Robb Report Der Luxus, den wir meinen

Portrait Jörn Kengelbach

Das lateinische Wort für Luxus bedeutet in seiner ursprünglichen Form Verschwendung und Überfluss und ist hierzulande oft negativ belegt. Die Ursprünge dieser Abneigung gehen weit zurück: Die berühmte schwäbische Sparsamkeit, gepaart mit einem heute oft unbewusst gelebten Protestantismus, führte in der Vergangenheit zu einem Lebensstil, der für ganze Generationen mit einer Leitkultur der Selbstdisziplin und Genügsamkeit den Verzicht auf Luxus vorauseilend mit einschloss. Bei dem tiefen Wunsch, alles richtig zu machen, übersehen viele Menschen hierzulande, dass in kaum einer anderen Region der Erde so viele Luxusprodukte hergestellt werden wie im deutschsprachigen Raum. Daher finden wir es wichtig, die gesellschaftsfähige Kritik am Luxus zu hinterfragen.

Was könnte nachhaltiger sein als Luxusprodukte? Firmen, die hochwertige Dinge herstellen, sichern gut bezahlte Arbeitsplätze und bewahren solche, die früher oder später Maschinen machen würden. Luxusfirmen müssen nachhaltig agieren, da ihre Kunden auf Qualität und Einhaltung internationaler Standards achten. Luxus ist auch ein Kulturgut, in dem der tiefe Wille steckt, Dinge zu erhalten. Luxusprodukte leben länger, das ist systemimmanent. Sie können oft jahrzehntelang repariert werden, die Kunden pflegen sie. Mein Großvater hat immer gesagt: „Ich bin nicht reich genug, um mir billige Dinge zu kaufen.“ Recht hatte er. Darum geht es im deutschen Robb Report: Luxus, der bleibt.

Natürlich ist Luxus immer auch ein Gradmesser für unsere Gesellschaft. Weltweit hat sich im letzten Jahrzehnt eine neue Kultur der Superkunden etabliert, die anspruchsvoller sind als noch vor der Wirtschaftskrise. Sie besitzen insbesondere im europäischen Raum große Kenntnisse über Luxusmarken. Sie kennen die Fabrikationsunterschiede zwischen Luxusuhren oder seltenen Lamborghinis inzwischen besser als viele Redakteure. Das Internet nivelliert den Wissensvorsprung. Und irgendwann suchen sie Dinge, die nicht nur ihren Geldbeutel, sondern ihren Intellekt herausfordern. Robb Report widmet sich diesen Lesern. Deren Anspruch ist unsere Herausforderung. Und machen wir uns da nichts vor. Wir leben in einer Welt, in der Luxus, der nur mit einer Kreditkarte erreichbar ist, längst zu einem Massenphänomen verkommen ist. Das wird auch der letzte Business-Class-Kunde bei Pappbrötchen in der wieder einmal überfüllten Flughafenlounge irgendwann spüren. Massenluxus führt sich selbst ad absurdum.

Der wahre Luxus, dem wir auf der Spur sind, muss wie ein Bergdorf sein, das extrem schwer zu erreichen ist, und zwar rein physisch – egal, wie viel man bereit ist zu zahlen. Das hat mir übrigens mal Richard Mille erzählt, Gründer der gleichnamigen Uhrenfirma. Bei ihm kostet eine Armbanduhr gern mal 100.000 Euro. Luxus könne nur das Einzigartige sein, so Mille. Wir haben unserem Magazin den Claim Die Seele der Dinge gegeben – es signalisiert eine Geisteshaltung. Robb Report ist hierzulande ein neuer Magazintypus. Unser Fokus: aufwendig hergestellte, handgefertigte oder industrielle Produkte. Seien es Autos, Yachten, Flugzeuge, Uhren oder Möbel. Es geht uns um die Gedanken der Interieur- und Industriedesigner, der Sammler und Experten. Um die Erfahrungen des Reisenden und um die Kunst, Dinge genießen zu können. Am Ende geht es immer um das, was unbezahlbar ist: das besondere Erlebnis, die unvergleichliche Produkterfahrung.

Ein anderer CEO eines Luxusgüterkonzerns erzählte mir mal bei einer Veranstaltung, dass es der größte Luxus für ihn sei, mit seinem Bruder und einer Flasche Rotwein nachts in den Bergen den Sternenhimmel anzuschauen. Wann haben Sie so etwas das letzte Mal gemacht? Bei Robb Report geht es genau darum: um die Seele der Dinge und die Menschen, die ihnen diese geben. Wir begleiten Produkte von ihrer Entstehung bis zur Wiederkehr als wertvolles Sammlerobjekt, von der Fertigung in der Hightech-Fabrik bis zur Reparatur beim Experten, von der Skizze bis zur Auktion. Es beginnt bei uns mit der Vorfreude auf Neues und endet beim Kleingedruckten. Drei große Kapitel halten die Themen zusammen: Was kommt, Was ist, Was bleibt. Das ist nicht nur leicht zu merken, das gibt die Aufgabenstellung vor: Wir leben in Zyklen – ob Tages- oder Jahreszeit, ob Arbeit oder Freizeit. Und Produkte werden in Zyklen hergestellt. Diesen Rhythmus sollte ein Luxusmagazin über Produkte abbilden. Wir leben in einer Welt, in der wir im Alltag vieles von Maschinen machen lassen. Technologieprodukte sehen aus, als seien sie vom Himmel gefallen. Aber die Liebe und Lebenszeit, die Menschen bei der Fertigung Luxusprodukten widmen, machen sie erst begehrlich. Dem Wunsch nach dem Verständnis für Fertigung bis ins Detail wollen wir nachkommen. Wir sind überzeugt davon, dass sich der Mensch durch die Dinge, die er mit Hingabe herstellt und die ihn überdauern, Würde verleiht. Das habe ich in den vergangenen zwölf Jahren als jemand, der viel über mechanische Uhren geschrieben hat, gelernt.

Der deutsche Industriedesigner Konstantin Grcic hat das im Gespräch mit Robb Report schön gesagt: „Wir kaufen Uhren nicht wegen der Zeitanzeige, sondern weil sie uns überdauern.“ Wahrer Luxus ist auch: ein Magazin zum Lesen, das man aufheben möchte wie ein gutes Buch. Daher ist Robb Report selbst ebenfalls ein handwerklich aufwendig gefertigtes Produkt – ein Sammlerobjekt zum Schwelgen. Wir suchen dazu die besten Geschichten für unsere Leser – auch in anderen Titeln. Warum sollte ein spannendes Interview aus einer Tageszeitung nicht noch mal abgedruckt werden, wenn es bedeutsam ist? Warum nicht unglaubliche Fotografien aus einem neu erschienenen Bildband noch einmal zeigen? Robb Report kuratiert gute Gedanken.

Wir nehmen Sie als Leser ernst, und ich fordere Sie auf, mit uns in Kontakt zu treten. Ich freue mich auf einen Anruf oder eine E-Mail.

Sie erreichen mich telefonisch unter +49/7622/72 76 78 (+49 Robb Report), oder schreiben Sie mir eine E-Mail an joern.kengelbach@robbreport.de

Ich wünsche gute Unterhaltung.

„Der wahre Luxus ist wie ein Bergdorf, das schwer zu erreichen ist – egal, wie viel Sie zahlen“

Signatur Jörn Kengelbach

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Autor:
Joern Frederic Kengelbach