Diese Beautymarke entstand auf der Bühne

Andy Coxon und Ed Currie gründeten AKT London aus einem Zufall heraus. Im Interview sprechen die ehemaligen Schauspieler über ihr Erfolgsrezept – und darüber, was sie anders machen als die Konkurrenz.
Text Anna Walter
Mit gutem Gewissen: Alle Produkte von AKT bestehen ausschließlich aus natürlichen Inhaltsstoffen und sind plastikfrei verpackt.

Manchmal entstehen die erfolgreichsten Szenen ohne Drehbuch. Das gilt auch für Andy Coxon und Ed Currie, die sich auf einer Bühne im Londoner West End kennenlernten. Jeden Tag standen die Schauspieler unter heißem Scheinwerferlicht und mussten sich in schweren Kostümen bewegen. Weil ihre Suche nach einem hochwirksamen Deodorant mit natürlichen Inhaltsstoffen vergeblich war, beschlossen die beiden Briten, eigene Rezepturen anzurühren. Was als Hobby in ihrer Küche begann, wurde 2020 zu ihrem Hauptberuf. Heute ist AKT London in über 30 Ländern erhältlich und umfasst neben Deodorants auch Duschgele, Peelings, Cremes und Körperöle. Wieso sich ihr Deodorant inzwischen millionenfach verkauft, erzählen die Gründer im Interview.

Statt auf ein Roll-On oder Spray setzt AKT auf einen Deo-Balsam, der erst schmilzt, wenn er mit der Haut in Berührung kommt.

Die meisten Start-ups entstehen am Schreibtisch: Erst kommt der Businessplan, danach das Produkt. Sie sind den umgekehrten Weg gegangen – fast schon gegen jede unternehmerische Vernunft.

Andy Coxon: Wir hatten nie vor, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Nachdem wir kein Deodorant gefunden hatten, das unseren Anforderungen entspricht, haben wir angefangen, mit verschiedenen Inhaltsstoffen zu experimentieren. Unseren Kollegen im West End haben wir kleine Tiegel zum Testen gegeben und als plötzlich alle unser Deodorant kaufen wollten, wurde uns bewusst, dass wir ein Produkt erschaffen hatten, dass die Menschen wirklich haben möchten.

Sie haben dafür den so genannten Deo-Barrier-Complex™ patentieren lassen. Was steckt dahinter?

Ed Currie: Der Hauptunterschied zu herkömmlichen Deodorants liegt in der Textur. Statt auf ein Roll-On oder Spray setzen wir auf einen Balsam, der erst schmilzt, wenn er mit der Haut in Berührung kommt. Der Komplex basiert auf fünf pflanzlichen und mineralischen Pudern, darunter Zink, Magnesium und Kieselerde. Sie reinigen die Haut, neutralisieren Gerüche und absorbieren Schweiß, ohne dabei die Poren zu verstopfen.

Inzwischen ist Ihr Balsam das am häufigsten ausgezeichnete Deodorant in Großbritannien. Was machen Sie anders als die Konkurrenz?

Ed Currie: Die meisten Kosmetikmarken werden von Marketing-Profis oder Prominenten gegründet – unsere Entstehungsgeschichte ist in dieser Hinsicht einzigartig. Während Deodorants mit natürlichen Inhaltsstoffen oft nicht so wirksam sind, wurde AKT entwickelt, um extremen Bedingungen standzuhalten. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Optik. Unser Design ist eine Hommage an das Theater: Die Typografie ist von den Leuchtschriften am Eingang inspiriert und auf den Verpackungen findet man Szenenbeschreibungen, die den jeweiligen Duft zum Leben erwecken.

Mit Zedernholz, Eukalyptus und Orange soll „After Thunder“ etwa den Geruch eines Waldspaziergangs nach einem Gewitter einfangen und „Halycon Summers“ an einen Urlaub in Griechenland erinnern.

Ed Currie: Die Duftrichtungen bei Deodorants sind oft sehr eindimensional und klar nach Geschlechtern getrennt. Wir hatten keine Lust mehr auf diese standarisierten Gerüche und wollten stattdessen Unisex-Düfte entwickeln, die Charakter haben – wie ein Parfüm

Bevor sie AKT gründeten, arbeiteten Sie als Schauspieler. Welche Eigenschaften aus Ihrer Zeit im West End helfen Ihnen heute dabei, ein Unternehmen zu führen?

Ed Currie: Disziplin ist am Theater nicht verhandelbar – wer seinen Einsatz verpasst oder seine Position nicht hält, ist raus. Man geht nur auf die Bühne, wenn man zu einhundert Prozent vorbereitet ist, weil das Publikum jedes Mal eine außergewöhnliche Performance erwartet. Genau diesen Anspruch haben wir auch auf unser Unternehmen übertragen.

Andy Coxon: Tatsächlich besteht der Großteil unseres Teams aus ausgebildeten Schauspielern. Sie sind sehr gut darin, Probleme zu lösen und haben ein hervorragendes Gespür für Menschen. Dass wir heute da stehen, wo wir sind, verdanken wir genau diesen Eigenschaften. Wir haben uns nie davor gescheut, andere um Rat zu fragen. Natürlich haben nicht alle geantwortet, aber aus einigen Kontakten wurden Mentoren – und aus manchen dieser Mentoren wurden später Investoren.

Ihre Disziplin scheint sich auszuzahlen – alle 30 Sekunden verkauft sich bei AKT ein Produkt. Wer sind Ihre Kunden?

Andy Coxon: Ursprünglich hatten wir eine sehr spezifische Person vor Augen. Jemanden, der morgens ein Workout bei Barry’s macht, anschließend mit einem maßgeschneiderten Hemd im Büro erscheint und nach der Arbeit ins Soho House geht. Inzwischen haben wir festgestellt, dass unsere Marke weit über diese Nische hinausreicht. Unsere Kunden sind zwischen 18 und 60 Jahre alt und kommen aus allen Einkommensschichten – von Berufseinsteigern bis hin zu Top-Managern. Am Ende des Tages braucht eben jeder ein Deodorant, auf das er sich verlassen kann.