Das Statement Die wahren Macher

Wer glaubt, die Zukunft fällt Genies morgens beim Latte Macchiato ein, irrt.

JFK

Dem einen großen Schritt oder giant leap, wie es Neil Armstrong vor 51 Jahren frisch gelandet auf dem Mond formulierte, gehen oft Tausende kleine voraus. Mondlan­dung, Internet, Smartphone: Errungenschaf­ten, die heute selbstverständlich scheinen, sind in Wahrheit in winzigen Schritten ent­wickelt worden, die zum richtigen Zeitpunkt oft von einer Person zu einem revolutionären Ganzen zusammengefügt wurden. Nicht selten heimste die den Ruhm ein, obwohl er oder sie oft nicht mal irgendwas erfunden hatte. Apple­ Gründer Steve Jobs gilt als eines der größten Genies des frühen 21. Jahrhunderts, aber was hat der Mann wirklich erfunden? Zumindest hatte er den richtigen Riecher, marktreife Techno­logien so zu kombinieren, dass etwas so Großartiges und heute Alltägliches wie das iPhone dabei herauskam. Dabei war das noch nicht einmal sein Ziel. Jobs träumte noch von einem Handheld-­Computer, als ihm Ingenieure Anfang des neuen Jahrtausends die ersten Touch­screens präsentierten. Die waren aber viel zu klein, also entschied er sich, daraus ein kleines Gerät, ein Telefon zu entwickeln. Der Rest ist Geschichte, Smartphones sind so selbstverständlich wie das Wagenrad. Apropos: Das elektrische Automobil wurde bereits vor über 100 Jahren erfunden, aber es bedurfte Elon Musk, zahlloser Laptop­akkus und einer alten Sport­wagenkarosserie von Lotus, um den Traum lokal emissions­freier Mobilität real werden zu lassen. Übrigens hat der Franke Hans Wilsdorf auch wenig erfunden, aber ihm verdanken wir den Durchbruch der Armbanduhr, besser bekannt als Rolex. Er kombinierte geschickt Stoßhem­mungen und wasserdichte Gehäuse mit robusten Automatikuhrwerken und verfeinerte alles bis zur Perfektion. Diese Macher bewundern wir, und sie sind Thema dieser Ausgabe. Sei es der Berliner Start­-up-Gründer, der plötzlich Sammlergaragen entwickelt, weil wir die guten Stücke in Zukunft vielleicht eher wie mechanische Uhren behandeln werden. Oder der Modedesigner Neil Barrett, der nach Jahren bei Gucci und Prada erkannte, dass es noch nie so einfach war, ein eigenes Modelabel zu betreiben. Auch Jeremy Hackett, dessen Look wir alle kennen und lieben, hat nichts erfunden, aber er fügt unter seinem Namen ein Lebens­gefühl so zu einem Ganzen, dass seine neue Maßanzugkollektion scheint wie der next big step. Ich persön­lich habe einen solchen Maßmacher in Jürgen Reschop aus München gefunden: Seit über 25 Jahren macht der Mann alles auf Maß, zunächst für die Manufaktur Maile, aber seit zwei Jahren ist er sein eigener Herr. Unter dem Namen Kings­ manHouse fertigt er Edles wie den Tartansmoking im Bild. Tartan zum Smoking?! Ja, dazu muss man wissen: Bei dem Muster Black Watch handelt es sich um den einzigen Tartansto, der zum Anlass Black Tie am britischen Hof getragen werden darf. Jürgen wird uns in Zukunft in jeder Ausgabe Stilfragen beantworten. Wer so lange nicht warten möchte, wende sich direkt an ihn: jr@kingsman.house. 

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