Sie lieben Martinis? Dann sollten Sie diese Cocktails probieren
In den letzten fünf Jahren sind wir tief in die Welt der Cocktails eingetaucht. Zusammen mit dem Barkeeper Jason O’Bryan – inzwischen Chef-Mixologe im Drei-Sterne-Restaurant Addison – haben wir eine beeindruckende Sammlung der besten Rezepte zusammengestellt. Wir haben uns die Barkeeper und die Bars angeschaut, die aus den klassischen Cocktails unzählige neue Varianten entwickelt haben. Der Martini macht da keine Ausnahme. Egal, ob Sie Ihren Martini lieber mit Wodka oder ganz klassisch mit Gin bevorzugen: Wir haben ein paar spannende Varianten des zeitlosen Klassikers für Sie gefunden. Aber fangen wir am besten beim Original an.
Martini

James Bond hat zwar versucht uns zu überzeugen, dass ein Martini mit Wodka zubereitet wird, doch in den ersten fünfzig Jahren seiner Existenz verstand man unter einem „Martini“ ausschließlich eine Mischung aus Gin und Wermut. Obwohl ein Wodka-Martini durchaus seinen Charme besitzen kann, greifen die komplexen Aromen von Gin und Wermut so perfekt ineinander, dass die 130-jährige Erfolgsgeschichte dieses Cocktails sofort einleuchtet. Nachfolgend finden Sie das Rezept für die klassische Variante.
Zutaten:
- 6 cl Tanqueray 10 oder Aviation Gin
- 2 cl Dolin Dry Vermouth
Zubereitung:
Geben Sie die Zutaten zusammen mit Eis in ein Rührglas. Rühren Sie den Drink gut um – etwa 10 Sekunden lang, falls Sie kleine Eiswürfel verwenden, oder bis zu 25 Sekunden bei sehr großen Eiswürfeln. Anschließend in ein Cocktail- oder Martiniglas abseihen und mit einer Zitronenzeste garnieren.
Tuxedo No. 2

Wenn der Martini der maßgeschneiderte Anzug unter den Cocktails ist, dann ist der Tuxedo No. 2 – nun ja, der Smoking. Er ist sozusagen die glamourösere Variante des Martinis (oder vielleicht auch die lässigere, aber dazu gleich mehr). In jedem Fall ist er ein Martini mit gewisser Raffinesse. Er tauscht die Klarheit und Schlichtheit des Klassikers gegen die tiefgründige Süße von Maraschino und die kraftvolle Note von Absinth. Ein mutiger Schritt – aber genau dieser extravagante Auftritt verleiht dem Cocktail seinen Namen.
Zutaten:
- 6 cl Gin
- 2 cl trockener Wermut
- 0,75 cl Maraschinolikör
- 2 Spritzer Absinth
- 1 Spritzer Orange Bitters (optional)
Zubereitung:
Geben Sie alle Zutaten zusammen mit Eis in ein Rührglas. Rühren Sie den Drink um, bis er eiskalt ist – etwa 10 Sekunden lang bei kleinen Eiswürfeln oder bis zu 30 Sekunden bei großen Eiswürfeln. Anschließend in ein Stielglas abseihen, die ätherischen Öle einer Zitronenzeste über dem Drink ausdrücken und das Glas mit der Zeste sowie nach Wunsch mit einer Cocktailkirsche garnieren.
Poet’s Dream
Ein Wodka-Martini hat viele Fans, bringt im Vergleich zum Original jedoch ein strukturelles Problem mit: Da Wodka im Gegensatz zu Gin kaum Eigengeschmack besitzt, fehlt dem Wermut im Glas schlichtweg der Partner, um seine Aromen zu entfalten. Doch das lässt sich leicht ändern. Dürfen wir vorstellen? Der Poet’s Dream – ein Wodka-Martini, dem der französische Kräuterlikör Bénédictine eine subtile, fein-würzige Süße verleiht. Ironischerweise basierte das Originalrezept aus Albert Stevens Crocketts Buch Old Waldorf-Astoria Bar Days von 1931 noch auf Gin. Es ist jedoch die Variante mit Wodka, die hier glänzt.
Schon ein winziger Spritzer Bénédictine – der Noten von Honig, Zimt, Muskat, Zitrus und Kräutern vereint – bringt die Kreation in perfekte Balance. Der Cocktail bleibt wunderbar trocken und erfrischend herb, doch die Botanicals des Wermuts finden in den Gewürzen des Likörs den idealen Gegenspieler. Das Ergebnis ist ein Wodka-Martini ohne Identitätskrise.
Zutaten:
- 6 cl Wodka
- 2 cl trockener Wermut
- 0,75 cl Bénédictine
Zubereitung:
Alle Zutaten mit Eis in ein Rührglas geben. Bei kleinen Eiswürfeln etwa 10 bis 15 Sekunden, bei großen Würfeln rund 25 bis 30 Sekunden kalt rühren. In eine Cocktailschale oder Coupe abseihen und mit einer Zitronenzeste garnieren.
Olive Oil Martini
Das Konzept, Spirituosen durch sogenanntes „Fat Washing“ mit fetthaltigen Zutaten zu aromatisieren, ist in der Barwelt schon seit zwanzig Jahren ein Thema. Den Stein ins Rollen brachten damals die Pioniere der New Yorker Bar PDT, die einen Bourbon Old Fashioned mit dem Aroma von Speck verfeinerten. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis dieser Trend auch auf andere Klassiker wie den Martini übersprang – diesmal eben mit Olivenöl.
Wir haben über die Jahre unzählige dieser Olive Oil Martinis probiert und um ehrlich zu sein: Kaum einer hat uns überzeugt. Das änderte sich erst, als wir eine Variante mit erntefrischem, wirklich hochwertigem Olivenöl kosteten. Die Qualität des Öls ist hierbei essenziell – ohne ein echtes Spitzenprodukt braucht man mit der Infusion gar nicht erst anzufangen. Wenn Sie jedoch ein erstklassiges Olivenöl parat haben, werden Sie mit einem fantastischen Drink belohnt.
Zutaten:
- 6 cl mit Olivenöl aromatisierter Gin (z. B. Ford’s Gin)
- 10 ml Cocchi Americano
- 5 ml Lustau Amontillado Sherry
Zubereitung:
Alle Zutaten mit reichlich Eis in ein Rührglas geben und 10 bis 20 Sekunden lang kräftig kalt rühren (bei großen Eiswürfeln etwas länger, bei kleineren kürzer). In ein Martini-Glas oder eine Coupe abseihen. Mit drei Oliven und, wer mag, ein paar Tropfen Olivenöl garnieren.
Alaska Cocktail

Obwohl der Alaska Cocktail meist als Martini-Variante gehandelt wird, könnte man ihn fast als eine Art Gin Old Fashioned betrachten: Die Formel aus Spirituose, Bitters und einer süßenden Komponente ist dieselbe – nur dass das „Süßungsmittel“ in diesem Fall stolze 40 Prozent Alkoholgehalt hat. Da ist kein im Eichenfass gereifter Whiskey, der den Alkohol sanft abfedert; hier regiert die Reinheit des Gins. Der Drink ist eiskalt und klar wie ein Berggipfel, wird jedoch durch die honigsüße Komplexität des Chartreuse aufgefangen und vertieft.
Der goldene Likör und die klare Spirituose harmonieren wie Sonnenstrahlen auf frischem Schnee – so bringt der Chartreuse eine wunderbare, kräuterige Wärme in die eisige Frische. Ein solches Rezept ist zugegebenermaßen ein gewagtes Spiel. Doch schon nach dem ersten Schluck versteht man plötzlich, warum manche das Risiko so lieben.
Zutaten:
- 6 cl Gin
- 2 cl Gelber Chartreuse
- 1 Spritzer Orange Bitters
Zubereitung:
Alle Zutaten auf reichlich Eis etwa 20 bis 30 Sekunden lang kalt rühren. In eine vorgekühlte Cocktailschale oder Coupe abseihen und mit einer Zitronenzeste garnieren.
Vesper

Dass der Vesper seine Existenz Casino Royale verdankt – dem allerersten James-Bond-Roman –, ist kein Geheimnis. Ian Fleming verhalf dem Drink 1953 zu einer gewissen Berühmtheit, bevor Daniel Craig ihn 2006 auf der Kinoleinwand endgültig zum Kult machte. Dank Bonds ungewöhnlich exakter Ansage kennen wir sogar das Rezept: „In einem tiefen Champagnerkelch…drei Maß Gordon's, eins Wodka, ein halbes Maß Kina Lillet. Kräftig schütteln, bis es eiskalt ist, und eine große, dünne Scheibe Zitronenschale dazu.“ Natürlich wissen wir auch, dass der Drink nach Bonds faszinierender Begleiterin Vesper Lynd benannt ist.
Nüchtern betrachtet ist der Drink, wie 007 ihn bestellt, allerdings verrückt. Das Rezept verlangt nach zwölf Zentilitern hochprozentigem Alkohol – und obwohl der Cocktail ausschließlich aus Spirituosen besteht, wird er geschüttelt – was jeder klassischen Bar-Regel widerspricht, die hier das Rühren vorschreibt. Wir haben deshalb die Mengen leicht angepasst, das Schütteln aber beibehalten, um die Wucht des Alkohols abzumildern.
Zutaten:
- 6,5 cl Tanqueray Gin
- 2,2 cl Smirnoff 100 Proof Wodka
- 1 cl Tempus Fugit Kina l’Aero d’Or
Zubereitung:
Alle Zutaten in einen Shaker geben. Eis hinzufügen, 10 bis 12 Sekunden kräftig schütteln, in ein großes Martini- oder Cocktailglas abseihen und mit einer Zitronenzeste garnieren.
Arsenic and Old Lace

Diese Martini-Variante, benannt nach einem Theaterstück aus dem Jahr 1941, unterstreicht die unglaubliche Vielseitigkeit von Gin. Der Arsenic and Old Lace verleiht der klaren Struktur des klassischen Martinis einen floralen Kick durch Crème de Violette sowie die pikante Frische von Absinth. Diese beiden Akzente verändern den Charakter des Drinks grundlegend.
Zutaten:
- 6 cl Gin
- 2 cl trockener Wermut
- 0,75 cl Crème de Violette
- 0,35 cl (ca. 1 Barlöffel) Absinth
Zubereitung:
Alle Zutaten mit Eis in ein Rührglas geben. Gut umrühren – etwa 10 Sekunden lang bei kleinen Eiswürfeln oder bis zu 25 Sekunden bei sehr großen Eiswürfeln. In ein Cocktailglas oder eine Coupe abseihen und mit einer Zitronenzeste garnieren.
Martinez

Richtig zubereitet bringt ein Martinez die ganze Fülle des italienischen Wermuts mit, behält aber den spritzigen Charakter von Gin. Er vereint die Eleganz eines Martinis mit dem samtigen, edlen Profil eines Manhattans. Mehr als jeder dieser Klassiker versetzt uns der Martinez zurück in die goldene Ära der amerikanischen Barkultur. Er ist das Echo einer längst vergangenen Zeit, was sich im großzügigen Wermut-Anteil und dem besonderen Charakter des Maraschinos widerspiegelt. Ich persönlich bekomme meist im Frühling Lust auf diesen Drink, wenn es gleichzeitig warm und kalt ist, man keine Ahnung hat, was man anziehen soll, und diese Zwischenzustände sich einfach genau richtig anfühlen.
Zutaten:
- 4,5 cl Gin
- 4,5 cl süßer Wermut
- 0,75 cl Maraschinolikör
- 1 Spritzer Orange Bitters
Zubereitung:
Alle Zutaten mit Eis in ein Rührglas geben und 15 bis 20 Sekunden lang kalt rühren. In eine Coupe oder ein Cocktailglas abseihen und mit einer Zitronenzeste garnieren.
Freezer Martini

Als der Barkeeper Salvatore Calabrese gebeten wurde, einen Martini zu mixen, der gleichzeitig eiskalt und extrem stark sein sollte, steckte er in der Zwickmühle. Um einen Drink kälter zu bekommen, muss man ihn länger auf Eis rühren – doch dadurch schmilzt mehr Eis und der Martini verwässert. Nach tagelangem Grübeln löste er das Rätsel mit einem unkonventionellen Gedanken: Was, wenn man Gin und Gläser im Gefrierfach lagert und das Eis weglässt?
In diesem Moment legte Calabrese den Grundstein für den sogenannten Freezer Martini. Seine Variante, heute als Duke’s Martini bekannt, wird immer noch serviert und ist so stark, dass sie Tote auferwecken könnte. Der Duke’s Martini besteht aus 15 Zentilitern unverdünntem Gin, der direkt aus dem Gefrierfach kommt und nur von einem Hauch Wermut begleitet wird. Selbst seine treuesten Fans würden wohl zugeben, dass das etwas verrückt ist.
Doch die Technik des Freezer Martinis lässt sich auch auf klassische Rezepte übertragen. Man mischt Gin und Wermut vorab in einer Flasche, gibt eine genau definierte Menge Wasser für die Verwässerung hinzu und stellt das Ganze ins Gefrierfach. Nach ein paar Stunden haben Sie eine komplette Flasche Martinis zur Hand, die exakt auf Ihren Geschmack abgestimmt sind. Damit sind Sie nie weiter als 15 Sekunden von einem perfekten Martini entfernt. Gefährlich? Vielleicht. Revolutionär? Definitiv.
Zutaten:
- 400 ml Tanqueray 10 Gin (für eine Einzelportion: 6,5 cl)
- 135 ml Dolin Dry Vermouth (für eine Einzelportion: 2,2 cl)
- 215 ml gefiltertes Wasser (für eine Einzelportion: 2,7 cl)
Zubereitung:
Geben Sie alle Zutaten vorsichtig in eine leere 750-ml-Flasche. Verschließen Sie die Flasche und drehen Sie sie fünf- bis zehnmal auf den Kopf, damit sich alles gleichmäßig vermischt. Stellen Sie die Flasche für einige Stunden in das Gefrierfach, bis sie komplett durchgekühlt ist. Zum Servieren etwa 9 cl in ein vorgekühltes Glas gießen und die ätherischen Öle einer Zitronenzeste darüber ausdrücken.
Pornstar Martini

Jedes Jahr veröffentlicht das britische Magazin Difford’s Guide eine Liste der weltweit 100 beliebtesten Cocktails. Das Ganze ist keine persönliche Bestenliste und keine redaktionelle Empfehlung – das Ranking basiert rein auf den Klickzahlen der Website und ist daher objektiv und demokratisch. Welcher Cocktail stand 2025 auf Platz 1? Die ewige Margarita, der hippe Negroni oder der trendige Carajillo? Falsch gedacht. Es ist der Pornstar Martini, der sich zum achten Mal in Folge die Spitzenposition gesichert hat.
Der Name mag zwar anzüglich klingen, aber der Drink selbst ist hervorragend. Erfunden wurde er vom Barkeeper Douglas Ankrah im Londoner Townhouse und besteht aus Wodka, Vanille und Passionsfrucht.
Zutaten:
- 4,5 cl Wodka
- 2,2 cl frischer Limettensaft
- 2,2 cl Vanillesirup
- 2,2 cl Passionsfruchtlikör (oder Passionsfruchtsirup)
Zubereitung:
Alle Zutaten mit Eis in einen Shaker geben und 8 bis 10 Sekunden lang kräftig schütteln. In ein Martini-Glas abseihen und mit einer Limettenscheibe, einer Limettenzeste oder einer halben Passionsfrucht garnieren. Wer möchte, serviert dazu traditionell ein kleines separates Glas Champagner oder Schaumwein.
