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Alaska on the rocks: Eine Kreuzfahrt durch Gletscherwelten

Ein Stück Land im Norden weckt die Fantasie vieler: Alaska. Mit einem Schiff ist es am besten zu erkunden. Unsere Autorin hat auf dieser Reise viel gelernt – auch über sich.
Text Uschi von Grudzinski

Wenn bislang von Eis die Rede war, dachte ich zuerst an gefrorenes Wasser. An Würfel, Kugeln oder Crushed Ice. Unverzichtbar für einen perfekten Negroni, zum Kühlen von Kaviar oder Austern und um Champagnerflaschen auf Trinktemperatur zu halten. Aber Dinge ändern sich. Assoziationen ebenso. In diesem Fall während einer Alaska-Reise.

Ketchikan: Gletschereis im Whiskeyglas

Wenn kilometerbreite Gletscherfelder und schneebedeckte Gipfel den Rahmen für eine exklusive Entdeckungsreise durch Alaska bilden.

Alles beginnt an einem gemütlichen Abend in einer Bar in einem der bunten Holzhäuser an der Creek Street von Ketchikan. Draußen stehen Männer in Gummistiefeln am Fluss und angeln Lachse. Drinnen sitzen Besucher, die nachmittags die rustikale Lumberjack-Show besucht hatten. Plötzlich ist es still. Gedimmtes Licht zaubert eine mystische Stimmung. Und auf einmal hört man es deutlich: ein zartes Knistern und geheimnisvolles Wispern im Whiskeyglas. Ein Geräusch, das so nur entsteht, wenn Gletschereis im Spiel ist. Eis, jahrhunderte-, vielleicht jahrtausendealt, das von der Vergangenheit erzählt. Ein Flüstern aus der Eiszeit, das sich sanft in der Gegenwart auflöst. Der Barkeeper wirkt geradezu andächtig, als er seinen Gästen leise erzählt, dass die Eiswürfel in den Gläsern vor zwei Tagen noch im Pazifik schwammen – als Teil eines himmelblauen Eisbergs, der sich zuvor vom Leduc-Gletscher gelöst hatte. Ich könnte schwören, dass dies der beste Whiskey on the rocks war, den ich je getrunken habe.

Eine Grizzlybären-Mutter und ihr Junges vor der Kulisse schneebedeckter Gipfel und goldener Herbstwälder in Alaska – ein unvergessliches Naturerlebnis

Gletscher – und davon gibt es im flächenmäßig größten Bundesstaat der USA rund 100 000 – verändern vieles. Ein weit gereister Kapitän sagte einmal: Wer nach Alaska reist, kommt als ein anderer Mensch zurück. Es ist die Kraft der Natur, die berührt, fasziniert und manches, was vorher wichtig schien, relativiert. Zwischen himmelblauem Gletschereis, drei Millionen jadeblauen Seen, stillen Fjorden und endlos scheinenden Wäldern verliert man alsbald das Gefühl für Zeit und Raum. Was für ein Erlebnis, mit dem Helikopter auf den Mendenhall Glacier zu fliegen und dort oben durch das Eis zu wandern! Oder bei einem Flug über den Denali National Park auf einem Gletscher zu landen und die Stille zu genießen.

Warum eine Kreuzfahrt der beste Weg ist, Alaska zu entdecken

Um Alaska auf sich wirken zu lassen, ist eine Kreuzfahrt ideal. Vieles ist auf dem Landweg gar nicht zu erreichen. Wie etwa Juneau, die Hauptstadt des US­ Bundesstaates. Hier legen regelmäßig die Schiffe der Holland America Line an, einer Kreuzfahrtgesellschaft, die immer wieder als »Die Beste in Alaska« ausgezeichnet wird. Sie war 1947 die erste Reederei, die es möglich machte, die Naturschönheiten nordwestlich von Kanada während einer Kreuzfahrt zu erleben.

Ich bin bei meiner ersten Alaska­ Reise in der Inside Passage zwischen Vancouver und Skagway unterwegs, neugierig und aufgeregt, ob das Land, das auf so vielen Bucketlists an erster Stelle steht, auch mich in seinen Bann zieht.

Fast jeden Tag sitze ich auf dem Balkon meiner Kabine wie in einer Theaterloge und erlebe, ausgerüstet mit einem Fernglas, immer neue Inszenierungen der Natur: Bergketten, die morgens unter blauem Himmel aus dem Morgennebel wachsen, bewaldete Inseln, unberührt und still. Seeotter, die auf einer Eisscholle vorbeitreiben. Einen Braunbären, der mit Leichtigkeit unterhalb eines Wasserfalls Lachse fängt. Schneeziegen, die als flauschige weiße Punkte durch steile Felsen klettern. Weißkopfseeadler, majestätische Herrscher der Lüfte. Und ein halbes Dutzend tonnenschwere Buckelwale. Szenenapplaus!

Mit der historischen White Pass & Yukon Route geht es spektakulär durch die unberührte Wildnis Richtung Yukon-Territorium.

Den verdient auch mein Schmalspur­-Abenteuer auf der White Pass & Yukon Route ab Skagway. Die 177 Kilometer lange Eisenbahnstrecke, die ab dem Jahr 1898 während des Klondike-Goldrausches in nur 26 Monaten durch die raue Landschaft getrieben wurde, ist heute ein international anerkanntes historisches Wahrzeichen. Wir fahren hinauf bis zum Pass auf 880 Meter über dem Meer – durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Bergen, Schneefeldern, Schluchten und Wasserfällen. Trotz Panoramafenstern stehe ich die meiste Zeit draußen auf der Aussichtsplattform. Wie viele Zehntausende Goldsucher mögen sich wohl einst auf diesen beschwerlichen Weg gemacht haben? Und für wie wenige hat sich die Hoffnung auf das große Glück erfüllt?

"Ein Flüstern aus der Vergangenheit, das sich sanft in der Gegenwart auflöst."
Naturwunder hautnah: Spektakuläres Gletscher-Panorama direkt von der Reling des Schiffs aus genossen.

Zurück an Bord. Zu besonders eindrucksvollen Naturattraktionen lädt der Kapitän seine Gäste aufs Bugdeck ein. Etwa für die Passage durch den Glacier Bay National Park, für die täglich nur sehr wenige Schiffe eine Einfahrtsgenehmigung erhalten. Die Reederei unterstützt den Nationalpark mit Spendenprogrammen und setzt sich konsequent für eine nachhaltige Fischerei ein. Dieses Engagement wertet auch die vielfältige Küche in den Bordrestaurants auf. Das Konzept »vom Hafen auf den Teller« garantiert fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte.

Im nächsten Jahr erwartet Genuss-Passagiere ein weiteres Alleinstellungsmerkmal: ein Whiskey-Tasting mit auf See gereiftem Jefferson’s Bourbon. Seit April 2026 liegt auf jedem der elf Schiffe der Flotte ein Fass Whiskey, das mindestens sechs Monate wechselnden Klimazonen, Meeresluft und permanentem Wellengang ausgesetzt ist. Wie sich die unterschiedlichen Routen während des Reifeprozesses auf den Whiskey auswirken, können die Gäste 2027 testen. Selbstverständlich auch on the rocks – auf flüsterndem Gletschereis.

Dieser Artikel entstand mit der Unterstützung der Holland America Line. Dabei blieb die Unabhängigkeit der Redaktion jederzeit gewahrt. www.hollandamerica.com