Cartier Roadster: Diese Uhr erzählt Geschichte

Im Haus Cartier hält man die Vor- und die Rückspultaste gleichzeitig gedrückt. Wie das funktioniert? Mit der Neuauflage des Uhrenmodells „Roadster”.
Text Mira Wiesinger
Inspiration für das Design lieferten Autos der 50er- und 60er-Jahre.

Mobilität, Maschinen, die Formen hervorbringt – in der Maison Cartier, 1847 von Louis Cartier gegründet, ist man seit jeher von der technischen Evolution fasziniert. Man reagierte auf diese Entwicklungen mit stilisierten Entwürfen, die nicht nur schön sein, sondern auch die emotionale Essenz einer Dekade destillieren sollten. Die neue „Roadster” setzt diese Tradition fort, indem sie weniger auf die Gestalt als auf das Gefühl verweist, das Roadster fahren einst auslöste. Der Traum von schneller Fortbewegung, der Klang eines Motors in einer Ära, als Geschwindigkeit noch ein Versprechen von Freiheit war.

Inspiriert von klassischen Automobilen

Die Neuauflage der „Roadster” ist mit weißem oder blauem Zifferblatt erhältlich.

Die Insignien sind unübersehbar: das Zifferblatt, das an ein Tachometer erinnert, die Krone, deren Volumen an die massiven Stoßfänger amerikanischer Autos der 50er- und 60er-Jahre denken lässt, und die fließenden Konturen des Gehäuses, als hätte sie der Fahrtwind selbst modelliert. Die „Roadster” suchte schon im Jahr 2002, als die Uhr erstmalig vorgestellt wurde, Inspiration in einer Epoche, in der Objekte entstanden, die aus heutiger Sicht geradezu naiv futuristisch wirken, und schaut damit zurück auf die Visionen vergangener Jahrzehnte. So auch jetzt: Nur 14 Jahre nachdem die Produktion der Uhr 2012 eingestellt wurde, bringt Cartier nun eine überarbeitete Version auf den Markt – und damit eine gewisse Experimentierfreudigkeit zurück ins Sortiment.

Das passt in eine Zeit, in der die Sehnsucht nach Objekten wächst, die nicht nur zuverlässig funktionieren, sondern auch Geschichten erzählen. „Der ‚Roadster‘ liegt die Idee zugrunde, eine Inspiration aus einer ästhetischen Welt zu entleihen und sie in eine Form zu übersetzen”, sagt Pierre Rainero, seit vier Jahrzehnten Leiter für Stil, Image und Kulturerbe und damit der Gralshüter der französischen Marke. Als Cartier das Modell im Jahr 2002 vorstellte, wirkte es mit seiner fließenden, sportlichen Form wie ein Ausreißer aus der streng kodifizierten Formenwelt des Hauses – geprägt von den klaren Linien der „Tank”, der architektonischen Präzision der „Santos” und den eleganten Kurven der „Tortue”. Laut Rainero war die „Roadster” allerdings nie ein Bruch mit der Designsprache, sondern nur eine andere Erzählweise derselben Geschichte.

Neuauflage verfügt über hauseigenes Kaliber

Mit der Neuauflage blickt man bei Cartier nun zurück und nach vorn gleichermaßen: Ihre Proportionen wurden verfeinert, die Linien gestrafft, die Konstruktion modernisiert und das einst zugekaufte Werk gegen das hauseigene Kaliber 1847 MC für die größere und das Kaliber 1899 MC für die mittlere Variante ausgetauscht. Ihre Persönlichkeit musste die Uhr deswegen nicht einbüßen: Die charakteristische Lupe über dem Datum blieb erhalten, genau wie die kraftvolle Gehäusearchitektur oder das Schnellwechselsystem für Armbänder. Gleichzeitig wirkt das Design nun eleganter, fließender, ja, schneller. „Je stromlinienförmiger die Uhr, desto stärker wirkt die Idee von Geschwindigkeit”, findet Rainero, der die Uhr mit einer Erinnerung vergleicht, die im Laufe der Jahre klarer wird, statt zu verblassen – ein ästhetischer Zaubertrick, der die Zukunftsfantasien der Vergangenheit ins Hier und Jetzt transportieren soll.