Sid Mashburn über Mode, Musik und seine Rolex Explorer

Bei dem enormen Einfluss, den Sid Mashburn auf den Stil amerikanischer Männer hat, könnte man vermuten, er stamme aus einer der großen Modemetropolen des Landes. Doch die Leidenschaft des stolzen Südstaatlers für den Einzelhandel wurzelt in der Kleinstadt Brandon, Mississippi. Dort beobachtete er seine Familie beim Betrieb lokaler Geschäfte für Möbel, Eisenwaren und Kleidung. Nach seinem Studium an der „Ole Miss“ zog es ihn Mitte der 1980er-Jahre nach New York. Dort veränderte die Begegnung mit der Vogue-Redakteurin Ann Daggett sein Leben in zweierlei Hinsicht: Sie machte ihn mit einem damals noch jungen Versandhandel namens J.Crew bekannt, der ihn kurz darauf als Menswear-Designer einstellte – und sie wurde 1987 seine Ehefrau.
Nach Stationen bei Ralph Lauren, Tommy Hilfiger und Lands’ End eröffnete Mashburn 2007 sein erstes eigenes Herrengeschäft in Atlanta. Inzwischen umfasst sein Unternehmen acht Standorte in den USA und zieht eine illustre Kundschaft an – von Arnold Schwarzenegger bis André 3000. Doch ob prominent oder nicht, Mashburn legt Wert auf erstklassigen Service für jeden. „Das ist gar nicht so sehr eine Frage von Großzügigkeit, wie man vielleicht meint“, erklärt er. „Ich mache das vor allem deshalb, weil es mir selbst ein gutes Gefühl gibt, wenn Menschen bei uns exzellent betreut werden.“ Hier gibt Mashburn Einblick, wie er für sich selbst und sein persönliches Umfeld sorgt.

Was ist das Erste, was Sie morgens tun?
Ich drehe mich um, greife nach meiner Brille und meinem Handy. Ich checke das Wetter und die Schlagzeilen und schleiche mich dann aus dem Zimmer, weil meine Frau noch schläft. Dann nehme ich mir Zeit zum Lesen und Beten. Das Highlight des Morgens ist aber, dass ich den Kaffee für Ann koche.
Welche Apps nutzen Sie am meisten?
Vor kurzem habe ich Radio Garden für mich entdeckt. Ich zeig’s Ihnen mal: All diese Punkte auf der Weltkarte sind Radiosender. Wenn ich hier draufdrücke, hören wir sofort, was dort gerade live läuft.
Haben Sie persönliche Rituale?
Jeden Morgen beende ich meine Dusche mit 90 Sekunden eiskaltem Wasser. So kalt und mit so viel Druck wie möglich. Das macht einen richtig wach.
Was erledigen Sie noch ganz analog?
Meinen Kalender führe ich mit Bleistift, weil sich ständig etwas ändert. Und ich höre Schallplatten. Wir spielen in jedem unserer Geschäfte Platten ab, daher hat jedes von ihnen eine ziemlich gute Sammlung.
Welches Teil in Ihrem Kleiderschrank tragen Sie am häufigsten?
An sechseinhalb Tagen die Woche trage ich Sakko und Krawatte. Wenn ich ein spezielles Kleidungsstück nennen müsste, dann ist es wohl unser „Ghost Blazer“, der am häufigsten zum Einsatz kommt.

Ihre Lieblings-Websites?
Ich besuche oft die New York Post, das ist für mich die Referenz. Sie kommt einer Lokalzeitung für mich am nächsten, egal wo ich gerade bin.
Wie finden Sie Ruhe?
Ich höre Musik, egal ob vom Handy oder vom Plattenspieler. Ich bin da nicht voreingenommen, was das Medium angeht – ich genieße es einfach.
Wer ist Ihr Guru?
Privat würde ich sagen: Jesus Christus. Beruflich ist es wohl Mickey Drexler.
Was ist Ihr Lieblingscocktail und wie bereiten Sie ihn zu?
Normalerweise trinke ich keine Cocktails. Wenn ich ausgehe, bestelle ich meist einen Aperol Spritz. Ansonsten mag ich Bourbon – und zwar pur.
Wie sieht Ihr Sportprogramm aus?
Täglich Liegestütze und Kniebeugen, und jetzt fange ich noch mit Rudern an. Außerdem bin ich bei der Arbeit viel auf den Beinen und nehme nie den Aufzug, sondern immer die Treppe.
Was bedeutet Erfolg für Sie?
Mensch, ich habe so ein Glück mit meiner Arbeit. Erfolg bedeutet für mich im Grunde, jeden Morgen mit Vorfreude aufzuwachen.

Wie sehr vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl?
Ehrlich gesagt diskutiere ich Dinge gerne ausführlich durch. Aber in 94 Prozent der Fälle kehre ich am Ende doch zu meinem ersten Bauchgefühl zurück.
Tragen Sie gerade eine Uhr? Wie viele besitzen Sie?
Ich trage jeden Tag meine Rolex Explorer I (Referenz 1016). Die habe ich jetzt seit etwa 26 Jahren. Außerdem besitze ich eine alte Zenith-Dresswatch aus 18-karätigem Gold, die ich sehr liebe, und ein paar Taschenuhren, die ich von meinem Vater geerbt habe.
Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?
Ich mag es klassisch, gerne auch mit etwas Farbe. Aber solange es kein formeller Anlass ist, möchte ich nicht zu zugeknöpft wirken.
Und wie würden andere Ihren Stil beschreiben?
Ann nennt mich den „Preppy Hippie aus Mississippi“. Das trifft es wahrscheinlich am besten.
Welchen Rat hätten Sie rückblickend gerne früher befolgt?
Ich hätte früher heiraten sollen. Wenn ich im Leben etwas bereue, dann, dass ich Ann nicht schon viel eher einen Antrag gemacht habe.
Was war der letzte Ratschlag, den Sie jemandem gegeben haben?
Ich habe einen jungen Mitarbeiter in Nashville gefragt: „Wie lange bist du jetzt schon mit deiner Freundin zusammen?“ Er meinte: „So anderthalb, zwei Jahre.“ Da sagte ich: „Worauf wartest du noch? Gib Gas!“ Er ist mir den Rest des Tages aus dem Weg gegangen und hat das Thema seitdem nicht mehr angesprochen.
Selbst fahren oder gefahren werden?
Selbst fahren.
Zu welchem Auto haben Sie die engste Bindung?
Mercedes-Benz Kombis. Die fahre ich seit 1996.
Ihr Lieblingshotel?
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Villa d’Este am Comer See, wo ich mit Jerry Lauren war. Jerry und ich sind früher zweimal im Jahr für jeweils zwei Wochen dorthin gefahren, um an Krawatten-Designs zu arbeiten. Ich glaube, mein Zimmer dort war so groß wie ein Besenschrank, aber das war mir völlig egal – es war die Villa d’Este mit Blick auf den See.
Wofür lohnt es sich, Geld auszugeben?
Live-Musik. Das sind Erinnerungen, die bleiben.
Die letzte Serie, die Sie am Stück gesehen haben?
Sie werden denken, ich lebe hinter dem Mond: Haben Sie jemals 24 gesehen?
Welche Musik macht Sie glücklich?
Eigentlich alles außer Death Metal und Gangster-Rap. Ich liebe fast jedes Genre – und genau deshalb mag ich Radio Garden so sehr.
