Anna Nash: „Unsere Adresse ist der Ozean”

Anna Nash zählt zu den profiliertesten Persönlichkeiten der internationalen Luxushotellerie. Nach Führungspositionen bei Rosewood, Belmond und Aman ist sie seit zwei Jahren Präsidentin bei Explora Journeys, der Luxusmarke der MSC Group. Der Wechsel vom Land auf die hohe See stellt für sie auch eine Rückkehr zu ihren Ursprüngen dar: Nash stammt von der Südwestküste Englands, hat dort schon als Kind das Segeln gelernt, fuhr täglich mit der Fähre zur Schule. „Das Wasser ist mein Element”, sagt sie. Unter Anna Nashs Führung hat Explora Journeys gerade das dritte Kreuzfahrtschiff, die Explora III, in Betrieb genommen. Mit drei weiteren Schiffen will das Unternehmen seine Flotte nun bis 2028 komplettieren. Ambitionierte Ziele.

Frau Nash, richtig oder falsch: Die Kreuzfahrtbranche hat ein Imageproblem.
Richtig, das stimmt. Es gibt Menschen, die keine Kreuzfahrt buchen würden, weil sie denken, Standards in puncto Stil nicht auf einem Kreuzfahrtschiff vorfinden zu können – also das Niveau von einem Fünf-Sterne-Hotel an Land. Und bisher spiegelte diese Annahme ja die Realität der Branche wider. Explora Journeys erschuf da etwas wirklich Neues. Wir prägen ultraelegante Hospitality-Projekte, die es auf diesem Niveau bisher nur an Land gab. Der einzige Unterschied zu landbasierten Hotels: Wir haben keine Postleitzahl, unsere Adresse ist der Ozean.
Was ist an Bord von Explora anders als bei Wettbewerbern?
Erst mal vorweg: Ich sehe nicht wirklich, dass wir Wettbewerber hätten. Andere klassische Kreuzfahrtanbieter machen zwar einen fantastischen Job, bieten aber nicht dieses Erlebnis eines modernen, ultraeleganten Hotels auf hoher See. Wir halten unsere Schiffe bewusst kleiner und damit persönlicher. Wir wollen unsere Gäste individuell kennenlernen und verstehen, ihre individuellen Bedürfnisse erfüllen, ihnen besondere Erfahrungen ermöglichen. Das zeigt sich etwa in den sechs, respektive sieben Restaurants auf der Explora III, die wir an Bord betreiben. Deren Standard ist auf Augenhöhe mit dem, was unsere Gäste aus ihren Lieblingsrestaurants an Land kennen – mindestens. Dazu gibt es zwölf elegante Lounges, großzügige Außenflächen. Für viele Gäste wird das Schiff selbst zur Lieblingsdestination.
Was sind das für Gäste, von denen wir hier reden? Wer reist mit Explora Journeys?
Unsere Gäste legen hohen Wert auf Eleganz und Stil, sind sehr aktiv, auch beruflich. Ihr Altersdurchschnitt liegt bei Mitte 50, das sind also in der Mehrzahl keine Ruheständler. Ganz im Gegenteil, viele gehen gerade zielstrebig auf den Höhepunkt ihrer Karriere zu. Nicht wenige sind CEOs oder andere C-Level-Führungskräfte. Sie nutzen das Schiff als Homeoffice, bleiben über unser kostenfreies Starlink-Internet mit ihren Unternehmen in Verbindung. An Bord erleben sie dann das, was ich den „Ocean State of Mind” nenne.
Das klingt erst mal nach einem griffigen Slogan. Was bedeutet das konkret?
Jemandem, der das noch nicht erlebt hat, lässt es sich überraschend schwer erklären. Aber ich sehe es unseren Gästen wirklich an: Sie kommen an Bord, und unverzüglich entspannt sich etwas. Vieles, was im Alltag zu Stress beiträgt, entfällt bei uns einfach – etwa das auf Reisen sonst übliche Ein- und Auspacken oder die Fahrt durch dichten Verkehr zum Meeting, zum Shopping, zum Dinner am anderen Ende der Stadt. Bei uns reisen Restaurants und Boutiquen ja mit. Wir schenken unseren Gästen also mehr Zeit. So können sie Eleganz, Genuss und Arbeit nahtlos miteinander verknüpfen. Und dann ist da natürlich noch die Weite des Ozeans, des Horizonts. Sie verankert unsere Gäste immer wieder im Hier und Jetzt.
Vor Ihrem Wechsel zu Explora Journeys haben Sie lange in der klassischen Luxushotellerie an Land gearbeitet. Was war die größte Herausforderung beim Wechsel in die Kreuzfahrtbranche?
Für mich war es weniger eine Herausforderung und mehr das Gefühl, dass sich ein Kreis schließt. Ich bin im englischen Südwesten aufgewachsen, direkt an der Küste. Ich habe dort schon als Kind das Segeln gelernt, bin täglich mit der Fähre zur Schule gefahren. Das Wasser ist einfach mein Element.
Explora Journeys ist erst seit 2023 mit der Explora I aktiv. Was ist Ihre Vision für das Unternehmen?
Seit Juli laden wir Gäste an Bord unseres dritten Schiffs ein, der Explora III. Nach ihrer Jungfernsaison im Norden von Hamburg über Island, Grönland bis nach New York an die Ostküste der USA - passend zum Indian Summer, geht es im Jahr 2027 nach Asien zu Destiantionen wie Südkorea, Taiwan, China und Japan. Die Explora II ist zunächst für Kreuzfahrten im Mittelmeer und in der Karibik vorgesehen. Mit drei weiteren Schiffen, Explora IV bis VI, werden wir unsere Flotte bis Sommer 2028 komplettieren. Und 2029 bieten wir dann unsere erste Weltumrundung, mit der Explora I: in 128 Tagen von Dubai über 61 Destinationen nach Barcelona. Schon heute, fast drei Jahre bevor es losgeht, ist diese Reise unglaublich stark gebucht. Nach und nach geben wir nun auch einzelne Segmente zur Buchung frei.
