Sie lieben Whiskey Sour? Dann sollten Sie diese Drinks probieren

Wir verraten Ihnen, wie der perfekte Whiskey Sour auch in den eigenen vier Wänden gelingt – und zeigen Ihnen die besten Varianten des Bar-Klassikers.
Text Jason O'Bryan & Jeremy Repanich

Viele bekannte Cocktails sind im Grunde nur clevere Variationen der großen Klassiker. Das gilt ganz besonders für die unzähligen Drinks, die auf dem Whiskey Sour aufbauen. Die Grundformel ist denkbar simpel: zwei Teile Whiskey, ein Teil Zitronensaft und ein Teil Zuckersirup. Auf diesem Fundament lässt sich wunderbar experimentieren – egal, ob man Bourbon oder Rye ausprobiert, mit anderen Säuren spielt oder den Cocktail mit Likören verfeinert. Das Rezept ist die perfekte Spielwiese für neue Kreationen. Wir starten mit unseren drei liebsten Varianten des klassischen Whiskey Sour und zeigen Ihnen dann, wie man die eher schwere Spirituose in eine echte Erfrischung verwandelt.

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Der klassische Whiskey Sour

Die eleganteste Art, einen Whiskey Sour zu servieren, ist die Zubereitung mit Eiweiß. Zugegeben, die Vorstellung von rohem Ei im Drink mag erst einmal gewöhnungsbedürftig klingen – aber es lohnt sich. Eiweiß ist im Cocktail absolut geschmacksneutral. Es dient dazu, dem Drink eine seidige Textur und eine dichte Schaumkrone zu verleihen. Vor allem aber bindet es die herben Gerbstoffe des Whiskeys und macht das Getränk deutlich harmonischer.

Es ist erstaunlich, wie sehr das Eiweiß die Strenge des Whiskeys abmildert. Ohne diesen Zusatz drängen sich die Eichen-Aromen des Whiskeys im Glas oft zu sehr in den Vordergrund und lassen wenig Raum für andere Nuancen. Das Eiweiß fängt diese Dominanz ab und sorgt für eine perfekte Balance. In den meisten erstklassigen Bars ist das die Standard-Version – und gerade bei Bourbon oder Rye mit ihren kräftigen Holznoten die beste Wahl.

Tatsächlich ist dieser Effekt fast zu gut. Ich empfehle daher einen Bourbon mit mindestens 45 Prozent Alkohol, damit der Whiskey im Mix noch genug Charakter zeigt und nicht völlig in den Hintergrund tritt. Ein hervorragender Kandidat ist hier der Elijah Craig – er bietet ein unschlagbares Verhältnis aus Reife, Stärke und Preis.

Ein kurzer Hinweis: Frisches Eiweiß ist in der Regel unbedenklich. Wer dennoch vorsichtig sein möchte, greift zu pasteurisierten Eiern. Für eine vegane Version ist Aquafaba (Kichererbsenwasser) ein guter Ersatz, der ein nahezu identisches Ergebnis liefert.

Rezept für den klassischen Whiskey Sour:

  • 60 ml Bourbon 

  • 22,5 ml frischer Zitronensaft 

  • 22,5 ml Zuckersirup 

  • 1 Eiweiß (Bio-Qualität)

Zubereitung:

Alle Zutaten in den Shaker geben. Zuerst einen „Dry Shake“ machen, also etwa fünf Sekunden lang ohne Eis schütteln, um das Eiweiß schaumig zu schlagen. Dann Eis hinzufügen, den Shaker fest verschließen und 10 bis 12 Sekunden lang kräftig schütteln. In eine Cocktailschale oder ein Martini-Glas abseihen. Der Drink wirkt anfangs ganz weiß, aber nach etwa einer Minute setzt sich die Farbe unter einer papierglatten Schaumkrone ab. Eine Zitronenzeste über dem Schaum ausdrücken (für das Aroma) und danach entsorgen. Den Schaum zum Schluss mit ein paar Tropfen Angostura Bitters verzieren.

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Whiskey Sour ohne Ei

Falls Sie auf das Eiweiß verzichten möchten, ist das überhaupt kein Problem. Ein guter Cocktail überzeugt auch so – vorausgesetzt, die Zutaten sind frisch und das Mischverhältnis stimmt. Eine Sache sollten Sie jedoch beachten: Da bei dieser Variante die Komponente fehlt, die die Gerbstoffe abmildert, sollten Sie zu einem Whiskey greifen, der von Haus aus milder ist.

Irische Whiskeys oder kanadische Blends sind hierfür ideal – etwa Redbreast 12, Crown Royal, Jameson oder Tullamore D.E.W.. Ein Alkoholgehalt von etwa 40 Prozent ist perfekt. Meiden Sie Whiskeys, die zu lange im Fass gereift sind, da diese oft zu viele Holznoten entwickeln. Tatsächlich sind hier die preiswerteren Einsteiger-Flaschen meist die beste Wahl.

Rezept für den Whiskey Sour ohne Ei:

  • 60 ml irischer oder kanadischer Whiskey 

  • 22,5 ml frischer Zitronensaft 

  • 22,5 ml Zuckersirup

Zubereitung:

Alle Zutaten in den Shaker geben. Eis hinzufügen, den Shaker fest verschließen und etwa sechs bis zehn Sekunden lang kräftig schütteln. Auf frisches Eis in einen Tumbler abseihen. Mit einer Orangenscheibe, einer Kirsche oder beidem garnieren.

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Juicy Whiskey Sour

Dieser Drink ist ein Whiskey Sour mit dem gewissen Etwas: kräftiger, lebendiger und für viele sogar die spannendste Variante des Klassikers. Rye Whiskey ist der trockenere, würzigere Verwandte des Bourbons und bringt eine feine Kräuternote mit. Um dieses Profil noch weiter zu schärfen – ganz im Stil von Klassikern wie dem Sazerac – verleihen wir dem Ganzen mit einem Spritzer Absinth zusätzliche Tiefe.

Der eigentliche Clou ist jedoch ein Schuss frisch gepresster Orangensaft. Er verändert das Aroma gar nicht so massiv, wie man vielleicht vermuten würde. Der Cocktail schmeckt danach nicht direkt nach Orange; der Saft sorgt vielmehr dafür, dass der Drink insgesamt runder, frischer und – wie der Name schon sagt – juicy wirkt.

Jeder solide Rye Whiskey ist hierfür geeignet. Ich persönlich greife gerne zum Wild Turkey 101 Rye oder Rittenhouse Rye, da diese durch ihren Maisanteil etwas mehr Körper haben. Ein Rye mit höherem Roggenanteil wie Templeton, Bulleit oder Old Elk funktioniert aber genauso gut. Solange es ein echter Rye Whiskey ist, können Sie einfach das verwenden, was Sie gerade in der Hausbar haben.

Rezept für den Juicy Whiskey Sour:

  • 60 ml Rye Whiskey 

  • 22,5 ml Zitronensaft 

  • 15 ml Zuckersirup 

  • 15 ml Orangensaft 

  • 1 Eiweiß 

  • 1 Barlöffel Absinth

Zubereitung: 

Zuerst alle Zutaten ohne Eis im Shaker aufschlagen, um das Eiweiß zu emulgieren. Dann Eis hinzufügen und für 10 bis 12 Sekunden kräftig schütteln. In einen Tumbler auf frisches Eis abseihen. Zum Schluss ein paar Tropfen Angostura Bitters auf die Schaumkrone geben und eine Zitronenzeste über dem Drink ausdrücken und entsorgen.

4

Whiskey Smash

„Ich habe diesen Drink kreiert“, schrieb der Barkeeper Dale DeGroff 2008 in seinem Buch The Essential Cocktail, „weil ich den Mint Julep ehrlich gesagt ein wenig langweilig fand. Er ist oft einfach zu süß und es fehlt ihm an Tiefe.“ Also servierte er im berühmten Rainbow Room fortan den Whiskey Smash: Die vertraute Kombi aus Whiskey, Zucker und Minze, aber dieses Mal ergänzt durch Zitronenspalten. Das Ganze wurde im Glas zerstoßen und anschließend kräftig geschüttelt. Ob seine Kritik am Julep nun berechtigt war oder nicht: Mit der Zitrone macht er den Drink zu einem völlig anderen Erlebnis.

Damit befinden wir uns plötzlich in der Welt der Sours, wobei Minze und Zitrone hier die perfekte Antwort auf die üblichen Schwachstellen des Klassikers sind. Durch die Minze und – was noch viel wichtiger ist – die ätherischen Öle der Zitronenschale verwandelt sich der Bourbon in einen leichten Sommerdrink. Die spritzige Frische der Zitrone und das kühle Aroma der Minze bilden das perfekte Gegengewicht zu den schweren Holznoten des Whiskeys, die einen Sour sonst oft erdrücken.

Rezept für den Whiskey Smash:

  • 60 ml Bourbon 

  • 22,5 ml Zitronensaft 

  • 22,5 ml Zuckersirup 

  • 6–8 Minzblätter 

  • 1 breiter Streifen Zitronenschale (ca. 5 cm)

Zubereitung: 

Alle Zutaten, inklusive der Minze und der Zitronenschale, in den Shaker geben. Eis hinzufügen und sechs bis zehn Sekunden lang kräftig schütteln. Auf frisches Eis in einen Tumbler abseihen, mit einem Minzzweig garnieren und genießen.

5

Napoleon

Der Napoleon stammt aus dem kalifornischen Montecito – und dieses entspannte Küsten-Flair merkt man ihm sofort an, auch wenn die Basis eine eher schwere Spirituose ist. Sam Penton von der Manor Bar im Rosewood Miramarkombinierte einen hochprozentigen Bourbon mit der Grundstruktur eines Whiskey Sour und ergänzte das Ganze um fruchtige und kräuterige Nuancen. Das Ergebnis ist ein perfekt ausbalancierter Cocktail. Die Zugabe von Erdbeeren (oder Himbeeren), Wermut und Campari verleiht dem Klassiker eine spannende neue Tiefe, während das Eiweiß dafür sorgt, dass der Drink so seidig und mild bleibt, wie man es sich an einem Sommertag wünscht.

Rezept für den Napoleon:

  • 45 ml hochprozentiger Bourbon 

  • 15 ml weißer Wermut (Blanc, Blanco oder Bianco) 

  • 22,5 ml Zuckersirup 

  • 22,5 ml Zitronensaft 

  • 3–4 frische Himbeeren 

  • 1 Barlöffel (ca. 5 ml) Campari 

  • 1 Eiweiß

Zubereitung: 

Alle Zutaten zuerst ohne Eis in den Shaker geben. Den Shaker fest verschließen und etwa drei bis fünf Sekunden lang trocken schütteln, um das Eiweiß aufzuschlagen. Dann Eis hinzufügen und weitere acht bis zehn Sekunden kräftig schütteln. Den Drink durch ein feines Sieb in eine Cocktailschale oder ein Martini-Glas abseihen.

6

Morgenthaler Sour

Wir wissen, was Sie jetzt denken: „Ein Amaretto Sour? Ich dachte, hier geht es um Whiskey-Drinks?“ Nun, der Amaretto Sour ist ein Whiskey-Drink – oder zumindest sollte er einer sein. Es ist über ein Jahrzehnt her, dass der Barkeeper Jeffrey Morgenthaler auf seinem Blog verkündete, er habe den „besten Amaretto Sour der Welt“ kreiert. Sein Rezept löste in der Barwelt eine kleine Revolution aus. Morgenthalers Version – Amaretto und Zitrone, verstärkt durch einen kräftigen Schuss hochprozentigen Bourbon und abgerundet mit Eiweiß – verändert den Charakter des Drinks grundlegend. Es ist erstaunlich, wie viel mehr Tiefe der Amaretto Sour durch den kräftigen Bourbon bekommt. Es ist weniger eine bloße Überarbeitung als vielmehr eine Neuerfindung des gesamten Drinks.

Rezept für den Morgenthaler Sour:

  • 45 ml Amaretto (z. B. Disaronno) 

  • 22,5 ml Bourbon in Fassstärke 

  • 30 ml Zitronensaft 

  • 7,5 ml Zuckersirup (je nach Geschmack) 

  • 1 Eiweiß

Zubereitung: 

Alle Zutaten in den Shaker geben und zunächst fünf bis sieben Sekunden ohne Eis schütteln, um das Eiweiß schaumig zu schlagen. Dann Eis hinzufügen und weitere acht bis zehn Sekunden kräftig schütteln. Den Drink entweder auf frisches Eis in einen großen Tumbler oder „up“ (ohne Eis) in eine Cocktailschale abseihen. Mit einer Zitronenzeste und nach Belieben mit einer Kirsche garnieren.

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Wild Eyed Rose

Wie so viele Klassiker stammt auch dieser Drink aus Hugo Ensslins Werk Recipes for Mixed Drinks von 1916. Das Rezept ist bis heute fast unverändert: Eine ordentliche Portion irischer Whiskey, Limettensaft und etwas Grenadine für die Süße. Der Wild Eyed Rose steht oft im Schatten des berühmteren Jack Rose, der fast zur gleichen Zeit entstand. Doch während der Jack Rose auf Apple Brandy setzt, nutzt unsere Variante irischen Whiskey – und ist, wenn man uns fragt, sogar der bessere Drink.

Dass irischer Whiskey in der modernen Mixologie oft unterschätzt wird, liegt meist an seinem Ruf, besonders mild und leicht zu sein. Doch genau diese Zurückhaltung ist seine große Stärke. Wo ein wuchtiger Bourbon mit seinen schweren Holznoten oft alles andere überlagert, lässt der Ire den feineren Aromen den Vortritt. Im Wild Eyed Rose kann sich so die fruchtige Herbe der Grenadine voll entfalten, getragen von einer warmen Malznote und dem spritzigen Finale der Limette.

Rezept für den Wild Eyed Rose:

  • 60 ml irischer Whiskey 

  • 22,5 ml Limettensaft 

  • 22,5 ml Grenadine (echter Granatapfelsirup)

Zubereitung: 

Alle Zutaten mit Eis kräftig für etwa acht bis zehn Sekunden shaken. Danach entweder in einen Tumbler auf frisches Eis abseihen oder „up“ in einer vorgekühlten Cocktailschale servieren. Als Garnitur passt eine Limettenscheibe oder ein paar Granatapfelkerne – der Drink funktioniert aber auch hervorragend ganz ohne Dekoration.

8

Blood and Sand

Wenn heutzutage über diesen Scotch-Klassiker gesprochen wird, dann meistens eher abfällig. Er ist so etwas wie das Sorgenkind der Barszene: „Viel zu süß!“, lautet das Standardurteil – fast so, als wäre das ein unlösbares Problem. Doch wenn man die Süße nur ein wenig zügelt und mit einer Prise Säure gegensteuert, merkt man sofort, warum der Blood and Sand seit fast einem Jahrhundert nicht von den Barkarten wegzudenken ist.

Wer ihn links liegen lässt, verpasst etwas. Der Drink gehört zu den seltenen Kreationen, bei denen die Zutaten eine fast schon magische Verbindung eingehen. Die Aromen greifen so perfekt ineinander, dass man die einzelnen Zutaten kaum noch herausschmeckt.

Rezept für den Blood and Sand:

  • 30 ml Scotch 

  • 22,5 ml roter Wermut (Sweet Vermouth) 

  • 22,5 ml Kirschlikör

  • 30 ml frischer Orangensaft 

  • 1 kleiner Spritzer Zitronensaft 

Zubereitung: 

Alle Zutaten mit Eis in einen Shaker geben und 12 bis 15 Sekunden lang kräftig schütteln. Ohne Eis in eine Cocktailschale oder ein Martini-Glas abseihen und mit einer Orangenzeste garnieren.

9

Cameron's Kick

Der Cameron’s Kick hat ein Problem, das allerdings rein gar nichts mit seinem Geschmack zu tun hat – der ist nämlich hervorragend. Das Problem ist eher konzeptioneller Natur: Der Drink ergibt keinen Sinn. Das ist vermutlich auch der Grund, warum er trotz seines Status als einer der wenigen echten Irish-Whiskey-Klassiker so unbekannt geblieben ist.

Was mich stört: Warum sollte man die Basis ausgerechnet zwischen irischem Whiskey und Scotch aufteilen? Was genau will man damit erreichen? Bei den alten Klassikern sind solche geteilten Basen extrem selten. Wenn man sie heute sieht, dann meist bei Spirituosen, die sich gegenseitig ergänzen – wie Rum und Rye oder Calvados und Cognac. Irischer Whiskey und Scotch hingegen liegen geschmacklich oft so nah beieinander, dass man sie kaum unterscheiden kann. Ein milder Blended Scotch und ein irischer Whiskey schlagen in dieselbe Kerbe; es bleibt völlig unklar, welchen Mehrwert es haben soll, beide in ein Glas zu rühren.

Macht man den direkten Vergleich zwischen dem Original und einer Version, die ausschließlich auf irischen Whiskey setzt, gewinnt die puristische Variante haushoch. Im Mix wirken die Aromen unruhig. Solo hingegen kann der irische Whiskey glänzen: Seine Noten von Äpfeln, Birnen und Malz bilden das perfekte Gegengewicht zur frischen Zitrone und dem tiefen Mandelaroma des Orgeats. Mein Rat: Setzen Sie komplett auf irischen Whiskey. Es ist die beste Version dieses Drinks, die Sie je probieren werden.

Rezept für den Cameron's Kick:

  • 60 ml irischer Whiskey 

  • 22,5 ml Zitronensaft 

  • 22,5 ml Orgeat (Mandelsirup) 

  • 1 Spritzer Angostura Bitters (optional)

Zubereitung: 

Alle Zutaten mit Eis in den Shaker geben und 10 bis 12 Sekunden lang kräftig schütteln. Danach entweder pur in eine Cocktailschale abseihen oder in einen Tumbler auf frisches Eis geben. Mit einer Zitronenzeste garnieren.

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New York Sour

Irgendwann in den frühen 1880er-Jahren kam ein namentlich nicht bekannter Barkeeper in Chicago auf die abwegige Idee, einen Whiskey Sour mit einem Schuss Rotwein zu krönen. Wir würden sagen: Das war ein bizarrer Geistesblitz, der uns einen der besten Whiskey-Drinks für warme Tage beschert hat. Ein Whiskey Sour ohne Eiweiß wirkt oft ein wenig unvollständig. Die Fruchtnoten des Rotweins füllen genau die Lücken aus, die dem Cocktail sonst fehlen. 

Rezept für den New York Sour:

  • 60 ml Rye Whiskey 

  • 22,5 ml Zitronensaft 

  • 22,5 ml Zuckersirup 

  • 15–30 ml leichter Rotwein

Zubereitung: 

Rye Whiskey, Zitronensaft und Zuckersirup mit Eis in den Shaker geben und 10 bis 12 Sekunden lang kräftig schütteln. Auf frisches Eis in einen Tumbler abseihen, dabei oben etwa einen Zentimeter Platz lassen. Zum Abschluss vorsichtig mit dem Rotwein auffüllen, sodass dieser als Schicht obenauf schwimmt.

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Gold Rush

Der Gold Rush – eine Kombination aus Whiskey, Zitronensaft und Honigsirup – ist zweifellos ein moderner Klassiker. Doch wir müssen zugeben: So richtig begeistert sind wir von der klassischen Variante nicht. Oft fehlt ihr das gewisse Etwas, das sie wirklich glänzen lässt.

Glücklicherweise lässt sich das mit minimalem Aufwand ändern. Man könnte ihn mit Ingwer schärfen oder ihm durch florale Nuancen oder Raucharomen mehr Komplexität verleihen. Unser absoluter Favorit ist jedoch noch simpler: Geben Sie vor dem Schütteln ein Stück Grapefruitschale mit in den Shaker. Dieser sogenannte „Regal Shake“ wirkt Wunder – die ätherischen Öle verleihen dem Cocktail eine völlig neue Tiefe, ohne das Rezept unnötig zu verkomplizieren.

Rezept für den Gold Rush:

  • 60 ml Bourbon 

  • 22,5 ml Zitronensaft 

  • 22,5 ml Honigsirup 

  • 1 Streifen Grapefruitschale, dabei so wenig wie möglich von der weißen Unterseite mit abschneiden

Zubereitung: 

Alle Zutaten, inklusive der Grapefruitschale, in einen Shaker geben. Mit Eis auffüllen und acht bis zehn Sekunden lang kräftig schütteln. In einen Tumbler auf frisches Eis abseihen.

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Brown Derby

Wenn man sich schon an einen Cocktail wagt, dessen Geschichte untrennbar mit den skurrilen Legenden des alten Hollywoods verknüpft ist, dann sollte es der Brown Derby sein. Auch wenn die Wurzeln des Drinks wahrscheinlich gar nicht in der Traumfabrik liegen, wie man lange glaubte – lassen wir uns die schöne Geschichte dadurch nicht ruinieren.

Der Klassiker basiert auf einer eigentlich simplen Formel: Whiskey, Grapefruit und Honig. Der Clou ist ein kleiner Schuss Zitronensaft, der die Balance dieses oft unterschätzten Drinks perfekt macht. Erst dadurch verwandelt sich der Brown Derby von einer eher belanglosen Mischung in ein echtes Geschmackserlebnis.

Rezept für den Brown Derby:

  • 60 ml Bourbon 

  • 30 ml Grapefruitsaft 

  • 7,5 ml Zitronensaft 

  • 15 ml Honigsirup 

  • 1 Stück Grapefruitschale (möglichst ohne das bittere Weiße)

Zubereitung: 

Alle Zutaten – auch die Grapefruitschale – zusammen mit Eis in den Shaker geben. Etwa acht bis zehn Sekunden lang ordentlich kräftig schütteln. Danach entweder pur in eine Cocktailschale abseihen oder in einen Tumbler auf frisches Eis geben. Mit einem weiteren Streifen Grapefruitschale garnieren.

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Paper Plane

Der Paper Plane ist im Grunde die perfektionierte Version eines Whiskey-Orange: elegant, makellos ausbalanciert und absolut stimmig. Dieser moderne Klassiker wurde 2008 vom Barkeeper Sam Ross kreiert und ist mittlerweile ein echter Star auf den Barkarten weltweit. Sein besonderer Reiz liegt im Zusammenspiel zweier italienischer Liköre, die dem Drink eine feine Bitternote verleihen, ohne ihn dabei zu herb oder zu süß wirken zu lassen. Er ist unkompliziert in der Zubereitung, zugänglich im Geschmack und für uns schlichtweg einer der besten Cocktails, die in den letzten hundert Jahren erfunden wurden.

Rezept für den Paper Plane:

  • 22,5 ml Bourbon

  • 22,5 ml Zitronensaft

  • 22,5 ml Amaro Nonino

  • 22,5 ml Aperol

Zubereitung: 

Alle Zutaten zusammen mit Eis in den Shaker geben und etwa sechs bis zehn Sekunden lang kräftig schütteln. Den Drink anschließend pur in eine Cocktailschale oder ein klassisches Cocktailglas abseihen.

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Ponton Smash

Der Ponton Smash ist im Grunde ein Whiskey-Drink im Urlaubsmodus. Es ist, als hätte der Bourbon seinen schweren Wintermantel gegen ein Hawaiihemd getauscht, um zu beweisen, dass er auch Hochsommer kann – und er kommt damit durch. Das Ergebnis ist erfrischend tropisch und wunderbar würzig.

Dass dies einer der wenigen Tiki-Drinks auf Bourbon-Basis ist, die wirklich überzeugen, liegt nicht an einer komplizierten Rezeptur oder exotischen Zutaten aus fernen Ländern. Das eigentliche Geheimnis ist die fast schon magische Wirkung eines klug gewählten Absinths. Wir setzen hier auf den Butterfly Classic Absinthe, da seine feinen Anis- und Kräuternoten die übrigen Zutaten perfekt ergänzen.

Rezept für den Ponton Smash:

  • 55 ml Bourbon 

  • 4 ml Butterfly Classic Absinthe 

  • 22,5 ml Zitronensaft 

  • 30 ml Ananassaft 

  • 15 ml Zuckersirup 

  • 6–8 frische Minzblätter

Zubereitung: 

Alle Zutaten in einen Shaker geben und mit Eis sechs bis acht Sekunden lang kräftig schütteln. Die Minze muss vorher nicht zerstoßen werden – das übernimmt das Eis beim Schütteln. Den Drink durch ein feines Sieb auf frisches Eis in einen Tumbler abseihen. Mit einem Minzzweig garnieren und, wer es besonders festlich mag, mit einer Ananasscheibe oder einem Ananasblatt dekorieren.

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Lion's Tail

Dieser Klassiker aus dem Jahr 1937 bricht mit der Tradition: Anstelle der gewohnten Zitrone wird hier Limette verwendet und das Profil durch Pimentlikör ergänzt. Das verleiht dem Drink eine wohlige Würze, die ihn zum perfekten Begleiter für kühle Abende macht. Man könnte den Lion’s Tail fast als die karibische Antwort auf den Whiskey Sour bezeichnen – ein Drink, der die klassische Bourbon-Basis mit der intensiven, pikanten Aromenwelt Jamaikas zusammenbringt.

Rezept für den Lion's Tail:

  • 60 ml Bourbon

  • 22,5 ml Limettensaft

  • 15 ml Allspice Dram (Pimentlikör)

  • 7,5 ml Zuckersirup

Zubereitung: 

Alle Zutaten in den Shaker geben, mit Eis auffüllen und acht bis zehn Sekunden lang kräftig schütteln. Den Cocktail ohne Eis in eine vorgekühlte Schale abseihen. Als Garnitur passt eine Limettenzeste oder -scheibe.

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Cardboard Plane

Man kennt das: Man steht am Grill, die Spätnachmittagssonne brennt noch immer gnadenlos und man fragt sich kurz, ob es für den ersten Drink eigentlich schon spät genug ist – nur um den Gedanken im nächsten Moment mit einem Schulterzucken zu verwerfen. In solchen Momenten kämpfe ich oft mit widersprüchlichen Gelüsten: Für Whiskey ist es eigentlich zu heiß, aber die Lust darauf ist da. Schwere Süße passt nicht zur Hitze, aber der Drink soll erfrischend und sommerlich sein. Und man will zwar kein Glas Saft trinken, aber das Ergebnis soll bitteschön fruchtig-frisch sein.

Ein echtes Dilemma. Die Lösung? Ein Cardboard Plane. Er ist die sommerliche Antwort auf den genialen Paper Planevon Sam Ross, wirkt aber noch einen Tick spritziger als sein Vorbild. Während das Original auf tiefere Kräuternoten setzt, rückt diese Variante die Zitrusfrüchte klar ins Rampenlicht. Geblieben ist jedoch das spannende Zusammenspiel aus feinherben Noten und einem angenehm säuerlichen Finale.

Rezept für den Cardboard Plane

  • 30 ml Bourbon

  • 22,5 ml Cointreau

  • 15 ml Amaro Meletti

  • 22,5 ml Zitronensaft

  • 15 ml Grapefruitsaft

Zubereitung: 

Alle Zutaten in den Shaker geben und auf Eis kräftig schütteln. In einen Tumbler auf frisches Eis abseihen und mit einer Grapefruitzeste garnieren.

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Irish Breakfast

Es gibt so einige Cocktails, die unter dem Namen „Irish Breakfast“ firmieren, aber dieser hier ist ohne Zweifel der beste. Die Mischung aus irischem Whiskey, Zitronensaft, Orangenlikör und Orangenmarmelade ist klar, spritzig und einfach köstlich. Dabei spielt das Rezept dem irischen Whiskey perfekt in die Karten. Der Ire ist von Natur aus eher leicht und mild, mit einer feinen Malznote und wenig störenden Holz- oder Gerbstoffen.

Der Irish Breakfast nutzt diese Eigenschaften auf elegante Weise aus: Die dezente Getreidenote des Whiskeys bildet die ideale Basis für die intensiven Fruchtaromen von Likör und Marmelade. Da der Whiskey kaum Tannine mitbringt, ist ein Eiweiß zur Abrundung gar nicht nötig – die Marmelade übernimmt diesen Job und sorgt für eine süffige Textur.

Rezept für den Irish Breakfast:

  • 45 ml irischer Whiskey

  • 22,5 ml Zitronensaft

  • 15 ml Cointreau

  • 7,5 bis 15 ml Zuckersirup (je nach Geschmack)

  • 1 Barlöffel Orangenmarmelade

Zubereitung: 

Alle Zutaten in einen Shaker geben und Eis hinzufügen. Ein vorheriges Umrühren ist nicht nötig; durch das kräftige Schütteln löst sich die Marmelade perfekt auf. Den Drink pur in ein vorgekühltes Martini-Glas oder eine Cocktailschale abseihen und mit einer Orangenzeste garnieren.

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Penicillin

Einen Cocktail ausgerechnet „Penicillin“ zu nennen, ist eigentlich mutig – schließlich assoziiert man damit eher ein Sprechzimmer als eine Bar. Und doch ist dieser Drink der wohl größte Erfolg des neuen Jahrtausends. Lange Zeit war er ein reiner Insider-Tipp, den man sich in den Bars von New York hinter hervor gehaltener Hand empfahl, bis er schließlich einen weltweiten Siegeszug antrat. Heute können Sie ihn in fast jeder Bar – ob in New York, Neapel oder Nassau – bestellen. Genau wie seinen medizinischen Namensgeber gibt es ihn überall.

Die Geschichte beginnt beim Gold Rush. Als Sam Ross 2005 an dessen Rezeptur feilte, ersetzte er den Bourbon durch einen milden Blended Scotch. Das nahm dem Drink die schwere Süße und das wuchtige Holz-Aroma. Das Ergebnis war gut, aber noch eine Spur zu brav. Also halbierte Ross den Honiganteil und brachte stattdessen Ingwer ins Spiel. Plötzlich verwandelte sich der Whiskey Sour in ein Elixier mit wohliger Tiefe und markanter Schärfe – die Art von Allheilmittel, die die Großmutter früher wohl gegen jegliche Beschwerden verordnet hätte. Der eigentliche Clou kam jedoch ganz zum Schluss: Er setzte dem Drink eine feine Haube aus torfigem Islay-Scotch auf. Dieses rauchige, fast schon medizinische Aroma legt sich wie ein Parfüm über das Glas und macht den Drink erst zu dem Erlebnis, für das er heute weltweit gefeiert wird.

Rezept für den Penicillin:

  • 60 ml Blended Scotch

  • 22,5 ml Zitronensaft

  • 22,5 ml Honig-Ingwer-Sirup

  • 7,5 ml rauchiger Islay-Scotch 

Zubereitung: 

Blended Scotch, Zitronensaft und Sirup mit viel Eis etwa sechs bis acht Sekunden kräftig schütteln. In einen Tumbler auf frisches Eis abseihen. Zum Abschluss den rauchigen Scotch vorsichtig über den Rücken eines Barlöffels auf den Drink träufeln, sodass er als feine Schicht an der Oberfläche bleibt. Ein Stück kandierter Ingwer rundet das Ganze optisch ab – man kann die Garnitur aber auch weglassen, um den Duft des Whiskys nicht zu verfälschen.