Luxussafaris erleben Okavango-Delta zeigt sich von seiner schönsten Seite

Wenn die Nacht über Afrika kommt, beginnen die Bäume zu flüstern, und der Fluss sagt leise sein Gedicht auf. Ich gehe über die kräftigen Planken zu meinem afrikanischen Baumhaus am Linyanti River. Und plötzlich durchbricht dieser schwere Moschusgeruch die Süße des leichten Abendwinds. Und dann seh ich ihn zum erstem Mal: den Leoparden. Whatever you do – do not run. Hatte das nicht Paul, einer der Ranger gesagt? Wir schauen uns kurz in die Augen, vielleicht sah er meine Angst, vielleicht sah ich seine. Dann geht er weiter, verschwindet auf leisen Pfoten im Schilf. Sicher im Baumhaus, schmeiß ich meine Matratze auf die kleine Plattform. Davor im Linyanti kabbeln sich zwei Hippos, zwicken sich neckisch in die Ohren. Im Schilf vor meiner Schlafstatt röchelt und grunzt es genüsslich.

Es brodelt im Wasser, Krokodilaugen tauchen wie Stalker auf – und wieder ab. Während die vielen Schatten lang werden, pulsiert die Hitze des Tages noch im Busch, und in den Bäumen flüstern so viele Stimmen, dass man sich ständig ein wenig beobachtet fühlt. Da gibt es noch eine Menge zu entdecken. „Aber verlassen Sie in der Nacht nie allein ihr Zelt – egal, was draußen vor sich geht. Völlig egal was“, das hatte der Ranger mit Sicherheit gesagt. Schade, ich wäre gern den Leopar- denspuren gefolgt. Safari, das Wort stammt ja ursprüng- lich aus der Swahili-Sprache und steht dort für Reisen jeglicher Art, das kann auch ein längerer Spaziergang sein. Da überstürztes, abendliches Joggen im Busch jedoch keine so gute Option ist, bleib ich im Kings Pool Camp in meiner Suite auf Stelzen und schau dem Voll- mond zu, wie er langsam sein Flutlicht auf den Fluss richtet. Joseph Beuys mag mal für 72 Stunden einen Raum mit einem Kojoten geteilt haben, um die Beziehung zwischen Mensch und Tier zu erforschen. Ich brauch mein Schenkelfleisch aber noch.

Doch mit einem Gin Tonic aus der Zimmerbar gehen langsam die Sterne auf. Die Nacht kommt über Afrika. Bevor es aber zu romantisch wird, heulen Hyänen in der Ferne. Und plötzlich ertönt vom Fluss ein schauerliches Gebrüll, der nächtliche Ausflug an die Linyanti-Cocktailbar geht für einen Springbock (was es wirklich war, werden wir erst bei der Safari im Morgengrauen am Skelett sehen) heute Nacht nicht gut aus.

Für uns umso besser. Botswana, reich an Diamantenvorkommen und gern als Schweiz Afrikas bezeichnet, kann es sich leisten, beim Tourismus ausschließlich auf Luxussafaris zu setzen. Die kommerzielle Nutzung der Natur findet ausgesprochen schonend und unter hohen Auflagen statt, so auch in den drei Camps von Wilderness Safaris, die wir besuchen. Auch deswegen ist das Okavango-Delta eines der letzten Naturwunder der Erde geblieben. Mehr als sechshundert verschiedene Vogel- arten leben hier, und hinzu kommt eine der größten Elefantenpopulationen des Kontinents. Und was die Big Five betrifft, erinnern wir uns an das alte Swingermotto: „Alles kann, nichts muss.“ Selbst ein Tag ohne eines der fünf großen Tiere, den es aber nicht gibt, wäre perfekt, angesichts verwunschen gewachsener Bäume und dramatischer Wolkenformationen. Aus Angola kommend, verzweigt sich der Okavango in Botswana auf einer Fläche so groß wie Schleswig-Holstein weitläufig zu Kanälen, Sümpfen und Lagunen. Ohne jemals das Meer zu erreichen, versickert der Fluss am Ende einfach im Sand. Wo sonst nur Wüste wäre, ist ein Pa- radies für Pflanzen und Tiere. Und Menschen. Botswana zieht die großen Tiere magisch an, das zeigt sich auch beim Blick in die umfangreichen Gästebücher. Kings Pool wurde nicht grundlos einst nach einem schwedi- schen König benannt, wenn gleich Großwildjagd im Stil der englischen Kings Georg VI. und Eduard VIII. hier nicht mehr en vogue sind. Weiter südlich in Abu malten Domenico (Dolce) und Stefano (Gabbana) ein großes Herz und schrieben: „Die beste Safari unseres Lebens.“ Prinz Harry, der hier wohl turtelte, pflegte Understate- ment. Er unterschrieb mit „Harry Wales, UK“. Eine weitere Handschrift liest sich irgendwie wie Bill Gates.

Könnte sein, hat doch sein Microsoft-Kompagnon Paul Allen das Abu Camp gekauft, auch dies wird von Wilderness Safaris vermarktet und gehört mit einer Rate von mindestens 1700 Euro pro Nacht zu den teuersten. Die Firma wurde 1983 von zwei Reiseleitern mit dem brennenden Wunsch gegründet, Safari von Grund auf zu verändern, um zurückzukehren zum ganzheitlichen Einklang mit der Natur. Wilderness Safari betreibt über 45 Lodges und Camps in entlegenen und unberührten Gebieten – neben Botswana auch in Kenia, Namibia, Ruanda, Sambia, Simbabwe und Südafrika. Ziel ist es, diese naturnahen Destinationen mit Gästen aus aller Welt zu teilen und gleichzeitig den langfristigen Schutz des Naturerbes Afrikas zu sichern und die Gewinne des sanften Ökotourismus mit der lokalen Bevölkerung zu teilen. Über 85 Prozent der Mitarbeiter stammen aus der angrenzenden Umgebung der Naturreservate und Konzessionsgebiete, so sind auch sie eng mit der Umwelt verbunden und spielen bei ihrem Schutz und ihrem Erhalt eine wichtige Rolle.

In der einmotorigen Cessna geht es von Camp zu Camp.KurzvordemAufsetzenüberfliegtderPilotin einer kleinen Extrarunde die Landebahn, um die Warzenschweine zu vertreiben, die es sich dort gemütlich gemacht haben. Auf eine Kollision mit der animalischen Welt muss man im Okavango-Delta stets gefasst sein. Während am Kings Pool sich das Hippo-Fieber über die Hitze der Nacht legte, dreht sich in Abu vieles um die Kolosse der Savanne. Möglich wurde dies durch den amerikanischen Biologen und Elefantentrainer Randall Jay Moore, der hier an der Lagune ehemalige Zirkusdickhäuter oder verletzte Tiere ansiedelte. Sein Namenspatron Abu stammte aus einem Tierpark in Texas und spielte in dem Film White Hunter Black Heart neben Clint Eastwood eine tragende Rolle. Moore verkaufte Abu Camp 2010 an Paul Allen, der die Zelte komplett neu gestalten ließ, Luxus-Bungalows trifft es jetzt besser, und auch einen Pool und ein kleines Gym hinzufügte. Was durchaus sinnvoll ist: Naturnahes Work-out ist im Busch meist mit Folgeschäden verbunden.

Die – in deutlichen Anführungszeichen – „zahmen“ Elefanten leben hier neben ihren wilden Brüdern und Schwestern, die nachts schon mal durch das Camp schlurfen, wie auch eine Gruppe von drei Hyänen, die sich am Abend neugierig für unsere Dinnerrunde interessieren. Ein Spaziergang durch den Busch mit einer Herde von acht Elefanten gehört sicher zu einem der sinnlichsten Safarierlebnisse, die man haben kann. Auf der einen Seite ist man ehrfürchtig vor den Tieren, auf der anderen fühlt man sich von ihnen wundersamst beschützt. Besonders von Naledi. Als sie vor zwei Jahren in einer typischen Nacht für Botswana – mit klarem Sternenhimmel und Gewitterblitzen und den flackernden Silhouetten der Palmen am Horizont der Lagune – geboren wurde, stand der Name für die Elefantendame schnell fest. Naledi bedeutet Stern auf Setswana, der in Botswana am verbreitetsten Bantusprache.

Im einfacheren, aber nicht minder schön gelegenen Kwetsani-Camp, das mit seinen fünf Baumhäusern auf einer mit Palmen und Feigenbäumen bewachsenen Insel noch mal ein ganz eigenes Naturerlebnis bietet, erkunden wir die Sumpflandschaft mit Mokoros, Kanus, die nicht viel mehr sind als ein langer ausgeschnitzter Stamm aus dem Holz des Terminalia-Baums. Es ist nicht so, dass wir unserem Führer nicht vertrauen würden. Aber in einem Labyrinth aus Schilf und Sumpf, in dem es vor Krokodilen und Flusspferden nur so wimmelt, in einer Nussschale zu sitzen, bekommt das Wort Angst zum ersten Mal in jeder Luftblase an der Wasseroberfläche eine Bedeutung. Im Reiseführer las ich: „Fluss- pferde sind zwar Pflanzenfresser, greifen aber an, wenn siesichbedrohtfühlenoderihrRevierverteidigen.“ Leise sagt der Fluss sein Gedicht auf, das Ende seiner Verse durchaus offen.

Die Produktion bei Wilderness Safaris in Botswana wurde unterstützt von Designreisen. wilderness-safaris. com, www.designreisen.de

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