Mit dem Motorrad auf der Grand Tour Deluxe Tag 5: Bad Ragaz, Ascona

In den Gegensätzen liegt der Reiz: eine handfeste Reise mit dem Motorrad auf der Grand Tour Deluxe durch die Schweiz – und am Abend in die exklusivsten Luxushotels. Ein Trip mit Längen, Höhen und tiefer Entspannung
San-Bernardino-Pass

Tamina Therme, Grand Resort Bad Ragaz

Tamina Therme am Grand Resort Bad Ragaz 

Das Grand Resort ist berühmt für sein Wasser. Aus einer Thermalquelle sprudelt es mit 36,5 Grad aus dem Boden. Die besondere Zusammensetzung soll eine heilende Wirkung besitzen, und es riecht, da es keinen Schwefel enthält, nach gar nichts. Und so hat sich um das Wasser eine ganze Spa-Welt aufgebaut – und ein Stück Himmel im Keller, in dem ein Engel arbeitet. Ein Herr Engel. Nach einer erholsamen Nacht habe ich mir für den Morgen ein 75-minütiges Signature Treatment, die Tamina Flow Massage, gebucht. Das Versprechen: „Tiefenwirksame Entspannung von Kopf bis Fuß. Mit einzigartigen Griffen im fließenden Rhythmus zurück zur inneren Balance finden.“ Wer will das nicht?

Nach der Behandlung habe ich das Gefühl, das Hamsterrad läuft rückwärts. Wie auf Wolken schleiche ich im weichen, weiten, weißen Bademantel in den Hotellatschen durch die imposante Lobby. Yorck sitzt bereits mit Lederhose und seinem Helm auf dem Knie in einem der großen Sessel.„Wir müssen los, das Wetter auf dem San-Bernardino-Pass schlägt um“, sagt er. Es ist unser Weg nach Ascona ins Tessin. Das Packen der wenigen Sachen geht mit jedem Morgen schneller, nach zehn Minuten haben wir alles auf den Bikes verstaut und lassen Bad Ragaz im Rückspiegel verschwinden.

Die ersten Serpentinen sind wie für Motorräder gebaut. Tief nach rechts legen, tief nach links, rechts, links und immer weiter zum Gipfel hoch. Die Finger frieren. Der Regen setzt ein, und mit jedem Höhenmeter fällt die Temperatur weiter. Trotz Griffheizung kann ich mich nach 15 Minuten mit den kalten Händen kaum noch am Lenker halten. Yorck schaut zu mir rüber, es ist an seinem Blick zu sehen, dass es ihm kaum besser geht. Ich muss an Engel denken und wie angenehm warm es auf der Liege war. Ach, mein lieber Engel. 1 Grad laut Temperaturanzeige der Bordinstrumente. Das Hamsterrad ist abrupt stehen geblieben – Überlebensmodus läuft.

Fotopunkt am Säntis

Der Fotopunkt am Säntis belegt es: Wir waren dort — und mit der Gondel kam der Schnee.

In meiner Wahlheimat Berlin habe ich ein altes englisches Zweirad, eine Norton Commando von 1973. Die fahre ich bei bestem Wetter von Charlottenburg zum Wannsee. Wenn alles gut läuft, mal nach Potsdam. Selten läuft sie gut. Früher habe ich ein paar Motorradtouren mit den Jungs gemacht und wohl irgendwie verdrängt – während ich die letzten Jahre ein Unwohlsein bei einer Individualreise mit der Klimaanlage oder der Sitzheizung ausgeglichen habe –, wie das, was sonst hinter der Scheibe stattfindet, an den Nerven des Fahrers zehrt: Kälte, Wind, Regen und Krach.

2067 Höhenmeter. Wir sind oben angekommen. „Einen schnellen Tee“, ruft Yorck durch das Plastik seines Visiers. Ich schüttele den Kopf. „Wir werden nie wieder rauswollen, wenn wir uns einmal hinsetzen.“

Lago Maggiore

Ende gut, Füße hoch: Am Lago Maggiore kann man sich kaum sattsehen

Bereits die Römer nutzten den San-Bernardino-Pass. Wenn die hier mit Lendenschurz und Sandalen rübergekommen sind, schaffen wir das ja wohl mit Zweirad und Skiunterwäsche allemal. Kurvenreich geht es bergab. Die Temperaturen steigen. Erst langsam. Dann schnell auf 20 Grad. Als wir Ascona erreichen und die Motorräder vor dem Portal des Eden Roc parken, zeigt das Thermometer 31 Grad. Auf dem Lago Maggiore, direkt hinter dem Hotel, paddelt ein verliebtes Pärchen gemächlich seine SUPs, eine alte Dame schwimmt, ich schwitze in meiner Skiunterwäsche. „Die Anreise war angenehm?“, fragt der Concierge. „Abwechslungsreich“, lautet meine Antwort, während ich in meiner Tasche nach den Badeshorts wühle. Palmen werfen ihre Schatten. Ein Glas Champagner besiegelt unsere Ankunft.

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