Verlangen, Emotion und großes Wissen Supersammler - Das treibt sie an

Es benötigt eine Zutat, die Supersammler von reinen Jägern unterscheidet: Geballtes Wissen. Dabei sind Sammler selten Investoren. Früher oder später gewinnen Gefühle und Emotionen die Oberhand.  

Zeichnung von Robb Reports Chefredakteur Joern Kengelbach

24 Millionen US-Dollar für eine Taschenuhr

Als am 11. November 2014 ein anonymer Teilnehmer auf einer Auktion von Sotheby’s in Genf rund 24 Millionen US-Dollar für eine Taschenuhr bot, lag die Vermutung nahe, dass dahinter ein verzogener Potentat steckte, der die Versteigerung buchstäblich um jeden Preis gewinnen wollte. Kenner jedoch wussten, dass der Preis – bis heute der höchste, der je bei einer Versteigerung für eine Uhr gezahlt worden ist – in Anbetracht ihres Seltenheitswerts gar nicht so bemerkenswert war.

Aufwendigste Miniaturmaschine von 1932

Die 18-karätige Taschenuhr von 1932 aus dem Haus Patek Philippe ist bis heute die aufwendigste Miniaturmaschine aus der Ära vor dem computerunterstützten Design. Sie besteht aus mehr als 900 Einzelteilen und bietet 24 Funktionen inklusive Glockenspiel, Ewigem Kalender und einer Sternenkarte des Himmels über genau dem Haus auf der Fifth Avenue in New York, in dem der ursprüngliche Besitzer wohnte. Der Bankier Henry Graves Jr. gab die nach ihm benannte Henry Graves Jr. Supercomplication aber nicht in Auftrag, weil er nach einem besonderen Schmuckstück für sich selbst suchte. Er wollte eine anspruchsvollere Uhr, als sie ein anderer Uhrenfan von den Schweizern hatte anfertigen lassen. Anders gesagt: Er war ein echter Connaisseur.

Kenner mit Wissen

Ein Kenner zu werden – wie Platon es sagt – besteht aus drei Komponenten: Verlangen, Emotion und Wissen. Verkäufe wie die der Henry Graves Jr. Supercomplication generieren die Art von Begeisterung, die neues Verlangen schafft und damit neue Interessenten und Supersammler in das jeweilige Genre lockt.
Das sieht auch Lynn Raynault so, Vizepräsidentin von Wealth-X, einer internationalen Forschungsfirma, die sich auf die Demografie der Superreichen spezialisiert hat. „Rekorde an der Spitze des Marktes schaffen Aufmerksamkeit für eine ganze Industrie“, erklärt sie. „So wollen mehr und mehr Leute ihre Sammlung erweitern oder eine starten.“ Natürlich wird dieser Prozess von Emotionen befeuert. Sammler sind selten Investoren. „Früher oder später gewinnen Gefühle die Oberhand“, sagt John Reardon, Chef der Uhrensparte bei Christie’s. Immer geben dabei ein paar begeisterte Käufer den Takt vor. Großes Wissen ist die Zutat, welche diese Supersammler von den reinen Jägern unterscheidet und sie zu wahren Autoritäten auf ihrem Gebiet macht.
Zusammen mit Wealth-X hat Robb Report eine Liste (zu finden in der aktuellen Ausgabe von Robb Report) der einflussreichsten Kenner aus den Bereichen der Kunst, Autos und Uhren erstellt. Dabei geht es nicht unbedingt um die wertvollste Sammlung, aber um die Wertschätzung unter Experten. Unseren Respekt verdienen sie auf jeden Fall.

Schlagworte:
Quelle:
Autor:
Joern Frederic Kengelbach