Jil Sander entwirft Möbel für Thonet

Schon die erste Zusammenarbeit zwischen Jil Sander und Thonet mündete in großen Erfolg: Zwei der Freischwinger S 64 von Marcel Breuer, die Sander 2025 neu interpretierte, wurden im März in „Die Neue Sammlung – The Design Museum” in München aufgenommen. Eine große Ehre, so die Designerin, die im nächsten Leben gerne Architektin wäre: „Unsere Flagship-Stores waren mir als Statement so wichtig wie die Kollektionen selbst.” Kleidung sei nur ein Element in der Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist. „Wenn man in der Gegenwart ankommen und sich der Zukunft öffnen möchte, zählen alle Aspekte unserer Umwelt.”
Die Form der Thonet Designs blieb unberührt

Dieser Prämisse folgte Sander auch bei ihrer zweiten Thonet-Kooperation. Diesmal im Fokus: der Sessel S 411, ein Werksentwurf von 1932, und der Tisch S 1070. Wie schon 2025 blieb die ikonische Form der Designs unberührt. Beim S 411 etwa mit seiner opulenten Polsterung und der S-Form aus Stahlrohr und Armlehnen konzentrierte sich Sander auf Materialien und Farben: Bei der „Nordic”-Linie trifft das Stahlrohr-Gestänge mit mattem Nickelsilver-Finish auf warme Ledertöne wie „Light Caramel” und „Burnt Walnut”, bei der „Serious”-Linie ein optisch an Titan erinnerndes Gestänge auf Leder in Farben wie „Graphite Black” und „Graphite Green”.
Die Wirkung der Farben eint Möbel- und Modedesign. Auf ihr nuanciertes Zusammenspiel reagiere das „Naturwesen Mensch” positiv, wenn auch nur unbewusst, ist Sander überzeugt: „Wenn ein Interieur wie eine natürliche Umgebung zu atmen beginnt und im Einklang mit elementaren geometrischen Formen steht, fühlen wir uns instinktiv und zugleich rational zu Hause.” Diese Balance strebte sie auch in der Mode an: „Wenn sie gelingt, entsteht im Tragen der Eindruck von Stil und Understatement.”
Die Bauhaus-Ästhetik verbindet Thonet und Jil Sander. Die Idee, industrielles Design sichtbar zu machen, statt es zu verstecken, war prägend – und wirkt bis heute nach: „Bis heute gibt es nichts, was diese Designsprache in ihrer Eignung für moderne Raumzuschnitte abgelöst hätte, mit Ausnahme der skandinavischen Moderne”, erklärt Sander. Diese Design- und Architekturströmung inspirierte auch schon die 2025-er „Nordic”-Linie ihrer museal gewürdigten Neuinterpretation des S 64. An diesen Erfolg knüpft sie nun an – mit dem ihr eigenen Stil und Understatement: „Die Kooperation mit Thonet war ein Experiment, es hätte auch schiefgehen können. Wir haben Glück gehabt.”
