Trendsetter Der Helikopter wird smarter als ein Jet

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Mitch Snyder, CEO von Bell Helicopter, wollte es den Autoherstellern nachmachen. Die bringen Besucher und Branche auf den Automessen mit ihren Konzeptstudien für Fahrzeuge der Zukunft stets aufs Neue zum Staunen. Bell Helicopter aus Fort Worth, gegründet 1935, ist einer der traditionsreichsten Hubschrauberhersteller der Welt – eine Bell 47 hängt sogar im MoMA in New York. „Aber unsere Industrie ist doch etwas gewöhnlich in dem, was sie anbietet. Ich will nun die Grenzen verschieben und zeigen, wie anders wir sein können. Wir können die Zukunft sein“, verkündete Snyder auf der letzten Heli-Expo in Dallas und sorgte dabei für Aufsehen – mit einer Vision, wie Hubschrauber in einigen Jahren aussehen könnten.

An dem Konzept FCX-001, das Bell vorstellte, ist beinahe nichts so, wie man es bei Helikoptern seit über einem halben Jahrhundert gewohnt ist. Schon äußerlich: ein Rumpfdesign mit viel Glas, stromlinienförmig, mit Einziehfahrwerk statt Kufen – und vor allem ganz ohne dröhnenden Heckrotor. Den braucht man normalerweise, um zu verhindern, dass sich der Hubschrauber um sich selbst dreht. Aber es geht auch anders – um das Drehmoment auszugleichen und die Stabilität und Steuerungsfähigkeit zu verbessern, haben die Ingenieure eine Innovation entwickelt. Beim FCX-001 wird Luft an der Turbine angesaugt und durch elektrisch betriebene Luftschrauben zu Lamellen am Heckausleger befördert und herausgeblasen – ein Hybridantrieb. Neu gedacht sind auch die fünf Rotorblätter: Ihre Spitzen lassen sich in der Pfeilung verstellen, je nach Flugphase, um die Effizienz zu erhöhen. So sind die Blattspitzen beim Abheben voll ausgefahren, damit sie größtmöglichen Auftrieb liefern, was vergleichsweise laut ist. Im Reiseflug hingegen werden sie leicht angelegt, ähnlich wie bei Schwenkflügel-Flugzeugen, damit wird der Widerstand und so die Geräuschentwicklung minimiert – Komfortgewinn für innen wie außen.

Bell Helicopter
Besteigt man die Konzeptstudie durch die Flügeltüren, eröffnet sich auch in der für acht bis zwölf Passagiere ausgelegten Kabine eine völlig neue Welt. Vor allem vorn, wo es kein übliches Cockpit voller Instrumente und Bildschirme mehr gibt – und auch keinen Sitz für einen Copiloten. Dessen Funktion wird eine künstliche Intelligenz übernehmen, während der Pilot auf einem einzelnen, frei stehenden Sitz agiert. Dazu trägt er eine Datenbrille, die in der Virtual Reality alle wichtigen Instrumente und ihre Anzeigen einspiegelt und so eine verbesserte räumliche Wahrnehmung ermöglicht. Der Pilot kann die Instrumente in seinem Blickfeld virtuell dort hinschieben, wo er sie haben möchte, oder sie nur dann aufrufen, wenn er sie braucht – Minority Report lässt grüßen. Die Passagiere werden es so bequem haben wie noch nie in einem Hubschrauber – dank flexibler Sitzkonfiguration, individueller Belüftung sowie Internetzugang. Während die FCX-001 als reine Konzeptstudie so nicht fliegen wird, plant Bell, bereits in fünf Jahren erste Elemente daraus in Serie zu bringen. Das Heckgebläse wird eine der ersten in die Produktion integrierten Innovationen sein, einen Teststand gibt es bereits, und auch der Hybridantrieb steht vor der Serienreife. So ist die Zukunft kurz vorm Abheben.

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