Das besondere Auto Speedback GT: Die Hommage an die 60er Jahre

Das Automotiv Speedback GT von David Brown ist ein Bruch mit dem Raum-Zeit-Kontinuum: Die Swinging 60s auferstanden mit Vorderradantrieb, die Handwerkskunst von Karosseriebauern und Mechanikern alter Schule gepaart mit modernster Technologie.

Speedback GT

Handwerk ist ein zentraler Begriff in dieser Melange aus Einflüssen: Nur 100 Exemplare werden gebaut, pro Exemplare 3200 Arbeitsstunden und ca. $773,000.

RobbReport.com hat sich mit David Brown, dem britischen Entrepreneur, der der Marke ihren Namen und ihr Gesicht gibt, über wiedergeborene Tourer unterhalten und über seine Leidenschaft für moderne Klassiker.

RobbReport.com: Kommen Sie eigentlich aus dem Fahrzeugbau?

David Brown: Ich bin schon seit meiner Kindheit mit dem Bau von Fahrzeugen unterschiedlichster Art beschäftigt. Mein Vater hat ein Unternehmen gegründet, das Erdbaumaschinen herstellt und wir haben immer eng mit Caterpillar zusammengearbeitet, die die Antriebsstränge lieferten. Natürlich war das von der Bauweise her etwas völlig anderes als der Speedback GT. Aber trotzdem: Viele Prinzipien sind ähnlich, insbesondere in Bezug auf die Produktion geringer Stückzahlen.

RR: Was fasziniert Sie an den 1960er Jahren, dass Sie zum Speedback inspiriert hat?

DB: Es war ein Jahrzehnt der Befreiung. Das Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg war von Mangel geprägt. Aber in den 60er Jahren stieg der Wohlstand, so hatten die Menschen wieder mehr Möglichkeiten, ihre Persönlichkeit auszudrücken und viele hatten auch mehr Freizeit. Das führte zu einer wahren Explosion der Ideen, sei es in der Musik, in der Kunst, im Design – und sogar in der Sexualität. Das Styling der Wagen aus dieser Zeit reflektiert diese Veränderungen. Man denke nur an die fließenden Linien und die sinnlichen Kurven des Ferrari 250 SWB und des Jaguar E-Type, an die Aston Martins, Maseratis und Lamborghinis dieser Zeit. Sie alle gehören heute zu den wertvollsten Autos überhaupt, einfach weil sie so schön sind.

Aber am Ende waren es persönliche Erlebnisse, die mich auf die Idee des Speedback brachten. Vor einigen Jahren nahm ich an einer Oldtimer Rallye in Südfrankreich teil. Ein Freund hatte mir seinen Ferrari Daytona geliehen. Das war das Auto, dass ich mir schon als kleiner Junge gewünscht hatte! Ein Traum wird war, dachte ich. Bis ich den Daytona fuhr. Was für eine Enttäuschung! Ich dachte, ich sitze in einem LKW. Es war heiß, laut und Schwerstarbeit, und das bei einer Leistung, die gemessen an heutigen Standards gerade einmal durchschnittlich ist. Gott sei Dank ist der Ferrari liegen geblieben. Ich mietete einen kleinen Peugeot 106 und dachte: „Verdammt, wir haben doch ganz schöne Fortschritte gemacht.“ Der Peugeot hatte eine Stereoanlage, eine Klimaanlage und funktionierende Bremsen. Der Unterschied in der Technologie der beiden Autos war eklatant. Und dann habe ich begonnen, darüber nachzudenken, wie schön es wäre, moderne Komponenten, die für uns heute selbstverständlich geworden sind, mit einem Design zu verbinden, das an die 50er und 60er Jahre anknüpft. Und so entstand der Speedback.

Neben dem emotionalen Aspekt gab es auch noch die praktische Seite der modernen Fertigung, insbesondere wenn wir über Kleinserien und Handarbeit reden. Das ist vor allem wichtig, wenn man vom verkleinerten Modell zum eigentlichen Produkt übergeht. Als wir ernsthaft mit dem Wagen begannen, machten wir zuerst mehrere Lehmmodelle mit subtilen Unterschieden in der Form der Seiten. Daraus haben wir dann diejenige gewählt, die uns am besten gefallen hat. Dieses Modell haben wir digital vermessen, gespiegelt und aus diesen Daten haben wir die Holzformen für die Aluminiumteile gefertigt. Bereits hier haben wir moderne Technologie mit klassischer Handwerkskunst verbunden – das hat mir gefallen.

Speedback GT auf der Straße

RR: Häufig wird die Karosserieform des Speedback mit dem Aston Martin DB5 verglichen. Haben Sie sich real existierende Modelle als Vorbild genommen?

DB: Nein. Und wenn Sie die beiden Fahrzeuge nebeneinanderstellen, sehen Sie, dass sie völlig unterschiedlich aussehen. Ich finde, dass der Speedback schon seine ganz eigene Persönlichkeit hat. Wir haben uns stilistisch nicht an einem bestimmten Wagen orientiert. Als wir ins Designatelier gingen, hatten wir noch nicht mal ein einziges Bild eines Autos an der Wand hängen, nur Riva Schnellboote und Sophia Loren. Bei der Arbeit haben wir immer Musik aus den 60er Jahren gehört, ganz zum Schluss „Dazed and Confused“ von Led Zeppelin. Und so ist das Design entstanden.

Was die Betrachter sehen, hängt von ihrem jeweiligen Referenzrahmen ab. In Deutschland denken die Leute vielleicht, dass die Front aussieht wie ein alter Porsche, die Italiener sehen den Ferrari in ihm, die Briten den Aston Martin. Im Heck haben wir sogar bewusst ein Element aus einem US Muscle Car verwendet: die Form der Radkästen. Sie sehen, es gibt viele verschiedene Einflüsse.

RR: Und Antriebsstrang und Chassis?

DB: Die stammen beide aus dem Jaguar XKR, denn der V8-Kompressor ist mit Abstand mein Lieblingsmotor. Er wurde bereits zu Tausenden hergestellt, ist zuverlässig, leistungsfähig und hat einen geringen Drehmoment, was dieses mühelose GT Gefühl, dieses Touringgefühl verleiht. Und genau das wollte ich. Das war völlig klar. Das Chassis besteht aus einer Reihe von Aluminiumformen, die geschweißt, gelötet und verklebt sind. So bilden sie die perfekte Plattform für unsere Karosserie und das Innenleben. Das ist einfach ein Traumpaar.

In vielerlei Hinsicht ist das, was wir heute machen, genau das, was die Fahrzeugbauer früher gemacht haben. Die Autobauer des frühen 20. Jahrhunderts haben den Antriebsstrang auf ein Chassis gebaut und das Ganze an 20 oder 30 unterschiedliche Karosseriebauer geschickt, die dann eine Karosserie nach ihren Vorstellungen und mit ihrer Handschrift darauf montiert haben. Wir sind die modernen Nachfahren dieser Handwerker.

RR: Sie haben gesagt, der Speedback GT verkörpere alles, was Sie an Stil, Qualität und Leistung schätzen. Wie genau tut er das?

DB: Ich finde, das Design des Speedback ist zeitlos in dem Sinne, dass sich die Ästhetik der 1960er Jahre nie überlebt hat. Sie gilt auch heute noch als wunderschön. Die Leistung des Wagens entspricht genau dem, was ich als „echt GT“ definieren würde. Das ist kein Wagen für die Rennstrecke, sondern für die Langstrecke. Mit dem können Sie gut und gerne 1500 Kilometer am Tag fahren und hinterher fühlen Sie sich nicht, als wären Sie mit Mike Tyson im Ring gewesen.

RR: Wie eng waren Sie in der Zusammenarbeit mit Alan Mobberley am Gesamtdesign und an der Entwicklung des Wagens beteiligt?

DB: Ich war komplett beteiligt. Das Gesamtdesign, der „Look and Feel“ des Wagens, die stammen von mir. Darüber hinaus gab es zahlreiche Elemente, die ich unbedingt haben wollte, für die ich aber einen Experten brauchte, der weiß, wie man diese Komponenten in das Fahrzeug integriert. Und Alan war genau diese Person.

RR: Welche Details, die Ihnen wichtig sind, sollten die Betrachter unbedingt bemerken?

DB: Da gibt es nichts Bestimmtes. Ich finde unsere seitlichen Lufteinlässe mit den integrierten Blinkern toll. Als der erste Speedback GT geliefert wurde, habe ich einfach nur die Metallarbeit bewundert. Ich konnte gar nicht aufhören, das Teil anzufassen. Auch das Interieur ist etwas ganz Besonders – wie aus einem Guss. Und die Front! Diese langgestreckte, kraftvolle Motorhaube. Und dennoch kann man alle Flügel gut erkennen, das heißt, der Wagen ist übersichtlich. Das sind nur einige der Dinge, die ich besonders gelungen finde.

Heckansicht des Speedback GT

RR: Wie wurde der Speedback bis jetzt aufgenommen?

DB: Ich bin ihn gerade heute von Nordengland bis runter in die Midlands gefahren und war mehrmals im Stau und zähflüssigen Verkehr. Viele Leute haben mir das „Daumen-hoch“-Zeichen gegeben oder ihr Fenster runtergekurbelt und mich über den Wagen ausgefragt. Einer unserer ersten Kunden wollte keinen modernen Sportwagen, die so eckig und aggressiv daherkommen. Er meinte, wenn man so einen aggressiv aussehenden Wagen fährt, bekommt man aggressive Reaktionen zurück. Mit dem Speedback GT ist das ganz anders. Jeder lächelt und sagt „Oh, toll!“. Auf diesen Wagen bekommt man immer – ausnahmslos – sehr positive Reaktionen. Das finde ich als Besitzer einfach herzerwärmend.

RR: Sie wollen ja nur 100 Exemplare des Speedback GT bauen. Was steht also als nächstes auf dem Produktionsplan von David Brown Automotive?

DB: Wir haben ein paar Ideen, aber noch nichts Spruchreifes. Alle Ideen gehen von der Philosophie aus, dass wir die Essenz einer bestimmten Ära erfassen und ihr ein zeitgenössisches Aussehen geben wollen. Mehr kann ich im Moment noch nicht dazu sagen.

Schlagworte:
Autor:
im Original von Viju Mathew