Lief gut, läuft gut: Die Armbanduhren Klassiker

Armbanduhren gibt es, die wollen gegenwärtig so viele besitzen, dass sie zu normalen Preisen gar nicht käuflich erwerbbar sind. Modelle von Audemars Piguet gehören dazu, von Patek Philippe oder in erster Linie Rolex.
By Gisbert L. Brunner
AP Royal Oak
AP Royal Oak

Geschichte am Handgelenk

Wer seinen chronometrischen Hedonismus unverzüglich befriedigen möchte, muss am Parallelmarkt Aufschläge bezahlen. Für all jene, die nicht willens sind, diesen Wettlauf mitzumachen, gibt es verfügbare Armbanduhren zu ganz offiziellen Publikumspreisen, die perspektivisch dennoch Sammlerstücke werden könnten. Dabei muss man beachten: Beim zukunftsorientierten Uhrenkauf spielt die Marke eine entscheidende Rolle. Analog zu Immobilien, bei denen die Lage und nochmals die Lage zählt.

Hinzu gesellt sich das Modell. Das Zeug für eine anhaltende, von tiefer Freundschaft geprägte Zweisamkeit besitzen Klassiker. Seit Längerem am Markt präsent, wohnt ihnen das Potenzial inne, sich Zeitgeistströmungen zu widersetzen. Auch wenn der Blick in die Vergangenheit keine Garantie für die Zukunft ist, kann man feststellen: Wer Mitte der 1990er-Jahre die richtige Uhr-Entscheidung getroffen hat, kann sich heute freuen. Bei den Klassikern ist durchweg ein ansehnlicher Wertzuwachs zu verzeichnen. Und: Man hatte bei jedem Blick in Richtung Handgelenk Freude an einem Stück Geschichte. Jenes gute Gefühl dürfte auch in den kommenden Jahren anhalten, denn derartige Armbanduhren werden niemals wirklich alt.

Audemars Piguet Royal Oak 15500ST

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1972 … Designer Gérald Genta schuf mit der Royal Oak das Gesicht der Marke.

Während der Basler Uhrenmesse 1972 wartete Audemars Piguet mit einer sportlich-eleganten Stahl- Armbanduhr im Bullaugen-Design auf. Für ihr Design zeichnete der begnadete Produktgestalter Gérald Genta verantwortlich. Im Laufe der Jahre entwickelte sich die außergewöhnliche Royal Oak nicht nur zum Trendsetter für Luxus-Sportuhren, sondern auch zum weltbekannten Leader der Familienmanufaktur aus dem Vallée de Joux. Das aktuelle Modellspektrum ist breit. Dem ursprünglichen Modell sehr nahe kommt die Royal Oak Automatic, Referenz 15500ST mit dem Manufakturkaliber 4302. Das Uhrwerk im stählernen 41-mm-Gehäuse besitzt eine Zentralsekunde. Ab 24 300 Euro, audemarspiguet.com

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heute ... Das Design der Uhr ist fast 50 Jahre anhaltend stilprägend.

Breguet Type XXI Chronograph Cadran Vintage

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1954 … Die Type 20 wurde ursprünglich für die französische Luftwaffe entwickelt.

1954 lieferte Breguet erste Fliegerchronographen der Type XXA u. a. an das Centre d’Essai en Vol (CEV). Selbiges zeichnete in Frankreich verantwortlich für die Prüfung und Zulassung aller neuen Flugzeuge. Besonderes Kennzeichen des  Handaufzugs-Stoppers: Flyback-Mechanismus zum unmittelbaren Neustart des Chronographen ohne vorherige Nullgestellung. Die Generation mit Automatikwerk folgte 1995. In die großen Fußstapfen tritt aktuell der Type XXI Chronograph Cadran Vintage mit 42 mm messendem Stahlgehäuse. Natürlich lässt sich auch beim Manufaktur kaliber 584 Q/2 der Stoppzeiger im Flug zurückstellen. Ab 13 400 Euro, breguet.com

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heute … Mit 42 mm hat das aktuelle Modell 4 mm zum ursprünglichen zugelegt.

Breitling Navitimer B01 Chronograph 46

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1952 … Der Navitimer mit der Rechenscheibe ist ein Evergreen der Marke.

1952 startete Breitling die Produktion des Navitimer mit multifunktionaler Rechenscheibe. Piloten half der Chronograph, dessen Name sich von Navigation ableitet, bei der Ermittlung von Reichweiten oder der Umrechnung von Meilen in Kilometer und umgekehrt. Seit nunmehr 70 Jahren gehört diese Armbanduhr zum festen Repertoire der 1884 gegründeten Marke. Im Gegensatz zu damals tickt im 46 mm großen Stahlgehäuse des aktuellen Navitimer B01 Chronograph 46 das selbst entwickelte und gefertigte Automatikkaliber B01 mit  Chronometerzertifikat. Ab 8450 Euro, breitling.com

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heute ... Mitte des Jahres zeigt Breitling voraussichtlich einen neuen Navitimer.

Cartier Tank

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1917 … Von einem Kampfpanzer inspiriert: die Cartier Tank.

1917 regten Kampfpanzer mit dem Tarnnamen Tank Louis Cartier zur Kreation einer Armbanduhr an. Erste Exemplare namens Tank L.C. erhielten im Jahr 1918 einige hohe Offiziere der amerikanischen Truppen in Frankreich. Anschließend erfreuten sich unzählige Zivilisten an der streng rechteckigen Armbanduhr mit integrierten Bandanstößen. Wer sein Handgelenk heutzutage mit dem mehr als 100 Jahre alten Klassiker zieren möchte, bekommt die Tank Must XL mit dem Automatikkaliber 1847 MC. Ihr Stahlgehäuse misst 41 x 31 mm. Wasser bleibt bis zu drei bar Druck außen vor. Ab 4000 Euro, cartier.com

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heute ... Das aktuelle Modell ist kaum vom ursprünglichen zu unterscheiden.

Chopard Mille Miglia Classic Chronograph

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1988 … Jedes Rennen eine neue Uhr – seit der Partnerschaft mit Chopard.

1000 Meilen führt die Rallye Mille Miglia nach dem Start in Brescia durch Italien. Seit der Renaissance als Oldtimer-Ausfahrt geht es seit 1988 nur noch um Zuverlässigkeit und Präzision. Stets mit dabei: die Uhrenmarke Chopard. Als Liebhaber klassischer Fahrzeuge begeistern sich die Mitglieder der Familie Scheufele seit Langem für diesen Sport. Jeder der teilnehmenden Fahrer darf sich über eine speziell gestaltete Mille-Miglia-Uhr freuen. Normalsterbliche kommen in den Genuss des stählernen Mille Miglia Classic Chronograph. Sein Zifferblatt ziert das rote Rallye- Logo. Ausgestattet mit dem Automatikkaliber Eta 2894-2 kostet der Stopper ab 5760 Euro, chopard.de 

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heute ... Die aktuelle Version passt unverkennbar in die Serie.

Heuer Autavia

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1962 … Die Autavia war der erste Chronograph von Heuer, der eine drehbare Lünette trug.

Beim Chronographen-Spezialisten schrieb die Autavia als zuverlässiges Dashboard-Instrument ab 1933 Geschichte. Der Name vereinigt in sich die Welt der Automobile und der Aviatik. Knapp 30 Jahre nach der Premiere, man schrieb das Jahr 1962, debütierte der Autavia Chronograph fürs Handgelenk als Referenz 2446. Den 60. Geburtstag dieses Klassikers zelebriert TAG Heuer mit dem neuen Autavia Chronometer Flyback. Im 42 mm großen Sichtboden-Stahlgehäuse tickt das hauseigene, offiziell zertifizierte Automatikkaliber Heuer 02. Der Preis: 5950 Euro, tagheuer.de

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heute ... Den 60. Geburtstag feiert TAG Heuer mit einem neuen Autavia-Chronometer.

Hublot Classic Fusion

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1980 … Mit der Hublot Fusion begann die Erfolgsgeschichte der Marke.

Mit Hublot verknüpft sich die 2005 lancierte Big Bang fast schon wie ein Synonym. Dabei reicht die Geschichte der ersten Armbanduhr dieser Marke zurück bis ins Jahr 1980. Auf ihrem Bullaugen-Design mit glatter, von sechs Schrauben gehaltener Lünette basiert die sportlich-elegante Optik der Classic-Fusion-Linie. Als Unisex-Modell passt die 38 Millimeter messende und mit einem Kautschukband ausgestattete Classic Fusion Titanium gleicherma en gut an weibliche und m nnliche Handgelenke. Im Inneren des bis zu fünf bar wasserdichten Titangehäuses verbaut Hublot das auf einem Sellita SW300 basierende HUB1110 mit 42 Stunden Gangautonomie. 6600 Euro, hublot.com

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heute ... Das Modell gibt es auch in 33 mm, 42 mm und 45 mm Durchmesser.

Omega Speedmaster Professional Moonwatch

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1957 … Die Moonwatch als verlässliches Messwerkzeug – auch für die NASA.

Nach ausgiebigen Tests erkor die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA den 1957 von Omega entwickelten Speedmaster-Chronographen zur offiziellen Armbanduhr für ihre Weltraummissionen. 1969 begleitete der Stopper die  Astronauten bei der Mondlandung. Seitdem trägt die Speedmaster Professional den Beinamen Moonwatch. Ihr Design hat sich seitdem nicht verändert. Allerdings ist die Edelstahlschale auf 42 Millimeter gewachsen. Seit 2021 verwendet Omega das offiziell auf seine Ganggenauigkeit geprüfte Handaufzugskaliber 3861 mit moderner Co- Axial-Hemmung. Ab 6300 Euro, omegawatches.com

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heute ... Noch immer als Handaufzug zu haben. Die 42-mm-Speedmaster.

Patek Philippe Calatrava 6119R

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1934 … Der Buchstabe D der Referenz 96D steht im Übrigen für Dekor.

Eine diamantpolierte Nagelmuster-Lünette war das unübersehbare Kennzeichen der 1934 von Patek Philippe vorgestellten Referenz 96D. Erinnernd an das zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingeführte Markenzeichen trug diese Armbanduhr den Beinamen Calatrava. Highlight der daran erinnernden Roségold- Referenz 6119R mit 39 mm Gehäusedurchmesser ist das völlig neu entwickelte Handaufzugskaliber 30-255 PS mit beachtlichen 65 Stunden Gangautonomie. Für ein höheres Drehmoment sind die beiden Energiespeicher parallel geschaltet. Täglich höchstens –3/+2 Sekunden Gangabweichung garantiert das Patek-Philippe-Siegel. Beim Ziehen der Krone stoppt der kleine Sekundenzeiger. Ab 26 530 Euro, patek.com

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heute ... Es gibt auch noch die Referenz 6119G mit grauem Zifferblatt.