Wieso Dreissigacker seine Weine als NFT verkauft

Als Barack Obama zum ersten Mal 2013 als amtierender US-Präsident nach Berlin kam, servierte man ihm bei einem Staatsbankett im Schloss Charlottenburg einen Spätburgunder von Jochen Dreissigacker. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, um zu verstehen, dass der Rheinhesse in der obersten Liga deutscher Winzer spielt. Mit gerade einmal 24 Jahren übernahm er das Weingut seiner Eltern und krempelte es von Grund auf um. Seither wird in Bechtheim biodynamisch angebaut und von Hand geerntet.
Riesling von Dreissigacker reift besonders lang

Sein Markenzeichen sind charakterstarke Rieslinge, die auch deshalb so komplex schmecken, weil sie besonders lange reifen. »Kaum eine andere Rebsorte entwickelt sich über einen so langen Zeitraum und gewinnt dabei so viel Tiefe«, sagt er. Im Gegensatz zu vielen anderen Weingütern lässt Dreissigacker seine Weine bis zu zehn Jahre lagern. Damit Kunden nicht so lange warten müssen, um sich einen Jahrgang zu sichern, verkauft der 45-Jährige seine besten Weine als NFT. Die digitalen Zertifikate, die mittels Kryptowährung erworben und in einer Blockchain gespeichert werden, geben Auskunft über den Besitz. Ausgehändigt werden die Flaschen allerdings erst, wenn Dreissigacker der Meinung ist, das optimale Trinkfenster sei erreicht.
Dafür hält er von jedem Wein ein paar Flaschen zurück, die er in regelmäßigen Abständen probiert. Der erste Riesling, den der Winzer als NFT verkauft hat, war auf 300 Magnumflaschen limitiert – und sofort vergriffen. Kostenpunkt? 1800 Euro pro Token. Wer bei Dreissigacker ein NFT erwirbt, wird automatisch Mitglied im »Selected Circle«, einem Privatclub für Weinliebhaber, der bei exklusiven Events zusammenkommt. Für einen standesgemäßen Treffpunkt hat man bereits gesorgt: 2027 soll die »Cantina« eröffnen, die von Matteo Thun entworfen wurde und neben einem Reifekeller auch Verkostungsräume bietet. Der puristische Flachbau aus Lärchenholz und nachhaltigem Zement fügt sich nahtlos in die Reben ein – und wäre mit Sicherheit repräsentativ genug für einen Staatsbesuch.






