Warum Männer jetzt Rosa tragen

Lieber nicht zu schweinchenrosa? Dann vielleicht „Lachs” oder „Amaranth”? Egal wie – Rosatöne sind der Trend der Saison und setzen selbstbewusste Akzente in der Männermode.
Text Adam Mansuroglu
Bei Zegna wurde Rosa zu Creme- und Beigetönen kombiniert.

Der Trend war unübersehbar: Als Farbton bei den Sommerschauen für Herrenmode dominierte ein gedämpftes Rosa, das in diversen staubigen Tönen gezeigt wurde. Eine Farbpalette, die üblicherweise eher mit Damenmode assoziiert wird. Und doch war sie allgegenwärtig: bei Anzügen und Soloteilen von Brunello Cucinelli, bei Jacken und Mänteln von Louis Vuitton sowie bei allen möglichen Kleidungsstücken von Zegna, Loro Piana und Dior.

Rosa als Zeichen von Wohlstand und Macht

Wer sich behutsam an die Trendfarbe wagen will, beginnt mit einem einzelnen Stück wie einem Schal.

Die Designer, die heute in der Herrenmode verstärkt auf Rosa setzen, berufen sich auf historische Vorbilder. Unter der Herrschaft des französischen Königs Louis XV. trugen Männer ebenso wie Frauen gerne rosafarbene Stoffe. Rosa war zu jener Zeit ein Zeichen für Wohlstand und Macht: Besonders deutlich wird das beim hellenischen Gott Apollo, der in François Bouchers Gemälde von 1753 „Sonnenaufgang” einen lachsfarbenen Stoff trägt. Auf genau diese Epoche bezieht sich der nordirische Designer Jonathan Anderson: Bei seinem Herrenmode-Debüt für Dior gestaltete er klassische Stücke in Rosa, etwa einen Pullover mit Zopfmuster und eine Bundfaltenhose.

Auch der aktuelle Preppy-Trend, der Stil US-amerikanischer Privatschüler im 20. Jahrhundert, bringe Rosa derzeit zurück auf den Laufsteg, sagt Jian DeLeon, Herrenmode-Direktor des amerikanischen Luxuskaufhauses Nordstrom. Er verweist vor allem auf rosafarbene Button-down-Hemden, Poloshirts oder Shorts. „Preppy ist relevanter denn je. Klar kommt damit Rosa wieder.”

Wie trägt man als Mann Rosa?

Aber wie macht Mann sich den neuen Look zu eigen? Grundsätzlich gilt: Keine Angst. „Rosa wirkt aufhellend, lässt den Träger lebendig aussehen”, sagt die in Los Angeles lebende Stylistin Jeanne Yang. Es geht nicht darum, die ganze Garderobe auszutauschen. Wer sich behutsam an die Farbe heranwagen wolle, könne mit einzelnen Stücken und gedämpften Tönen beginnen, sagt Yang. So wie bei der Modenschau von Hermès, wo rosa Schals zu einer schwarzen Jacke und braunen Hosen kombiniert wurden. Und: „Es geht darum, modern zu wirken, aber ohne dabei laut zu sein”, sagt David Thielebeule, Modedirektor von Bloomingdale’s. Seine Empfehlungen: ein blassrosa Hemd unter dem marineblauen Anzug, eine gedämpft roséfarbene Krawatte zu Anthrazit oder einfach nur ein Hauch von Rosé in einem feinen Pullover.