Diese Automarken bauen Yachten

Automarken wie BMW, Maserati und Porsche stehen längst nicht mehr nur für Fortbewegung auf Asphalt. Sie kuratieren ganzheitliche Lebenswelten – und erobern nun auch vermehrt die Meere.
Text Matthias Techau

Von BMW bis Porsche: Diese Automarken bauen Yachten

Die Idee, Sportwagen in Gestalt von Motorbooten zu Wasser zu bringen, ist nicht neu. Schon 1968 baute der italienische Hersteller Riva das Einzelstück Aquarama Lamborghini. Ferruccio Lamborghini selbst hatte es in Auftrag gegeben. 57 Jahre später wütet der Stier erneut auf See: Die Motoryacht Tecnomar for Lamborghini 101FT ist eine Übersetzung des Supersportwagens Fenomeno, dem bisher stärksten Auto aus Sant’Agata Bolognese. Aber der italienische Hersteller ist nicht der einzige, der seinen Weg vom Asphalt aufs Wasser findet. 

Die grundsätzliche Idee: Das Boot wird zum exklusiven Resonanzraum, in dem Autohersteller ihre Markenidentität ausdehnen. Es geht um Technologietransfer, Glaubwürdigkeit und Marktanteile in einem kompetitiven Umfeld. Aber eben auch um die Chance, eine Legende vor die Küsten der sieben Weltmeere zu stellen. Klar ist aber auch: Ein Boot ist kein Auto fürs Wasser. Das benötigte Know-how ist ein anderes und so sind Kooperationen ein wichtiger Schritt in Richtung Erfolg. Die Luxusyacht wird zur nautischen Bühne, wo charakteristische Design- und Materialphilosophien, Handwerkskunst und technologische Raffinesse ineinander verschmelzen. Doch welches Automodell stand dem Boot Pate? Ein Überblick.

1

Maserati

Italienische Grandezza: Der Daycruiser Tridente punktet mit einem Interior aus Leder und Holz.

Tridente

Das Pendant zum offenen Verdeck eines Cabrios ist im Bootsbau der Daycruiser. So wundert es nicht, dass Maserati seine erste Luxusyacht, die Tridente, gemeinsam mit dem ersten vollelektrischen Cabrio der Marke, dem Gran Cabrio Folgore, präsentierte. Das 10,5 Meter lange Elektroboot besteht komplett aus Kohlefaser, bietet Platz für bis zu zehn Passagiere und verfügt über eine geschlossene Kabine mit einer Koje und einem Badezimmer. Das überbrückte Vordeck ist mit dem berühmten Logo in Form eines Dreizacks versehen. Im Interieur setzt sich die italienische Grandezza fort: Leder mit handgezogenen Nähten, poliertes Holz mit warmem Glanz und ein Cockpit, das eher an eine luxuriöse Fahrerkabine erinnert als an klassische Nautik. Preis: 2,5 Millionen Euro.

Seine erste Yacht präsentierte Maserati gemeinsam mit dem Gran Cabrio Folgore.
2

Porsche

Auf 25 Exemplare limitiert: Gemeinsam mit Frauscher hat Porsche ein Sportboot entworfen.

Frauscher x Porsche 850 Fantom Air

Das Sportboot Frauscher x Porsche 850 Fantom ist ein eleganter Daycruiser mit vollelektrischem Antrieb aus dem Porsche Macan. Porsche nutzt für den Technologietransfer von der Straße aufs Wasser die stärkste Variante des vollelektrischen SUV – den Hinterachsmotor des Macan Turbo. Frauscher bietet das Boot als klassisches Runabout und Air an, also mit geschlossenem Vordeck und Kajüte unterm Vorschiff oder einem Mittelsteuerstand mit Sitz- und Liegegelegenheiten auch am Bug. Beim Interieur ließen sich die Porsche-Designer auch vom 911 inspirieren – so bilden fünf klassische Rundinstrumente das Zentrum der Armaturentafel. Die 850 Fantom Air bietet Platz für bis zu sieben Passagiere und die 25 Exemplare der limitierten First Edition zum Preis von knapp 700.000 Euro werden ab 2026 ausgeliefert.

Das Elektroboot teilt seinen vollelektrischen Antrieb mit dem des Porsche Macan Turbo.
3

Lamborghini

Ein Hypercar fürs Wasser: Die Tecnomar von Lamborghini macht 45 Knoten.

Tecnomar for Lamborghini 101FT

Die Motoryacht Tecnomar for Lamborghini 101FT ist ein amphibisches Hypercar. Ihr Design mutet wie eine maritime Übersetzung des Supersportwagens Fenomeno an: kantige Konturen, scharf gefasste Lichtsignaturen und pure Performance dank dreier 16V-Turbodiesel und 7600 PS Gesamtleistung. Mit bis zu 45 Knoten (rund 83 Stundenkilometern) gleitet die Tecnomar über das Wasser. Auch ihre Farbgebung lehnt sich an die Lackierung „Giallo Crius“ des Fenomeno an. Ebenfalls im Lamborghini-Stil präsentiert sich die Innenausstattung, die auf typische Designelemente wie Sechsecke und Y-Formen setzt. Bei der Instrumentierung im Cockpit sind Anleihen an den Temerario von 2024 auszumachen. Die Yacht bietet Platz für bis zu neun Gäste und verfügt über drei Crew-Kabinen. Ende 2027 soll die Tecnomar in See stechen. Der Schätzpreis: über 10 Millionen Euro.

Das Design und die Farbgebung der Motoryacht lehnen sich an das Sondermodell Fenomeno an.
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BMW

The Icon von BMW hebt sich mittels Foils aus dem Wasser und ist komplett emissionsfrei. 

BMW The Icon

Mehr eine avantgardistische Designskulptur als eine Yacht ist The Icon von BMW. Inspiriert vom progressiven Charakter des BMW i7 M70 greift das Elektroboot seine klar gespannte Silhouette auf. Mittels Foils hebt sich das Boot aus dem Wasser, was zu einer nahezu geräuschlosen, vibrationsfreien und stoßfreien Fahrt führt und so bis zu 80 Prozent Energie im Vergleich zu einem herkömmlichen Rumpfboot spart. Die Batteriekapazität von The Icon erlaubt eine Reichweite von 50 Seemeilen. Auch im Interieur verschmilzt die Yacht mit der Ästhetik des i7 M70: architektonische Flächen, präzise Lichtinszenierungen und eine puristische Lounge-Atmosphäre, die eher an eine mobile Galerie als an ein Deck erinnert. Ihr Einsatzgebiet ist weniger im Privatgebrauch zu sehen. Das Boot wurde als luxuriöses, emissionsfreies Shuttle für den Einsatz in Destinationen wie Restaurants, Hotels oder Inseln konzipiert. Entstanden ist es in der Zusammenarbeit mit dem Bootsbauer Tyde. Preis: etwa 1,9 Millionen Euro.

Der progressive Charakter des BMW i7 M70 diente als Vorbild für die Yacht.
5

Lexus

Die LY680 von Lexus übt sich in japanischer Zurückhaltung und gleitet sanft über das Wasser.

Lexus LY680

Wo andere Yachten laut sind, kultiviert die LY680 japanische Zurückhaltung, die schon die Limousine LS 500h prägte: ein reduziertes Design, das durch eine präzise Linienführung besticht. Die fließende Buglinie greift die geschwungene Kühlergrill-Ästhetik des LS auf, während das Interieur mit taktilen Hölzern, lederumhüllten Oberflächen und meditativer Lichtführung viel Liebe zum Detail im Sinne der Takumi-Handwerkskunst erkennen lässt. Jeder Takumi bei Lexus verfügt über mindestens 60.000 Stunden Erfahrung in seinem Gewerk. Präzisionsarbeit leistet auch der Antrieb: Besonders leise und vibrationsarme Motoren ermöglichen ein sanftes, kontrolliertes Gleiten. Drei Schlafzimmer mit sechs Betten bieten umfangreiche Übernachtungsmöglichkeiten. Erste Auslieferungen der LY680 sind für das Frühjahr 2026 geplant. Preis: etwa 4,4 Millionen Euro.

Leiser Luxus: Yacht und Limousine eint ein reduziertes Design mit klarer Linienführung.
6

Mercedes-Maybach

Exklusiver Kreis: Nur wer Mitglied im Maybach Ocean Club ist, darf die Superyacht nutzen.

Beyond Horizons

Die Maybach-Superyacht Beyond Horizons bietet für die Mitglieder des Maybach Ocean Clubs ein Refugium, das eine Aura wie sein automobiler Impulsgeber, der Mercedes-Maybach S 680, verströmt. Die Linienführung des Interieurs nimmt Anleihen an der Formensprache des S 680: Geschwungene Lounges erinnern an seine fließende Silhouette, während polierte Metallakzente das Coupé-artige Heck zitieren. Mit einem Personal-Gäste-Verhältnis von eins zu drei – darunter Personal Trainer, medizinisches Personal, Longevity-Experten und internationale Star-Köche – bietet die Beyond Horizons Services, die nur auf einer privaten Yacht möglich sind. Durch die Mitgliedschaft im Maybach Ocean Club erhält jedes Mitglied das Nutzungsrecht für eine der 30 Suiten für vier Wochen pro Jahr. Der Club ist auf 300 Mitglieder begrenzt. Ein Komitee ermittelt Menschen, deren Lebensstil und Interessen den Geist des Clubs widerspiegeln.

Inspiriert wurde die Superyacht von der Formgebung des Mercedes-Maybach S 680.