Im Rausch der Geschwindigkeit Luxuriöse Speedboat-Klassiker aus Edelholz

Erstklassiges Mahagoni, hochwertige Lederausstattungen und leistungsstarke Motoren gelten als charakteristische Merkmale der Speedboat-Klassiker. Erfahren Sie mehr über Hersteller und Besonderheiten der Luxusboote.
GarWood Speedboat Seitenansicht

Luxusboote aus Mahagoni

Der Inbegriff von Glamour: Brigitte Bardot, Gianni Agnelli oder George Clooney wie sie unglaublich elegant und unglaublich sexy auf stromlinienförmigen Speedboats aus edlem Holz über den Comer See oder entlang der Côte d‘Azur rauschen. Der Kenner jedoch bewundert nicht die Stars in den Booten, sondern die Handwerkskünstler der Werften, die mehr als 1.000 Stunden Arbeit in den Bau eines einzigen Bootes stecken, oder die Restaurateure, die die Mahagoni-Schönheiten am Leben erhalten. Einen Frühling und einen Frühsommer lang haben wir die Rivas und Chris-Crafts bei Veranstaltungen von Lake Tahoe bis Venedig angeschmachtet. Zeit also, die Bauer der klassischen und modernen (aber klassisch inspirierten) Holzboote einmal etwas genauer zu betrachten. Einige der schönsten Exemplare können auch an Land besichtigt werden, zum Beispiel beim Cannes Yachting Festival, der Fort Lauderdale International Boat Show und der St. Petersburg Power & Sailboat Show.

StanCraft Wooden Boat

Die StanCraft Boat Company wurde 1933 von W.H. „Billy“ Young und dessen Sohn Stanley C. Young am Flathead Lake in Lakeside, Montana, gegründet, wo Stan einige der berühmtesten Boote fertigte. Eines dieser Modelle war die knapp 7 Meter lange Torpedo, die Stan zum Teil in Seattle während des 2. Weltkriegs entwarf, als er für die Shane-Werft arbeitete. 2008 übernahm die dritte Generation, Amy Bloem und ihr Ehemann Robb, das Ruder. In Nord-Idaho bauen sie 4 bis 15 Meter lange Boote, komplett handgemacht aus afrikanischem Mahagoni. Zu den Modell-Familien gehört die Rivelle Serie, aber StanCraft fertigt auch Einzelstücke auf Bestellung an. Der Bau dauert meist neun Monate. Der Kunde kann für alle Modelle, ob Serie oder Einzelanfertigung, Farbe und Finish auswählen, ausgenommen Boote, die bereits fertig auf Lager sind. Die Boote sind für 4 bis 24 Personen ausgelegt und manche Modelle erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 100 km/h. Preise: ab 47.500 USD für ein 4-Meter-Modell.

stancraft contradiction

GarWood Custom Boats

Garfield Arthur Wood war ein hoch kreativer Speedboat-Fan, der am Wasser aufwuchs, in einer echten „Geschwindigkeitskultur“. Von 1916 bis 1923 war er Eigentümer der Chris Smith and Sons Boat Co., nachdem Chris Smith das Unternehmen verlassen und Chris-Craft gegründet hatte. Wood startete sein eigenes Unternehmen: Er erkannte eine Lücke im Rennboot-Angebot, die er mit der 10-Meter-Baby Gar füllte, einem Runabout, der sich bei der High Society großer Beliebtheit erfreute. Gar Wood baute ab 1922 Boote, bis 1947 die Produktion eingestellt wurde. 1969 begannen Tom und Larry Turcotte diese bemerkenswerten Boote zu restaurieren – zunächst als Hobby, doch schon bald als Beruf. Schließlich bauten sie die Gar Wood Original-Designs, immer mehrere auf einmal. Diese Replikate klassischer Modelle sind heute zu erhalten über GarWood Custom Boats, 1986 in Brant Lake, N.Y., gegründet. Das Duo baut heute aber auch neue Boote, handgefertigt aus afrikanischem Mahagoni, die ebenfalls unter der Marke GarWood Custom Boats vertrieben werden. Insgesamt umfasst das Portfolio 12 Modelle, einschließlich Baby Gars, Runabouts, Streamliner, Utility Boats und Speedster in unterschiedlichen Größen. Alle sind aus afrikanischem Mahagoni und in diversen Farben und Finishes nach Wahl erhältlich. Die beliebtesten Modelle sind das 8,5 Meter lange Custom Runabout mit Dreifach-Cockpit und der genauso lange Streamliner mit viel Sitzplatz vorn. Beide erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 85 km/h. Ebenfalls viele Fans hat der Baby Gar Gentleman’s Racer mit einem tiefen V-förmigen Rumpf, der eine Höchstgeschwindigkeit von über 100 km/h erreicht. Bei den etwa größeren Booten ist die 12 Meter lange Ocean Runabout ein Bestseller, deren tiefer V-Rumpf Stauraum vorne bietet. Das Boot ist für Hochseerennen geeignet. Preise: zwischen 225.000 und 650.000 USD, je nach Ausstattung.  

Hacker-Craft

John Hacker, Bootsbauer-Pionier, gründete die Hacker Boat Co. 1908 in Detroit. Er entwickelte den Prototypen des Runabout – ein kleines und schnelles Holzboot. 1918 nahm er ein Boot mit dem damals üblichen V-Rumpf, platzierte die Motoren mittschiffs, davor die Steuerung. Das Ergebnis war ein Boot, das schneller, effizienter und bequemer war als die anderen Boote der Zeit. Das war vor allem dem V-Rumpf zu verdanken, der mehr über das Wasser gleitet, als dass er durch das Wasser schneidet. Die Hacker Boat Co. hat seitdem viele Veränderungen durchgemacht und baut heute Boote in Ticonderoga, N.Y.. Eines hat sich jedoch nicht geändert: Die Boote sind nach wie vor aus Mahagoni und werden in über 1.000 Stunden Handarbeit gefertigt. Hacker dürfte der fleißigste Hersteller von Holzbooten weltweit sein - mit einem breiten Angebot an Runabouts, Sportbooten, sog. Sportabouts – eine Mischung aus Runabout und Sportbooten, Barkassen, Utility Boats, Yacht-Tendern und Einzelanfertigungen. Preise: ab 235.000 USD. Seit diesem Jahr umfasst die Hacker-Craft Linie auch ein Glasfasermodell: die 8 Meter lange Special Sport, mit der Retro-Linienführung der Sportboote und Mahagoni-Top und -Interieur. Preis: ab 325.240 USD. Zu sehen sind die Boote in den Hacker-Showrooms in Silver Bay, N.Y., und Dania Beach, Florida. Das Unternehmen restauriert auch klassische Holzboote jeder Art.

Riva

Eine Geschichte der Holzboote ohne Riva? Undenkbar, auch wenn das Unternehmen heute nur noch Glasfaserboote herstellt. Bei dem Wort „Holzboot“ fällt vielen zu allererst Brigitte Bardot ein – an Deck einer klassischen Mahagoni-Riva, im Hintergrund die französische Riviera. In der Tat besaß sie eine 1959er Florida, ein Modell, das 1952 auf den Markt gekommen war. Riva wurde 1842 von Pietro Riva am Ufer des Iseosees in Italien gegründet. In den 1950er Jahren wurde das Unternehmen für die Art von Booten bekannt, die heute in unserer Phantasie herumspuken: stilvolle, elegante und handwerklich hervorragend verarbeitete Luxusboote. Zuerst kam die Ariston, dann die Tritone (die erste Yacht mit zwei Aggregaten), die Sebino (die erste Serie) und kurz darauf die Florida, unsterblich gemacht von der Bardot. Als Riva die Aquarama 1962 bei der internationalen Bootsausstellung in Mailand vorstellte, war das Interesse sofort enorm. Ab 1969 baute Riva Glasfaserboote, ein Material, das das Unternehmen auch heute noch verwendet, auch wenn Holz-Runabouts bis 1996 gefertigt wurden, als die letzte Aquarama Special vom Stapel lief. 2000 präsentierte Riva die 10 Meter lange Aquariva, eine Hommage an die klassischen Yachten der 1950er und 1960er Jahre. Der Rumpf ist zwar aus Glasfaser, aber Deck und Dekor sind noch aus Mahagoni. Riva veröffentlicht keine Preise, aber Berichten zufolge liegen sie um 1 Million USD. Wenn Sie an einer Mahagoni-Riva interessiert sind, sollten Sie bei Veranstaltungen wie dem Lake Tahoe Concours d’Elegance auf die Suche nach einem Vintage-Modell gehen.

Chris-Craft

Chris-Craft war einst der weltweit größte Hersteller von Mahagoni-Runabouts, heute jedoch baut das Unternehmen ausschließlich Glasfaser-Replikate seiner Original-Holzboote. Alles begann in Algonac, Michigan, im Jahr 1874, als der erst 13-Jährige Chris Smith sein erstes Holzboot baute. 1881 machte er zusammen mit seinem Bruder Hank die Liebhaberei zum Beruf: Die beiden begannen, standardisierte Runabouts zu bauen. Die eigentlich Chris Smith and Sons Boat Co. entstand erst 1922 und bot 7 bis 10 Meter lange Runabouts an. Nach dem 2. Weltkrieg wendete sich Chris-Craft wieder den Freizeitbooten zu. Im Sortiment gab es bald 100 Modelle – von Do-it-yourself Kits über Sperrholz bis Aluminium und Stahl und schließlich Glasfaser. Die Fertigung der 15 Meter langen Mahagoni-Konstellation wurde 1971 eingestellt. Heute ist es die Capri 21, die 2013 präsentiert wurde, die den klassischen Runabouts der 1930er Jahre am meisten ähnelt. Sie hat einen vertikalen Bug, eine Edelstahl-Bugplatte und einen geneigten Seiteneinfall. Trotz Glasfaser und moderner Ausstattung hat die Capri 21 immer noch ein Deck und Trim aus Holz – elegantes Styling eben, das an die 1930er Jahre erinnert. Preise: ab 68.730 USD

 

(Credit Bild (1): Joel Riner)

Schlagworte:
Autor:
im Original von Danielle Cutler