Mit dem Motorrad auf der Grand Tour Deluxe Tag 1: auf nach Interlaken

In den Gegensätzen liegt der Reiz: eine handfeste Reise mit dem Motorrad auf der Grand Tour Deluxe durch die Schweiz – und am Abend in die exklusivsten Luxushotels. Ein Trip mit Längen, Höhen und tiefer Entspannung
Spabereich-Victoria-Jungfrau-Grand-Hotel

Tim Gutke

Die BMW R nineT Urban G/S mit ihrem 110-PS-Boxermotor ist ein treuer Begleiter. Wenn es eng wird, helfen ABS und Traktionskontrolle, Preis ab 13 150 Euro.

Die ersten Kilometer laufen beständig im Tacho meiner BMW R nineT Urban G/S auf. Es ist eine befreiende Gewissheit, dass alles, was man braucht, in einen 40-Liter-Rucksack passt. Schwer lastet nur das Vibrieren in meiner Jeanstasche. E-Mails, WhatsApp-Nachrichten, SMS, Facebook-Messenger, LinkedIn-Anfragen – die anderen Hamster melden sich.

Yorck, der die Fotos dieser Reise macht, steuert die BMW GS in Richtung Interlaken. Noch ist die Zivilisation allgegenwärtig. Doch für die kommenden Tage erwartet uns der ganze Zauber und Facettenreichtum der Schweiz. Die Grand Tour of Switzerland ist als Rundtour 1643 Kilometer lang, führt an 22 großen Seen vorbei, durch vier Sprachregionen, über fünf Alpenpässe, zu zwölf UNESCO-Welterbestätten und von Palmengärten zu Gletscherlandschaften und wieder zurück. Wir haben uns eine Teilstrecke rausgesucht.

Massage

Der Spabereich des Victoria-Jungfrau Grand Hotel ist die Rettung nach einer langen Anfahrt.

Die Sonnenstrahlen wärmen das dicke Leder der Jacke, und der Boxermotor arbeitet kernig vor sich hin. Ich blicke nach rechts. Neben mir an der Ampel kommt ein mausgraues SUV zum Stehen – eine Farbe wie ein Nager, denke ich –, am Steuer ein Anzugträger. Er schaut zu uns rüber, und ich kann förmlich hören, was er denkt: „Die zwei sind auf dem Weg zu einem großen Abenteuer.“ Sein Blick ist traurig, es ist die Sicht aus dem Hamsterrad. Ich nicke ihm wissend zu. Vier Kilometer später stehen wir wieder gemeinsam an einer roten Ampel. Es hat gnadenlos zu regnen begonnen. Ich blicke nach rechts, Wasser läuft mir über den Helm in den Nacken. Anzugträger nickt mir wissend zu. Klar, denke ich, es hat auch niemand gesagt, dass der Weg aus dem Rad ein leichter ist, und sicher – im Labor ist es immer trocken und wohltemperiert.

Nach 490 Kilometern taucht endlich das Victoria- Jungfrau Grand Hotel zwischen den dicken Regentropfen auf. Jede Körperregion meldet ans Stammhirn einen Schmerz. Der Unterarm vom Kuppeln, der Hintern vom Sitzen, der Nacken vom Kopfhalten. Wortlos schleiche ich in die Dampfsauna des 5500 Quadratmeter großen Spabereichs. Es ist eine traumlose Nacht im Paradies.

© Yorck Dertinger 

Frühstück im La Terrasse mit sehr empfehlenswertem Birchermüsli

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