Liebesgrüße aus Korea: der Genesis G70 Shooting Brake im Test

Sportlicher Kombi oder geräumiges Coupé? Genesis stellt seine neues Modell für den europäischen Markt vor. Eine Probefahrt.
By Tim Gutke
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Genesis G70 Shooting Brake in "Mallorca Blue"

Das Wetter in Lissabon ist so gar nicht das, was man sich für eine Ausfahrt mit dem neuen G70 Shooting Brake wünscht. Oder vielleicht genau das? Alles eine Frage des Betrachtungswinkels und des Ziels. Die Verantwortlichen von Genesis hätten sich sicher Sonnenschein gewünscht, mir kam der Regen ganz recht.

Ein geräumiges Coupé als Markenbotschafter

Der G70 Shooting Brake ist ein sportlicher Kombi. Oder ein geräumiges Coupé – auch eine Frage des Betrachtungswinkels. Es ist das fünfte Modell, das der noch junge koreanische Autohersteller Genesis, 2015 wurde die Marke gegründet, nun in Europa lanciert – und der G70 Shooting Brake ist extra für den europäischen Markt entwickelt und abgestimmt worden. Zwei Motorenvarianten, beides Reihen-Vierzylinder, stehen zur Auswahl: ein 2,2-Liter-Diesel mit 200 PS und ein 2-Liter-Benziner, einmal mit 195 PS und in der Turbo-Variante mit 245 PS. Optional sind der Diesel und der Benziner auch mit Allrad ausgestattet. Für Genesis ist der Verbrenner aber „nur“ so etwas wie ein Markenbotschafter, der Schneepflug für den europäischen Markt, denn ab 2025 sollen nur noch Elektrofahrzeuge gebaut werden, und ab 2035 sollen die gesamte Produktion sowie die Modellpalette CO2-neutral sein – Musik von morgen.

G70 Shooting Brake

Der Fahrbericht

Heute entscheide ich mich für einen blauen Diesel. Die Farbe trägt den klangvollen Namen Mallorca Blue – nicht ganz korrekt verortet, aber schön anzusehen. Die Ausstattungslinie ist die Sport-Line, davor gibt es noch Premium und Luxus. Die ersten Schritte um den G70 Shooting Brake offenbaren ein sportliches Design und die schnittige Linie. Die Front- und Rückleuchten, die das Genesis-Flügel-Emblem andeuten, sind das Markenzeichen und geben dem Shooting Brake ein dynamisches Aussehen – lange Haube und ein abfallendes Heck. Das Interieur ist aufgeräumt, und die mit gestepptem Nappaleder bezogenen Sitze vermitteln ein warmes Homecoming-Gefühl. Zeit für den Aufbruch.

Der Regen schlägt in dicken Tropfen auf die große Windschutzscheibe, der Shooting Brake zieht sich wie auf Schienen durch die Serpentinen. Das Allradgetriebe hält die 1875 Kilo auch bei hohen Geschwindigkeiten spursicher. Und wechselt man doch mal die Spur – wissentlich, versteht sich –, offenbart sich ein feines Detail. Sobald der Blinker betätigt wird, liefert eine Kamera am Rückspiegel ein Livebild der rückwärtigen Situation in die Armaturen. Zehn Airbags sind im Shooting Brake verbaut, darunter auch ein neuartiger Mittelairbag, der bei einem Seitenaufprall Fahrer und Beifahrer voneinander trennt. Bei der Ausfahrt wird schnell klar: Wenn nötig greifen die Bremszangen von Brembo ordentlich zu und vermitteln das Gefühl, immer Herr der Lage zu sein. Und als dieser Herr der Lage habe ich auch die vorgeschlagene Route verlassen. Wo ich hinwill? Zum Atlantik

Dort möchte ich den Luxus genießen, den der G70 Shooting Brake, neben einem beeindruckenden Soundsystem und überzeugenden Fahrleistungen, verspricht: Raum. Und da ist mir der Regen ziemlich egal. Am Praia Grande angekommen, steuere ich den Wagen mit dem Heck zum Meer in eine Parklücke. In Sekundenschnelle sind die hinteren Sitze umgelegt, und das Kofferraumvolumen vergrößert sich von 465 auf 1535 Liter. Mit offener Heckklappe mache ich es mir im Fond gemütlich. Ich rolle meine Windjacke zu einem Kissen, schaue den Wellen beim Laufen zu und genieße die Regentropfen, die auf dem Dach eine Melodie spielen. Mehr Luxus geht nicht, Raum, wann immer man ihn will.

 

Der G70 Shooting Brake als Einstiegsmodell kostet 40.300 Euro. Der Testwagen in der Sport-Line-Variante, mit Vierzylinder-Diesel-Motor und Allradantrieb kostet 48.960 Euro.