Padel ist das neue Golf

Exklusives Ambiente, Sponsoring durch Luxusmarken und Spieler, die zwischen zwei Ballwechseln den nächsten Businessdeal besprechen: Padel gewinnt nicht nur rasant an Popularität. Die Sportart begeistert dabei auch ein exklusives Publikum.
Text Robin Swithinbank
Die derzeitige Nummer eins: Agustín Tapia aus Argentinien verdiente bereits 1,3 Millionen Euro an Preisgeldern.

Ja, wie denn nun? »PAH-del«? »PÄH-del«? Oder doch eher »Pä-DELL«? Sicher ist: Die Rückschlagsportart Padel, die Elemente von Tennis und Squash integriert, erfährt gerade einen erstaunlichen Boom. Ihr Publikum zeichnet sich dabei durch Exklusivität aus, und Marken wie Lamborghini, Rolex und Prada buhlen bereits um die Gunst der meist wohlhabenden Fans und Spieler. Nur bei der Frage, wie der Name des Sports eigentlich korrekt auszusprechen ist, geht noch ein Spalt durch die Szene. Der Grund für die Sprachverwirrung liegt in der Entwicklungsgeschichte des Padel: Entstanden war der Sport vor rund 60 Jahren – als Verlegenheitslösung. Der mexikanische Unternehmer Enrique Corcuera fand auf seinem Grundstück in Acapulco nicht genug Platz für ein komplettes Tennisfeld. Er legte deshalb einen kleineren Court an, zog auf allen vier Seiten Mauern hoch. So wollte er verhindern, dass die Bälle ständig im angrenzenden Garten verschwanden. Als die Mauern erst mal da waren, integrierte er sie irgendwann ins Spielkonzept: Bälle, die von den Wänden abprallten, waren nun nicht mehr »aus«, sondern durften – wie beim Squash – weitergespielt werden.

35 Millionen Menschen spielen Padel

Kraft ist kein entscheidendes Element, was gleichermaßen Männer wie Frauen zum Padel zieht.

In den 1970er-Jahren entdeckte der spanische Hotelier Alfonso zu Hohenlohe-Langenburg diese neue Sportart. Er führte Padel in den Hotels und Clubs von Marbella ein. Die ersten deutschen Padel-Spieler brachten die Sportart also aus dem Spanienurlaub mit. Und sprachen den Namen deshalb Spanisch aus – mit »PAH« wie in »Paella«: »PAH-del«. Neben Spaniern begeisterten sich bald auch Argentinier und Italiener für den Sport. Die USA waren dagegen lange Padel-Niemandsland, erst vor rund zehn Jahren zog das Interesse hier kräftig an. Der spektakuläre Boom, der sich seitdem in Nordamerika entwickelt hat, wirkt nun wieder auf den Rest der Welt zurück. Deutsche, die den Namen des Sports amerikanisch aussprechen – »PE-del« oder manchmal auch »Pe-DELL« –, beziehen sich also eher auf die USA.

Dort wird Padel jetzt sogar in einer nationalen Profiliga gespielt. Mittlerweile läuft die dritte Saison der amerikanischen Pro Padel League PPL. Weltweit spielen heute rund 35 Millionen Menschen Padel – mehr als vier Mal so viele wie noch 2019. In rasantem Tempo entstehen neue Clubs und Courts: Allein zwischen Frühjahr 2024 und Herbst 2025 wurden 4775 Padel-Clubs eröffnet – ein Plus von rund 24 Prozent in nur eineinhalb Jahren. Die Zahl der Spielfelder stieg im gleichen Zeitraum um 23 Prozent auf 77.000. In Deutschland gibt es heute mehrere Tausend Courts, vor allem in Hamburg, Berlin, München und dem Rhein-Main-Gebiet. Hamburg und Aachen haben auch bereits zu FIP-Turnieren geladen. FIP, kurz für Federación Internacional de Pádel, ist der Weltverband der Sportart. 2025 hat er insgesamt rund 290 Turniere lizenziert: Wie beim Tennis gibt es vier Major-Turniere und weitere FIP-Wettbewerbe von geringerer, abgestufter Bedeutung. Inzwischen werden dabei durchaus nennenswerte Preisgelder ausgespielt. Agustín Tapia und Arturo Coello, die beiden besten Padel-Spieler der Welt, dürften fast siebenstellige Summen pro Jahr einnehmen – wenn man Antrittshonorare und Sponsorenverträge mitzählt.

Padel lässt sich leichter lernen als Tennis

Padel-Turniere finden inzwischen weltweit statt, hier z.B. der Reserve Cup in Miami.

Aber was macht Padel denn nun so attraktiv? Zum einen lässt sich der Sport erheblich leichter lernen als Tennis – dank der Wände und des kleineren Spielfelds. Längere, schnellere Ballwechsel sind deshalb schon mit deutlich weniger technischer Raffinesse und Kondition möglich. Die Einstiegshürden sind niedrig und Kraft ist kein entscheidendes Element, was gleichermaßen Männer wie Frauen zum Padel zieht. Dazu kommt das soziale Element. Padel wird immer im Doppel gespielt, ist von Natur aus kommunikativ. Zwischen den Ballwechseln kommt man so rasch über den nächsten Businessdeal ins Gespräch. Und überhaupt, sagen Spieler und Fans: Wer einmal erlebt hat, wie es sich anfühlt, wenn der im Vergleich zum Tennis etwas kleinere Ball vom Padel-Schläger abprallt, könne gar nicht anders, als einfach immer weiterzuspielen. Und: Eine Vielzahl von Apps, wie Playtomic, ermöglicht einen schnellen Zugang zu Mitspielern und Courts und somit zu einem Austausch. Sie funktionieren weltweit. Heute Berlin, morgen Lissabon, übermorgen New York – es wird gespielt, wann und wo immer man will.

So erlebt es auch der Londoner Juwelier Glenn Spiro: »Ich habe früher Tennis gespielt, bin vor ein paar Jahren gewechselt. Padel ist mein aerobes Nirwana, der Sport hat echte Sexyness.« Benji Markoff, ein Investor aus New Jersey, erzählt, dass er sich »auf den ersten Blick in die Sportart verliebt« habe. Vor drei Jahren gründete er gemeinsam mit Partnern den Padel United Sports Club, baute dafür ein 3300 Quadratmeter großes Lagerhaus um. Seitdem hat er 675 neue Mitglieder gewonnen – und kaum noch Kapazität, weitere aufzunehmen. Deshalb will er jetzt expandieren. Wayne Boich, ein ehemaliger Tennisprofi und der Gründer der Lifestyle-Marke Reserve, hat für seine beiden exklusiven Padel-Clubs in Manhattan mittlerweile sogar die Warteliste geschlossen. Die Motivation seiner Mitglieder erklärt er so: »Wer Padel spielt, gehört zu einer exklusiven Gemeinschaft von Menschen, die hohen Wert auf Gesundheit und Sport legen.« In Deutschland haben sich in einer Vielzahl von Whatsapp-Gruppen CEOs, Geschäftsführer und Inhaber zusammengefunden, um gemeinsam ein paar Bälle zu spielen und im Anschluss – nach 90 Minuten – ungezwungen Geschäfte zu machen.

Immer mehr Luxusmarken investieren in Padel

Der 24-jährige Spanier Arturo Coello trägt den Spitznamen El Rey Arturo, König Arthur.

Und diese Gemeinschaft hat eine erhebliche Kauf- und Entscheidungskraft. Zielgruppe von Benji Markoff ist die »gehobene Mittel- und Oberschicht«: Rund 4000 Euro zahlen seine Mitglieder jedes Jahr. Dafür dürfen dann auch Ehepartner und Kinder mitspielen. Wayne Boich plant bereits weitere Standorte, will dort für Premium-Mitgliedschaften sechsstellige Summen verlangen. Zu seinen – meist männlichen – Mitgliedern gehören Unternehmer, Investoren, Manager von Family-Offices und Politiker. Für immer mehr Amateur-Spieler erfüllt Padel damit eine ähnliche Funktion wie Golf: »Die Leute schätzen, dass ein Match hier nur 90 Minuten dauert, nicht vier oder fünf Stunden. Ich denke, dass viele nach genau so etwas gesucht haben«, sagt Boich. Werden die Padel-Fans jetzt scharenweise ihre Mitgliedschaft im Golfclub kündigen? »Nein, aber sie integrieren Padel in ihren Lifestyle. Die letzten Jahre haben schon gezeigt, wie schnell das gehen kann.«

Viele Padel-Fans fühlen sich auf der New Yorker Fifth Avenue, der Londoner Bond Street oder der Münchner Maximilianstraße genauso zu Hause wie auf dem Court. Da liegt es nur nahe, dass sich auch Luxusmarken immer stärker für Padel interessieren. So engagierte Rolex gerade den Spitzenspieler Arturo Coello als Markenbotschafter – ein Deal, der in der Szene einiges an Aufsehen erregte. Die Uhrenmarke Frederique Constant hat einen langfristigen Kooperationsvertrag mit der US-amerikanischen Pro Padel League abgeschlossen. Prada und Lamborghini haben jeweils eigene Padel-Schläger entwickelt (Preis: 1800 beziehungsweise 800 Euro – zurzeit sind beide Modelle ausverkauft).

Die Zielgruppe ist jünger als beim Golf

Die Pro-Am-Turniere, bei denen Reserve-Gründer Wayne Boich Amateure mit Profis zusammenbringt, werden von Marken wie UBS, Richard Mille und Aston Martin unterstützt. Und zu den Sponsoren des Alfred Dunhill Padel Classic, eines Londoner Pro-Am-Turniers, gehört der Uhrenhersteller IWC. »Beim Padel erreichen solche Marken eine einzigartige Zielgruppe«, sagt Merrick Haydon, Gründer der Sportmarketing-Agentur ThirtyThree18. »Padel-Spieler und Fans sind nicht nur einfach wohlhabend. Sie sind hervorragend vernetzt, gesellschaftlich aktiv, haben ein hohes Feingefühl bei Stil- und Image-Fragen.« Es ist diese junge Szene von Start-up-Gründern und Tech-Millionären, die jede Marke sucht.

Michael Dorfman, der CEO der Pro Padel League, bestätigt das: Sein Publikum gleiche dem von Tennis- oder Golfturnieren, sei aber fast eine ganze Generation jünger. Bisher werden die Spiele seiner Liga von kleineren Sendern und im Streaming bei YouTube übertragen. Um noch mehr Fans für den Sport zu begeistern, braucht es jetzt vor allem eine breitere Medienpräsenz. Benji Markoff, der Investor hinter dem Padel United Sports Club in New Jersey, glaubt fest daran, dass »Padel-Turniere schon bald von Sendern übertragen werden«. Und der Londoner Padel-Fan Glenn Spiro ist sich sicher: »Padel wird in absehbarer Zeit olympisch.«