Wie zwei Deutsche Ägypten zum Luxusziel machen

Florian Amereller und Philomena Schurer Merckoll betreiben Apartments in Kairo, Villen am Nil und ein Kreuzfahrtschiff, wie es Ägypten noch nie gesehen hat. Mit Egypt Beyond haben sie neu definiert, wie man das Land bereisen kann.
Text Mark Ellwood
Florian Amereller hat das Luxushotel Al Moudira vor drei Jahren von einer italienisch-libanesischen Designerin gekauft.

Über 20 Hektar erstreckt sich die Anlage, die jetzt neu neben dem Luxushotel Al Moudira entsteht – und doch schon wie ein Idyll aus vergangener Zeit wirkt: Bananenpalmen und Tomatenpflanzen gedeihen hier, im nährstoffreichen Boden am Nil bei Luxor. Auch Nutzvieh wird bereits gehalten, auf einem Teich schwimmen Enten. Überall stehen kleine Gebäude und schattige Unterstände. An einem von ihnen legen ein paar Frauen blattweise Papier aus: zum Trocknen in der Sonne, nachdem sie die Stücke gerade in traditioneller Handarbeit aus Zuckerrohrfasern hergestellt haben. Ein paar Keramikkünstler arbeiten konzentriert an Drehscheiben, andere Handwerker fertigen Vasen und Lampenschirme aus Alabaster, nutzen dafür Handkurbeln und andere Werkzeuge aus der ägyptischen Antike.

Al Moudira Hotel vereint Luxus mit Tradition

Alle Unterkünfte von Egypt Beyond vereinen entspanntes Flair mit antiker Tradition und modernem High-End-Luxus.

In der Boutique vom Al Moudira, dem benachbarten Luxushotel, kann man die Alabaster-Stücke kaufen. Bald sind Hotelgäste auch eingeladen, selbst welche herzustellen – in Kursen und Workshops unter Anleitung der Handwerker von nebenan. Ein Amphitheater für Konzerte ist auf dem Gelände bereits entstanden, ein eigenes Farm-to-Table-Restaurant befindet sich noch im Bau: Hier wird die britische TV-Köchin Gioconda Scott zunächst für ein Jahr ihre neue Wirkstätte finden. Schon für sich genommen ist die Anlage bemerkenswert. Sie verbindet entspanntes Flair mit antiker Tradition und modernem High-End-Luxus. Besonders erstaunlich: Noch vor wenigen Monaten lag die Fläche hier brach, war unbebaute Weite. Dann kam Florian Amereller, der neue Besitzer des Al Moudira. Der aus Deutschland stammende Jurist lebt seit den 1990er-Jahren in Ägypten. Das Land am Nil ist ihm zur zweiten Heimat geworden – und die Hotellerie zur Berufung. Jetzt initiiert er exklusive Tourismusprojekte, darunter Luxusapartments in Kairo, Villen am Nil und ein Kreuzfahrtschiff, wie es Ägypten noch nie gesehen hat.

Amerellers Engagement transformiert den gesamten ägyptischen Markt für Luxusreisen. Wer bisher auf Fünf-Sterne-Standard durch das Land reisen wollte, musste dabei viel improvisieren. Die gebotene Servicequalität schwankte stark von einem Ort zum anderen – oft war man gefordert, sich in Geduld und Nachsicht zu üben. Das Netzwerk von Amerellers Luxuslabel Egypt Beyond wird dieses Problem nun auf elegante Weise beheben. Und es kommt genau zur richtigen Zeit. Denn bei Reisenden mit gehobenen Ansprüchen zieht das Interesse für Ägypten gerade stark an: Die Analysten der Firma Deep Market Research gehen sogar davon aus, dass sich das Marktvolumen bis 2033 verdoppeln könnte.

Ägypten zieht immer mehr Reisende an

Das Al Moudira liegt am Westufer des Nils – und umfasst 54 Suiten, diverse Patios und üppige Gärten.

„Kairo gehört heute zu den aufregendsten Metropolen des Planeten”, sagt Philomena Schurer Merckoll, Amerellers Geschäftspartnerin bei Egypt Beyond. Sie stammt ebenfalls aus Deutschland, hat 2014 in Marrakesch ein eigenes Hotel, das Riad Mena, gegründet. „Als ich zum ersten Mal nach Marrakesch kam, war die Stadt noch ein Geheimtipp, stand am Anfang seiner Entwicklung”, sagt sie. „In Kairo erlebe ich heute ein ganz ähnliches Flair, eine Aufbruchstimmung.” Auch Cari Gray von Gray & Co, einem Spezialisten für exklusive Abenteuerreisen, bestätigt die neue Lust auf Luxusreisen an den Nil: „Wir reden hier immerhin von der Wiege der westlichen Zivilisation; für wohlhabende Reisende mit kulturellem Interesse hat das starke Zugkraft.” Gray kennt die Szene genau, erzählt von diversen Luxusanbietern, die nun neue Projekte planten. „Doch kein Unternehmen engagiert sich auch nur annähernd so konsequent wie Egypt Beyond”, sagt sie.

Amereller und Schurer Merckoll, die beiden deutschen Macher von Egypt Beyond, scheinen sich auf perfekte Weise zu ergänzen: Amereller, 1965 geboren, ist am Nil bestens vernetzt. Dazu bringt die 1983 geborene Schurer Merckoll, die zeitweise in London, Paris, New York und Mexiko-Stadt gelebt hat, das Verständnis für eine junge, kosmopolitische Generation von Luxusreisenden mit ein – ein wichtiger Baustein. Das Al Moudira, das Kronjuwel von Egypt Beyond, steht bei Luxor in privilegierter Lage – am Westufer des Nils und damit nur eine kurze Fahrt von den berühmten Nekropolen im Tal der Könige entfernt. Alle anderen Hotels befinden sich am Stadtrand, am östlichen Flussufer. Zum weitläufigen Al-Moudira-Komplex gehören üppige Gärten, diverse Patios und 54 Suiten. Seine frühere Besitzerin, die italienisch-libanesische Designerin Zeina Aboukheir, hat ihn selbst gestaltet. Vor drei Jahren hat Aboukheir das Al Moudira an Amereller verkauft, sie lebt aber bis heute hier.

Authentische Erlebnisse mit Egypt Beyond

Als sei die Zeit stehen geblieben: Die Suiten spiegeln traditionelles ägyptisches Handwerk wider.

Auch bei anderen Projekten von Egypt Beyond gehört es zum Konzept, eng mit den Dorfgemeinschaften vor Ort zusammenzuarbeiten und sie auf diese Weise am Erfolg zu beteiligen. So hat Florian Amerellers Ehefrau, die Ecuadorianerin Margarita Andrade, die Initiative Threads of Hope gegründet: Frauen lernen hier Handarbeitstechniken, produzieren dann Textilien für das Label Malaika; mit dessen Stücke ist das Al Moudira geradezu gespickt. „Die Art und Weise, wie wir Luxus interpretieren, setzt stark auf Authentizität”, erklärt Philomena Schurer Merckoll, Amerellers Geschäftspartnerin. „In Ägypten gibt es diesen unglaublichen Reichtum an alter Tradition und Kultur. Und Egypt Beyond steht genau dafür, diese Traditionslinien authentisch erfahrbar zu machen. Wir orientieren uns dabei nie an irgendwelchen Marketinganalysen. Sondern nur an dem, was uns selbst begeistert.”

Dass die beiden ihre Projekte nicht vor allem als Arbeit, sondern vielmehr als Lebensinhalt begreifen, ist ihnen anzumerken: So inspiziert Amereller die Baustelle, die das Al Moudira nun um einige Cottages erweitern soll, mit energischen Schritten – und trotz des Staubs in feinen Loafern. Neben der Köchin Gioconda Scott und ihrer Familie werden hier bald auch andere Kreative einziehen. „Ich möchte Künstler und Schriftsteller einladen, will ihnen so die Möglichkeit bieten, sich von Ägypten inspirieren zu lassen”, sagt er. Dann greift er zum Mobiltelefon, kommentiert den Stand der Baustelle erst mal in einer Serie von WhatsApp-Sprachnachrichten. Sein Handy ist im Dauereinsatz, hängt deshalb ständig an einer Powerbank. Kein Wunder: Neben Al Moudira hat Amereller noch eine Reihe anderer Projekte zu betreuen.

Die Villa Beit el Nil bietet zwölf Suiten

Hotelgästen steht ein Oldtimer-Fuhrpark zur Verfügung, um Sehenswürdigkeiten zu erkunden.

Etwa die Villa Beit el Nil, die nur eine kurze Fahrt entfernt am Rand von Luxor liegt. Sie bietet zwölf Suiten und üppige, grüne Gärten. Amereller hat sie von einer Schweizerin gekauft, lässt das Anwesen nun aufwendig kernsanieren, unter anderem mit extradicken Marmorplatten für den Pool direkt am Flussufer. „Die Handwerker stellt das vor eine erhebliche technische Herausforderung. Dünneren Marmor könnte man deutlich einfacher verbauen”, erklärt Amereller. Ein Argument dafür, auf die leichtere Lösung zu setzen, ist das natürlich nicht.

Zur Villa gehört ein eigener Steg, hier kann eine Dahabeya anlegen. Egypt Beyond betreibt bereits so ein Segelboot von traditioneller ägyptischer Bauart, die Set Nefru mit ihren immerhin fünf Kabinen. Von Amerellers ambitioniertem Bootsneubau wird sie aber noch bei Weitem übertroffen. „Die Idee dazu hat uns alle gleich begeistert – so fangen Projekte bei Amereller meistens an”, erzählt der Architekt und Bauunternehmer Osama Kamal. Der Mann mit dem verschmitzten Lächeln gehört ebenfalls zu den kreativen Köpfen bei Egypt Beyond. Er war einst von Ägypten nach Kanada emigriert. Später entschloss er sich zurückzukehren – und selbst tatkräftig dazu beizutragen, sein Heimatland nach vorne zu bringen.

Ein Kreuzfahrtschiff, um den Nil zu erkunden

Die „spektakuläre Idee”, von der Kamal spricht, ist ein Kreuzfahrtschiff mit erstaunlichen Dimensionen: Fast sechs Meter breit, 55 Meter lang – Nil-Lizenzen für solche Schiffe sind rar. In der Nile Canopus, so der Name des Schiffs, hat Kamal acht Standardkabinen untergebracht, dazu vier Suiten mit privaten Balkonen. Die Kombination von High-End-Luxus und traditionellem Kunsthandwerk, die bereits das Al Moudira auszeichnet, prägt jetzt auch die Nile Canopus. Bei ihrer Gestaltung konnte Kamal so ein Stück vom Kulturerbe seines Landes sichern. 

Die Arbeiten am Al Moudira hat Kamal ebenfalls übernommen, daneben modernisiert er gerade vier Apartments in Kairos markantem Immobilia-Gebäude, einem Art-déco-Hochhaus aus der Mitte des 20. Jahrhunderts. Vor ein paar Jahren hatte Amereller einen Bewohner des Gebäudes bei einer Reise kennengelernt – und sich spontan entschlossen, die Wohnungen zu kaufen. Mit ihrem edlen Interieur bilden die vier Apartments einen starken Kontrast zur Lobby des Gebäudes, die, freundlich gesagt, charmante Patina angesetzt hat. Am meisten Eindruck macht dabei das Apartment im elften Stock, dessen Terrasse eine spektakuläre Perspektive auf die Hektik der Metropole bietet – vor allem abends, wenn die Sonne am Horizont versinkt und sich das Hupen der Autos mit den Gebetsrufen der Muezzine mischt.

Reisen werden individuell konzipiert

Zu den weiteren Projekten, die Amereller und Kamal gerade gemeinsam gestalten, gehört eine Luxusvilla in der zwei Stunden von Kairo entfernt gelegenen Stadt Al-Fayyūm, einem beliebten Wochenendziel wohlhabender Einheimischer. Damit wächst das Netzwerk erstklassiger Immobilien bei Egypt Beyond weiter. Seinen Gästen kann das Unternehmen so eine Reihe vorab konzipierter Reiseverläufe bieten: Sie kombinieren Aufenthalte in den Villen, im Al Moudira und den Immobilia-Apartments mit Nilkreuzfahrten. Dabei gilt oft: Weniger ist mehr! „Wer Ägypten bereist, sollte nicht einfach eine Sehenswürdigkeit nach der anderen abhaken”, sagt Christopher Wilmot-Sitwell von Cazenove + Loyd. „Es macht viel mehr Sinn, länger an einem Ort zu bleiben, einen entspannteren Reiserhythmus zu etablieren. Egypt Beyond versteht das besser als fast jeder andere Anbieter.”

So wird die Nile Canopus künftig in gemächlicher Geschwindigkeit zwischen Assuan und Luxor kreuzen. Auf Gästewunsch macht der Kapitän bei der Egypt-Beyond-Villa Beit el Nil fest, etwa für einen Tagesausflug zu den erstaunlich gut erhaltenen Reliefs des Chnum-Tempels in Esna. Wie auch das Al Moudira liegt Beit el Nil am westlichen Flussufer, nicht weit vom Tal der Könige. Und bereits diese Lage ist purer Luxus, sie ermöglicht ein exklusives Erlebnis: Mit einem Mercedes-Benz W110, einem Auto aus der Oldtimer-Flotte von Egypt Beyond, kann man sich früh morgens zu den historischen Stätten chauffieren lassen – und dann kurz nach Sonnenaufgang, noch vor allen anderen Besuchern, zwischen den Grabkammern umherschlendern.

Da wird einem klar: Ägypten ist nichts, was man einfach mit dem nüchternen Verstand begreifen kann. Man muss das Land mit den eigenen Sinnen sehen, schmecken, riechen, mit dem eigenen Körper erfahren, es tiefer in das eigene Sein einsickern lassen. Und genau diese Möglichkeit bietet Egypt Beyond. Cari Gray von Gray & Co. formuliert es so: „Florian Amereller ist ein Visionär – der nun neu definiert, wie man Ägypten erleben kann.”