Luxusküche statt Gästehaus: Warum dieses Paar auf einen Dining-Pavillon setzt

Wer braucht schon ein Gästehaus? Dieses Paar aus Virginia schuf mit einer maßgeschneiderten Küche von Officine Gullo den perfekten Ort für kulinarische Duelle.
Text Justin Fenner
Raumwunder: 14 Personen finden an einer Insel in Herdnähe Platz und können so die Köche bei der Arbeit beobachten.

Ein Beaux-Arts-Gartenpavillon aus Glas, Stahl und Stein – diese Umschreibung lässt womöglich eine verträumte Laube vermuten, in der Stille einer abgelegenen Ecke, gleich hinten bei den Rosen. Weit gefehlt. Eine Familie im US-Bundesstaat Virginia versteht unter ihrem „Gartenpavillon” etwas gänzlich anderes: ein 550 Quadratmeter großes Haus der Geselligkeit, das nur an einem Tag in der Woche einer Bestimmung dient – ein Treffpunkt für kulinarische Ausschweifungen zu sein. Für diesen allsonntäglichen Anlass ließ sie das Gebäude von der Größe einer europäischen Bahnhofshalle errichten und dort eine Küche verbauen, die dieser architektonischen Einzigartigkeit und Dimension Rechnung trägt. Und in einer solchen Küche lässt man selbstverständlich kochen – von zwei Meistern ihres Fachs auf Spitzenniveau.

Die Küche als Ort gegen den Sonntagsblues

Aus einem Guss: Viele der Geräte integrieren sich hinter maßgefertigten Verkleidungen nahtlos in die Küche.

„Die Eigentümer nennen es das Vertreiben des Sonntagsblues”, sagt Interior-Designer Charles Owen. Er wurde von den Besitzern beauftragt, diesen Ort zu erschaffen, der bis dahin nicht viel mehr war als eine Idee zweier leidenschaftlicher Gastgeber. Einige der Details des Gebäudes nehmen Bezug auf das Musée d’Orsay, den ehemaligen Pariser Bahnhof im Beaux-Arts-Stil, der heute Werke von Monet, van Gogh und Cézanne beherbergt. Bei der Planung der Küche verließ Owen sich auf die italienische Manufaktur Officine Gullo, die in den eigenen Werkstätten in der Toskana Küchen von außergewöhnlicher Detailliebe nach Kundenwunsch fertigt – von handgefertigten Spülbecken bis hin zur integrierten Kaffeemaschine. Solche Details prägen nun das Erscheinungsbild und komplettieren das einzigartige Raumgefühl der Küche. 

Das Designteam von Gullo schlug beispielsweise matte schwarze Holzarbeiten mit Akzenten aus Messing für den eher traditionellen Stil des Gebäudes vor. Im Zentrum sind zwei Herde Rücken an Rücken unter einer gewaltigen Abzugshaube angeordnet. Außerdem haben die beiden „duellierenden” Köche Zugriff auf integrierte Pastakocher und auf Coup-de-Feu-Kochstellen, die man sonst nur in professionellen Großküchen findet. Diese gusseisernen Felder sind in der Mitte am heißesten und werden zu den Rändern hin kühler – so können die Köche nuancierter arbeiten. Die Aufstellung der Köche ist kein Zufall – wie nichts an diesem Ort dem Zufall überlassen ist. Der Koch auf der linken Seite befindet sich näher an den eingebauten Kühlschränken und dem Pizzaofen, während der Koch auf der rechten Seite nah an einem großen Fenster arbeitet, das das Servieren der Speisen im Freien erleichtert.

Gäste können Köchen bei der Arbeit zusehen

Damit die Gäste den Köchen – und der Küche – bei der Arbeit zusehen können, ließ Owen direkt hinter der Herdanordnung eine Insel mit 14 Sitzplätzen aufstellen. Die Oberfläche des Tischelements bildet eine in Italien gefertigte Metzgerblock-Arbeitsplatte. Darunter befinden sich Glasschränke, die von innen beleuchtet sind. An dem Projekt „Anti-Sonntagsblues” war ein internationales Team von Handwerkern beteiligt. Der Bodenbelag stammt aus Malta, und der Kamin wurde in Südfrankreich von Hand aus Kalkstein geschnitzt. Dennoch, so freut sich Owen, gelang die Installation der Küche im weit entfernten Virginia wie nach Rezept: „Es war ein absolut nahtloser Ablauf”, sagt er. „Vom Konzept über die Lieferung bis zur Installation – absolut makellos.” Und welche Rezepte wurden für das Kochduell am Einweihungstag der florentinischen Küche ausgewählt? Italienische natürlich!