2,6 Tonnen schweren, stark motorisiertem Auto und höre – nichts. Kein Surren, kein Rauschen, einfach das absolute Nichts. „Wenn man die Türen schließt, sind Sie ganz und absolut für sich“, sagt Martin Limpert. Wie wahr. Zu hören ist der Range Rover nicht. Gut, das ist auch bei den Verbrennern so, aber bei denen spürt man noch ein fast unmerkliches Vibrieren, wenn man den Motor anlässt. So etwas wie ein Lebenszeichen. Der Range Rover Electric ist einfach nur da. Und startbereit.
Der SUV beweist sich im Offroad-Parcours

Erst als er sanft losrollt, geben die Reifen ein leises Geräusch von sich. Natürlich kann man wie King Charles im Range Rover über Land gleiten – wobei die „long and winding roads“ Südenglands angesichts der über 2,20 Meter Breite durchaus eine Herausforderung sein können, wenn ein Traktor entgegenkommt. Ein Range Rover wird aber immer auch ein Geländewagen sein. Ein Fahrzeug, das vor keinem Feld- oder Forstweg, keiner hohlen Gasse, keiner Furt und keiner Wüste zurückschreckt. Deshalb haben die Ingenieure für unsere erste Begegnung einen künstlichen Hindernisparcours aufgebaut, der meinen Gleichgewichtssinn gleich massiv auf die Probe stellen wird. Er soll beweisen, dass selbstverständlich auch der Range Rover Electric offroad-tauglich ist. Und wie.
Heimtückischerweise ist das erste künstliche Hindernis nicht symmetrisch. Das rechte Vorderrad muss zuerst hinüber, dann zwei Meter später das linke. Der Wagen schmiert aber, allen physikalischen Gesetzen widersprechend, dabei nicht nach rechts vorne ab, sondern bleibt stabil waagerecht. Das rechte Vorderrad schwebt fast einen Meter in der Luft. Atemberaubend. Und ganz sicher nicht die Leistung des Fahrers, sondern des sogenannten Integrated Traction Management, das beim Electric hundertmal schneller reagieren kann als bei den Verbrennern. Das Auto bewegt sich ebenso mühe- wie lautlos. Sanft und ohne auch nur zu rucken, gleitet es über das Hindernis. Da ist kein Kampf gegen die äußeren Widrigkeiten, da ist kein Ächzen, kein Stöhnen, keine Mühsal. Da ist nur pures Vergnügen am Außergewöhnlichen. Nichts ist zu spüren von dem 400 Kilogramm schweren Batteriepaket im Unterboden mit „ThermAssist“, einer effizienten Wärmerückgewinnung, die den Range Rover Electric auf sein stolzes Gewicht hievt.
Prototyp noch nicht für die Straße freigegeben

Ein steiler Hang ist die nächste Hürde. Durch die Windschutzscheibe sehe ich nur noch den blauen Himmel, aber drei Unterboden-Kameras zeigen mir punktgenau, wo ich mich gerade befinde. Mühelos geht es bergauf. Auf dem Scheitelpunkt hält der Wagen von selbst an. Ein kleiner Tipp aufs Pedal, und er gleitet nach unten. Die „Downhill“-Einstellung lässt sich bis auf drei Stundenkilometer reduzieren. Bremsen ist unnötig. Das kann er selber und im Zweifelsfall feinfühliger als ich, einer Unmenge an Sensoren sei Dank. Zugegeben: Es kostet ein wenig Überwindung, einem menschengemachten Auto angesichts extremer physikalischer Herausforderungen bedingungslos zu vertrauen. Aber genau das fordert der Range Rover Electric ein: Vertraue mir, ich weiß, was ich tue, und bringe dich sicher nach Hause.
Hindernis um Hindernis geht es geradezu spielerisch weiter. Das Fahrzeug braucht mich nur, um ihm zu sagen, wo es langgeht, welches Hindernis es überwinden soll. Wie es das am besten macht, wohin es die Kraft verteilt, wie es die Balance hält – das alles weiß es selber beziehungsweise berechnet es in Höchstgeschwindigkeit. Apropos Geschwindigkeit: Mein Prototyp ist noch nicht für die Straße freigegeben. Ich kann den Range Rover Electric nicht „on the road“ ausprobieren. Das ist noch Sache der Testingenieure, ich muss noch ein paar Monate warten. Aber darüber mache ich mir keine Sorgen. Ein Fahrzeug, das so souverän extreme Hindernisse bewältigt, solch eine Vertrautheit ausstrahlt, wird auch von kurvigen Landstraßen und deutschen Autobahnen nicht wirklich herausgefordert werden.
Großes Kundeninteresse für Elektro-SUV
„Range Rover First“ ist das absolute Credo, das Martin Limpert ausgegeben hat. Äußerlich unterscheidet sich der Electric in nichts von seinen mit Verbrennern oder Hybrid-Motoren ausgestatteten Brüdern. De facto basieren alle Varianten auf der gleichen MLA-Plattform und werden flexibel auf der gleichen Linie gebaut. „Wir wollten kein neues Auto fertigen, sondern eine Alternative beim Antrieb schaffen“, sagt Martin Limpert. Angeblich haben sich bereits 65.000 Kunden auf der Interessentenliste eingetragen – ohne zu wissen, was der Wagen kosten wird. Ich kann sie dennoch sehr gut verstehen.
