Die 11 besten Uhren-Neuheiten der Watches & Wonders

Von farbigen Zifferblättern bis zu ultraflachen Gehäusen: Welche Uhrenmodelle unsere Redaktion auf der diesjährigen Uhrenmesse in Genf überzeugt haben.
Text Justin Fenner

Die Watches & Wonders in Genf hat in diesem Jahr alle Rekorde gebrochen. Mit insgesamt 66 ausstellenden Marken gab es auf der weltweit wichtigsten Uhrenmesse eine Flut an Neuheiten zu entdecken – und wahrscheinlich mehr begehrenswerte Referenzen zum Anprobieren, Analysieren und Bestaunen als je zuvor.

Vielleicht hat es deshalb etwas länger gedauert als üblich, bis die Redakteure von Robb Report ihre persönliche Auswahl der Messe-Highlights getroffen haben. Unsere Liste der besten neuen Luxusuhren reicht von innovativen unabhängigen Manufakturen wie H. Moser & Cie. bis hin zu den Branchengrößen wie Rolex und Cartier.

Dabei stehen technische Innovationen und meisterhaftes Design genauso im Fokus wie die unmittelbare Begehrlichkeit, die diese Zeitmesser ausstrahlen. Die langjährige Expertin Victoria Gomelsky bringt es auf den Punkt: „Es gibt verschiedene Wege, wie ein Redakteur eine Uhr bewerten kann: Ist sie ästhetisch ansprechend? Bietet sie mechanische Raffinessen? Wie innovativ ist das Design oder die Uhrmacherkunst? Und dann gibt es die wichtigste aller Fragen: Würde ich sie selbst gerne am Handgelenk tragen?“

1

Patek Philippe 50th Anniversary Nautilus

Ein Geständnis vorab: Ich war nie ein „Nautilus-Typ“. So sehr ich die Verehrung für dieses Modell auch nachvollziehen konnte, am Handgelenk fühlte sich die Uhr für mich stets eine Spur zu präsent an. Das änderte sich schlagartig mit der Jubiläumsedition zum 50. Jahrestag, der Ref. 5610/1P-001. Stephen Watson, Experte beim Robb Report, bezeichnete sie als „stillen Star“ der Messe – und das trifft es auf den Punkt. 

Gefertigt aus edlem Platin, reduziert auf eine schlichte Zeitanzeige und veredelt mit einem einzelnen Diamanten bei 9 Uhr, strahlt sie eine markante und doch subtile Eleganz aus. Das Geheimnis liegt in den perfekt austarierten Proportionen: Das Gehäuse misst klassische 38 mm und die Bauhöhe beträgt beeindruckende 6,9 mm – ein technisches Meisterwerk. Anstatt dominant auf dem Handgelenk zu thronen, scheint die Uhr förmlich mit ihm zu verschmelzen. Dadurch tritt die Technik in den Hintergrund und lässt Gérald Gentas ikonisches Design für sich selbst sprechen. Kurzum: Ich bin restlos überzeugt. —John Vorwald, Executive Editor

2

Parmigiani Fleurier Toric Petite Seconde

Kein Zweifel: 2026 war das Jahr der blauen Zifferblätter. Chopard präsentierte mit der L.U.C 1860 in „Areuse Blue“ – einem Farbton, der vom Fluss Areuse nahe der Manufaktur im Val-de-Travers inspiriert ist – ein echtes Highlight. Ebenso bemerkenswert war die hauchdünne L.U.C XPS in Preußischblau. Grand Seiko setzt dem Trend ein tiefes Indigo entgegen: Die neue Spring Drive kombiniert diesen satten Ton mit dem filigran texturierten „Iwao“-Muster. 

Mein persönlicher Favorit war jedoch die Parmigiani Fleurier Toric Petite Seconde. Ihr Zifferblatt in „Morning Blue“, von Hand in 18-karätiges Weißgold gehämmert, soll an den Himmel im ersten Morgenlicht erinnern – auch wenn die schimmernde Oberfläche ebenso an ein sanft bewegtes Meer denken lässt. Die kleine Sekunde bildet einen spannenden Kontrast. Zusammen mit dem 40-mm-Platingehäuse und der fein kannelierten Lünette verkörpert diese Uhr einen Minimalismus, der alle Blicke auf sich zieht. Mein einziger Kritikpunkt? Dass lediglich 30 Exemplare gefertigt werden – eine viel zu geringe Stückzahl für eine der zweifellos besten Uhren der Messe. —John Vorwald, Executive Editor

3

Parmigiani Fleurier Toric Chronograph Rattrapante

Seit meinem ersten Besuch in der Manufaktur habe ich eine Schwäche für Parmigiani Fleurier. Unvergessen bleibt das Atelier, in dem Firmengründer Michel Parmigiani antike Zeitmesser restauriert – Meisterstücke, wie man sie sonst nur in der Eremitage oder im Louvre findet. Diese königlichen „Spielzeuge“ einmal außerhalb einer Museumsvitrine zu erleben, war beeindruckend. Schließlich haben viele der besten Uhrmacher ihr Handwerk genau hier gelernt: in der Restaurierung. 

Unter CEO Guido Terreni hat die Marke endlich eine Designsprache gefunden, die ihrem uhrmacherischen Können ebenbürtig ist. Der Toric Chronograph Rattrapante ist das beste Beispiel: Ein Gehäuse aus Platin trifft auf ein handgehämmertes Zifferblatt in sanftem Seegrün. Ein Blick durch den Sichtboden auf das handaufgezogene Manufakturkaliber PF361 aus 18 Karat Roségold genügt, um zu verstehen, warum diese Uhr in einer ganz eigenen Liga spielt. —Paige Reddinger, Deputy Editor, Watches & Jewelry Editor

4

Cartier Grain de Café

In der Uhrmacherei dreht sich vieles um die Mechanik, doch die kunsthandwerkliche Präzision auf so kleinem Raum ist mindestens genauso eindrucksvoll. Ein Modell, das mich auf der Watches & Wonders besonders begeistert hat, ist die Cartier Grain de Café, denn sie zeigt, wie sich die Maison immer wieder selbst übertrifft.

Berühmt wurde das Design durch Grace Kelly, die das Motiv als Collier im Film High Society trug. Heute steht es manchmal im Schatten anderer Bestseller des Hauses, doch diese Neuheit rückt das Design wieder ins Rampenlicht: Die kleinen, gravierten Kaffeebohnen aus 18 Karat Gold sind teilweise beweglich gelagert und folgen jeder Geste des Handgelenks.

Obwohl die Uhr die dramatische Ausstrahlung eines High-Jewelry-Zeitmessers besitzt, setzt Cartier Edelsteine vergleichsweise dezent ein. Diamanten finden sich lediglich an den Spitzen der Bohnen sowie auf dem Zifferblatt und der Lünette. Für mich war dieses Modell die wohl schönste Überraschung der Messe. —Paige Reddinger, Deputy Editor, Watches & Jewelry Editor

5

Jaeger LeCoultre Master Control Perpetual Calendar

Die Entscheidung ist mir wirklich schwer gefallen – es gab dieses Jahr einfach zu viele Neuheiten, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Doch zwei Modelle stechen für mich heraus, was unter anderem an ihrer flachen Bauweise liegen mag.

Die neue Jaeger-LeCoultre Master Control Perpetual Calendar in Roségold bringt enorme Präzision in einem Gehäuse von gerade einmal 39 mm Durchmesser und 9,2 mm Höhe unter. Ich könnte Stunden damit verbringen, dem extrem übersichtlichen Zifferblatt dabei zuzusehen, wie es Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Monate, Jahre und Mondphasen zählt – weit länger, als es mein Terminkalender eigentlich zulässt. (Das Modell ist übrigens auch in Edelstahl mit blauem Zifferblatt erhältlich, was die Entscheidung allerdings kein Stück einfacher macht.) —Justin Fenner, Lifestyle Director

6

Vacheron Constantin Overseas Self-Winding Ultra Thin

Noch flacher, aber optisch ein ebenso großes Vergnügen, ist die neue Vacheron Constantin Overseas Self-Winding Ultra-Thin. Sie verbindet die kühle Präsenz eines Platingehäuses (mit 39,5 mm Durchmesser und einer Höhe von nur 7,35 mm) mit der Wärme eines lachsfarbenen Zifferblatts mit Sonnenschliff. Verkauft wird sie an einem Gliederband aus Platin, doch Sammler dürfen sich zusätzlich auf beigefarbene Leder- und Kautschukbänder freuen. Das macht sie zu einem der vielseitigsten Modelle der Messe. —Justin Fenner, Lifestyle Director

7

Rolex Oyster Perpetual 28

Ich habe in Genf viele Zeitmesser bewundert, doch nur eine Handvoll davon würde ich tatsächlich selbst tragen. Ganz oben auf dieser Liste steht für mich die Rolex Oyster Perpetual 28 mit grünem Lackzifferblatt. Das Gehäuse aus 18 Karat Gelbgold beherbergt eine Besonderheit: Die drei Stundenindizes bei 3, 6 und 9 Uhr sind aus Heliotrop gefertigt. Dieser Stein, besser bekannt als „Blutstein“, ist ein tiefgrüner Chalcedon-Quarz mit charakteristischen roten Einschlüssen aus Eisenoxid. Typisch für Rolex: Das Haus greift einen Trend auf, der fast schon überreizt wirkte (Steinzifferblätter!) und verleiht ihm eine subtile, höchst ungewöhnliche Note. Doch viel wichtiger als die Theorie: Am Handgelenk sieht dieses Modell einfach umwerfend aus. —Victoria Gomelsky, Contributor

8

Bulgari Octo Finissimo 37 MM

Für mich teilen sich zwei Modelle den ersten Platz, wobei es mir die Bulgari Octo Finissimo in 37 mm besonders angetan hat. Tatsächlich habe ich jahrelang auf genau diese Größe gehofft. Mein Favorit ist die Variante aus mattem Titan, die den architektonischen Charakter der Serie am stärksten betont. Ich würde sie ohne zu zögern in meine Sammlung aufnehmen – auch wenn ich bei ihrer Wasserdichtigkeit wohl eher kein Risiko eingehen würde. —Oren Hartov, Contributor

9

H. Moser & Cie. Streamliner

Die zweite Uhr in meinem persönlichen Ranking ist die H. Moser & Cie. Streamliner mit einem Durchmesser von 34 mm. Während ich bei Bulgari wusste, was mich erwartet, war dieses Modell eine echte Überraschung für mich. Es gibt nur eine einzige Ausführung mit einem Zifferblatt im „Frosted Silver Fumé“-Look, aber die ist perfekt. —Oren Hartov, Contributor

10

Parmigiani Fleurier Tonda PF Chronograph Mystérieux

Wer den klassischen Look eines Chronographen mag –mit all den typischen Totalisatoren für Minuten, Stunden und Sekunden–, für den ist die Tonda PF Chronograph Mysterieux vermutlich die falsche Wahl. Doch für alle, die zwar die Funktion schätzen, aber sich an der optischen Unruhe auf dem Zifferblatt stören, ist dieses Modell eine Offenbarung. 

Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine schlichte Dresswatch, doch unter der Oberfläche verbirgt sich eine technische Besonderheit: Im Alltag zeigen rhodinierte Zeiger ganz klassisch die Zeit an. Aktiviert man jedoch den Chronographen, springen diese Zeiger auf die Nullposition und verwandeln sich in Stoppzeiger. Im selben Moment übernehmen darunter liegende Zeiger aus Roségold die Anzeige der laufenden Uhrzeit. Ein Druck auf den Drücker bei 7 Uhr stellt den ursprünglichen Zustand wieder her. So bleibt die Bühne frei für das, was die Tonda PF ausmacht: das im Grain-d’Orge-Stil guillochierte Zifferblatt in einem tiefen Mineralblau. —Carol Besler, Contributor

11

Hermès Slim d’Hermès Squelette Lune

Früher schlug mein Herz fast ausschließlich für robuste Tool-Watches. Doch nach einer Woche in Genf mit einer grazilen 35 mm Credor am Handgelenk haben sich meine Prioritäten verschoben. Mein Favorit war eine Uhr, die eigentlich gar nicht in mein Beuteschema passt: die Slim d’Hermès Squelette Lune.

Es ist erstaunlich, wie konsequent Philippe Delhotal die moderne Designsprache von Hermès vorantreibt. Während die monochrome Titan-Version eine Fortführung der Linie ist, hat mich vor allem die Platin-Edition in ihren Bann gezogen. Der kühle Glanz des Platins kontrastiert hervorragend mit der tiefblau gehaltenen Skelettierung. Mit einer Höhe von nur 8,8 mm bei einem Durchmesser von 39,5 mm wirkt die Uhr trotz ihrer luxuriösen Materialwahl sehr diskret. Auch wenn ich mir das Gehäuse vielleicht noch einen Tick kleiner gewünscht hätte, sitzt sie dank der kurzen Bandanstöße perfekt am Handgelenk. —Thor Svaboe, Contributor