Zutritt nur für Mitglieder: Das sind Monacos Privatclubs

Manchmal braucht es nur eine einzige Idee, um eine Geschichte für immer zu verändern. Etienne Brigasco hatte so einen Einfall: Kurz bevor die Wehrmacht Monaco besetzte, ließ der Kellermeister des Hôtel de Paris die wertvollsten Jahrgänge im hintersten Raum des Weinkellers verstecken. Den Hauptgang versperrte er mit Tausenden von leeren Flaschen, so dass sich die deutschen Soldaten nicht in einem Weinkeller, sondern vor einer Glasdeponie glaubten. Dass dort heute einige der ältesten Jahrgänge der Welt lagern, ist der Kreativität des monegassischen Kellermeisters zu verdanken.
Mitglieder wählen von einer eigenen Weinkarte

Genau diese Weine findet man in der „Réserve Marie Blanc“, einem verschlossenen Raum, den nur wenige Besucher zu Gesicht bekommen. Zu den Raritäten zählen etwa ein Château Margaux von 1890 und ein Grande Champagne Cognac von 1811, den schon Winston Churchill bei einem Besuch im Fürstentum trank. Der abgedunkelte Raum, in dem die Flaschen wie Kunstwerke inszeniert sind, beherbergt ebenfalls ein Mouton-Rothschild von 1945. Unter Experten gilt er als einer der besten Jahrgänge, die jemals im Bordeaux produziert wurden und auf Auktionen erzielte er in den vergangenen Jahren Preise um die 30.000 Euro. Auf die Idee, seine Sammlung zu verkaufen, kommt man in Monaco jedoch nicht. „Wir verstehen diesen Raum als Museum“, erklärt Laura Zeballos Daza, die stellvertretende Leiterin des Kellers. „Die Weine, die hier lagern, sind Teil unserer Geschichte. Für viele von ihnen gilt ein Trinkverbot.“
Wer im Hôtel de Paris eine Flasche Wein bestellt, hat vermutlich keine Ahnung, dass sich direkt unter ihm, zehn Meter unter der Erde, der größte Hotelweinkeller der Welt befindet. Insgesamt 300.000 Weinflaschen lagern hier, die meisten von ihnen stammen aus dem Bordeaux, dem Burgund, der Provence und der Loire. Noch weniger Gäste wissen vermutlich, dass es neben der offiziellen Weinkarte in allen Hotels und Restaurants der Unternehmensgruppe Monte-Carlo Société des Bains de Mer (SBM), zu der auch das Hôtel de Paris gehört, eine weitere Karte gibt. Die zweite Weinkarte umfasst besonders exklusive Jahrgänge und wird nur an Mitglieder des „Cercle des Caves“ ausgehändigt, einem Privatclub, der 2025 gegründet wurde.
Persönliche Schließfächer für Zigarren

Neben den seltenen Jahrgängen, erhalten Mitglieder Zugang zu einem eigenen Tasting-Room im Weinkeller und können Spitzenwinzer bei privaten Verkostungen kennenlernen. Patrice Frank, der Chefsommelier der SBM, steht ihnen außerdem für individuelle Weinberatungen zur Verfügung. „Aktuell haben wir 45 Mitglieder“, verrät Laura Zeballos Daza. Damit der Kreis möglichst klein bleibt, ist die Zahl der Mitglieder auf 50 beschränkt. Die meisten von ihnen sind bereits seit Jahren Gäste in Monacos Luxushotels und als Weinliebhaber bekannt. Einen Privatclub zu gründen, war für die Unternehmensgruppe daher der nächste logische Schritt, um Weinkennern ein noch personalisierteres Erlebnis bieten zu können. Mitglied kann werden, wer den Bewerbungsprozess erfolgreich durchläuft und bereit ist, jährlich eine vierstellige Mitgliedschaftsgebühr zu bezahlen.
Ein ähnliches Erlebnis ermöglicht der Monte-Carlo Cigar Club, der sich im ersten Stockwerk von Monacos Casino befindet. Der Eingang ist hinter einer unscheinbaren Holztür versteckt, der Einlass erfolgt nur per Klingel. Im Walk-In-Humidor lagern 16.000 Zigarren aus Kuba, Nicaragua, der Dominikanischen Republik, Costa Rica, Honduras und Peru. „Dieser Ort ist ein Spielplatz für Erwachsene“, sagt Zigarren-Sommelier Adrien Dalang. Wer Mitglied im Club ist, erhält ein persönliches Schließfach, um seine Zigarren zu lagern. Die goldenen Fächer gleichen einem Tresor: Ihre Türen wiegen neun Kilo, dahinter herrscht eine konstante Temperatur von 18 Grad und 72 Prozent Luftfeuchtigkeit. Auf Wunsch können die Schließfächer mit dem Namen des Mitglieds versehen werden – das größte von ihnen ist dem Fürsten gewidmet.
Sommeliers beraten beim richtigen Pairing

Ob zur ausgewählten Zigarre Cognac, Kaffee oder Whiskey am besten passt, erfahren die Mitglieder von Adrien Dalang und seinen Kollegen. „Wir unterscheiden zwischen analytischen und nostalgischen Pairings.“ Beim analytischen Pairing empfehlen die Sommeliers Getränke, die das Aroma der Zigarre ergänzen oder kontrastieren. „Zu einer Zigarre mit Kaffeenoten passt etwa ein Espresso Martini“, so Dalang. Beim nostalgischen Pairing stehe wiederum die Erinnerung des Gastes im Vordergrund. Wichtiger als die Harmonie der Aromen sei in diesem Fall die persönliche Bedeutung. „Wenn jemand seine erste Zigarre in Kuba geraucht und dabei einen Mojito getrunken hat, ist das vielleicht die richtige Wahl für ihn.“ Wer mit seiner Zigarre in der Lounge sitzt, kann auch die Geschichte des Fürstentums einatmen, denn der Cigar Club befindet sich im ehemaligen Büro von François Blanc – dem Mann, der die SBM vor über 160 Jahren gegründet und Monaco zu dem gemacht hat, was es heute ist.
